Zinsänderungsrisiko

Was ist das Zinsänderungsrisiko?

Das Zinsänderungsrisiko beschreibt die Möglichkeit der Veränderung der Zinsbelastung oder des Zinsertrags. Es beschreibt dabei die Gefahr, dass sich die mit einem Finanzprodukt verbundenen Zinsen entweder während der Laufzeit, bei Vertragsverletzungen seitens des Kreditnehmers oder bei Verlängerung einer Finanzierung ändern können.

Es gibt verschiedene Einflussfaktoren für das Zinsänderungsrisiko. Dies beginnt bei der Entwicklung des Marktzinses und dessen Auswirkungen auf bestehende oder zu verlängernde Geschäfte. Zinsen können sich auch dann ändern, wenn die Bank die Geschäftspolitik ändert und bestehende Verträge nach oben anpasst. Um beispielsweise aus einem variabel verzinsten Dispokredit mehr Zinsüberschuss herauszuholen – unter der Annahme der Treue der Stammkunden. Die Bank kann Verträge auch durch ein Zinsänderungsrisiko bewusst unattraktiv machen: Rechnet sie beispielsweise mit einem massiven Zinsschub in sechs Jahren, so wird sie keine 10-jährige Zinsbindung eingehen.

Das Zinsänderungsrisiko beeinflussen

Das Zinsänderungsrisiko kann seitens der Bank oder des Kunden durch den gezielten Abschluss passender Produkte und Finanzierungen beeinflusst werden. Die Bankgeschäfte könnten zudem auf einer Skala angeordnet werden beginnend bei einem Zinsänderungsrisiko von null bis hin zu einem vollen Zinsänderungsrisiko.

Verträge mit anfänglichem Zinsänderungsrisiko auf Kundenseite von exakt 0,0 Prozent

Bei einem Immobilienkredit können beide Vertragspartner vor Vertragsabschluss eine Zinsbindung von mehreren Jahren bis zu einer sehr langen Laufzeit vereinbaren.
Der Bau eines Hauses oder Kauf einer Eigentumswohnung sind alleine schon wegen der damit verbundenen Finanzierungssummen und dem Einfluss auf Wohn- bzw. Lebensqualität von einer sehr großen Bedeutung. Die Rückzahlung der Finanzierung kann im Regelfall nicht in dem üblichen Zeitraum abgeschlossen werden, der beispielsweise bei einem Autokredit üblich ist. Deshalb suchen die Kunden auch nach einer Finanzierung mit möglichst wenig Überraschungen.

Im Zeitraum so zwischen 2010 und 2019 gab es einen klaren Abwärtstrend bei den Zinsen bis hin zu einem historischen Zinstief. So sprach die Bundesbank im letzten Quartalsbericht des 1. Quartals 2019 bei Immobilienkrediten bis zu fünf Jahren von einem durchschnittlichen Zins des Neugeschäfts von unter 2 %. Auch die „längeren Laufzeiten“ sind vergleichsweise günstig.

Dieser niedrige Zins wird die Kreditnehmer wahrscheinlich bei der Wahl der Zinsbindung bzw. der Festlegung des Zinsänderungsrisikos beeinflussen. Da die Zinsen nicht viel mehr weiter fallen können, werden die Kreditsuchenden wohl einen möglichst langen Festzins vereinbaren. Die ursprüngliche Zinsbindung bzw. Festzinsphase kann dann nicht nur fünf, sondern bis zu zwanzig Jahre betragen. Allerdings hat bei diesen lang laufenden Verträgen nur der Kreditnehmer keinerlei Zinsänderungsrisiko. Anders sieht es für die kreditgebende Bank aus.

Verbraucherschutz und Rechtslage haben sich nachteilig für die Banken entwickelt: Inzwischen können die Bankkunden praktisch jederzeit den Finanzierungspartner wechseln und die Kreditsumme auf einen Schlag zurückzahlen. Die Bank ist bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung sehr eingeschränkt. Zudem sorgt der Marktdruck dafür, dass oftmals Sondertilgungen mit einem hohen Prozentsatz des Restsaldos jederzeit möglich sind – ohne dass die Bank etwas dafür berechnen darf.
Damit kann festgestellt werden, dass ein Zinsänderungsrisiko von null für den Kreditnehmer nicht automatisch auch das Zinsänderungsrisiko von null für den Kreditgeber bedeutet.

Langfristige Geldanlage mit Zinsänderungsrisiko von 0 für beide Seiten

Die Wirkung einer Festzinsvereinbarung, die für beide Seiten verbindlich ist, lässt sich am Beispiel einer fünfjährigen bzw. zehnjährigen Bundesanleihe sehr gut verdeutlichen. Die fünfjährige Bundesanleihe mit der Wertpapierkennnummer 114179 legt die Verzinsung (und spätere Rückzahlung) für einen Zeitraum vom 05.04.2019 bis zum 05.04.2024 fest. Die Bundesrepublik Deutschland als Schuldner zahlt einen Kupon von 0,00 %, der Käufer kann für diesen Zeitraum fest davon ausgehen, dass er für diesen Betrag keinen Strafzins bei der Zentralbank zahlen müsste.

Eine zehnjährige Laufzeit (Wertpapierkennnummer 110246) beginnend am 15.02.2019 bis zum 15.02.2029 zahlt einen Kupon von 0,25 Prozent. Die Bundesrepublik Deutschland als Schuldner und der Inhaber der Anleihe (egal ob Privatperson oder Firma) können von einem Zinsänderungsrisiko von exakt null ausgehen. Der Grund: Eine Rückgabe während der Laufzeit ist ausgeschlossen. Der Anleger kann die Anleihe zwar an der Börse weiterverkaufen, dies hat aber keinen Einfluss auf die Zinszahlungen und die auf Seite des Schuldners entstehende Belastung. Es wechselt dann lediglich der Eigentümer der Anleihe, der diese dann auf seinem Wertpapierdepot verbucht.

Wertpapiere mit gezielt vereinbartem Risiko von Zinsänderungen

Mögliche Zinsveränderungen können auch getilgt in ein Finanzprodukt integriert werden. Das Stichwort lautet: Variable Zinsen. Wer als Anlegerin oder Anleger von in nächster Zeit steigenden Zinsen ausgeht, der wird wahrscheinlich keine langfristige Festzinsanleihe zeichnen. Und sich stattdessen wahrscheinlich eher für ein Wertpapier entscheiden, welches über einen variablen Zins verfügt. Dieser Zins wird oftmals in der Form eines Referenzzinses (beispielsweise des Frankfurter Interbankenzinssatzes für 3 Monate) plus eines Zuschlags angegeben. Steigt dieser Referenzzins, so wird die Anleiheverzinsung mit einer fest definierten Zeitverzögerung angepasst.

Sowohl der Emittent dieses Finanzproduktes, als auch der Anleger entscheiden sich in diesem Fall bewusst für ein hohes Zinsänderungsrisiko. Mal aufgrund einer unterschiedlichen Meinung über die Zinsentwicklung, andernfalls sieht beispielsweise der Emittent den Vorteil des Zinsabschlags gegenüber einem Festzins höher an als sein Zinsänderungsrisiko.

In der Zusammenfassung kann gesagt werden, dass das Zinsänderungsrisiko sowohl den Anleger, als auch den Kreditnehmer wie auch den Emittenten von Finanzprodukten treffen kann. Es kann aber durch die Wahl der richtigen Produktkonditionen auf einen gewünschten niedrigeren oder höheren Wert gebracht werden. Die Festlegung des Risikos ist damit auch eine strategische Entscheidung, die sorgfältig getroffen werden sollte.