Wesentliche Anlegerinformationen

Was sind wesentliche Anlegerinformationen?

Europäische Investmentgesellschaften müssen die wesentlichen Merkmale ihrer Fonds gemäß einer Verordnung des europäischen Gesetzgebers aus dem Jahr 2010 nach festen Vorgaben darstellen. So soll für die Anleger mehr Transparenz und Vergleichbarkeit geschaffen werden. Ein Informationsblatt für Investmentfonds sind Wesentliche Anlegerinformationen (WAI). Die Investmentfonds werden damit für die Anleger verständlicher. Die WAI ersetzen den bisherigen vereinfachten Verkaufsprospekt.

Mehr Verständnis für Inhalt und Funktionsweise von Finanzinstrumenten

Wesentliche Anlegerinformationen sollen den Anlegern mehr Verständnis für Inhalt und Funktionsweise von Finanzinstrumenten vermitteln. Auf einen Blick sollen sich Anleger über Chancen und Risiken von Finanzprodukten informieren können. Die wichtigsten Sachverhalte für eine Anlageentscheidung müssen für Investoren auf wenigen Seiten prägnant zusammengefasst werden. Alle für die Anlageentscheidung relevanten Fakten werden auf zwei DIN-A4-Seiten zusammengefasst. Im Fonds-Bereich werden solche Informationsblätter als wesentliche Anlegerinformationen bezeichnet. Andere Bezeichnungen sind

  • Key Information Document (KID)
  • Key Investor Document (KID)
  • Key Investor Information (KII).

Die festen Vorgaben zur Darstellung der wesentlichen Merkmale von Investmentfonds gelten für deutsche Fonds seit 01. Juli 2011, während für alle anderen europäischen Fonds eine Umstellungsfrist bis zum 30. Juni 2012 galt.

Erweiterung des Verbraucherschutzes durch umfangreichere Informationen

Wesentliche Anlegerinformationen sollen für Kleinanleger einen besseren Verbraucherschutz darstellen, um Kleinanleger vor schwerwiegenden Verlusten wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008 und 2009 zu schützen. Seit der Regulierung der Bankenbranche sind Produktinformationsblätter Pflicht und müssen bei jedem Beratungsgespräch mit Produktempfehlung an den Bankkunden ausgegeben werden. Seit dem 01. Juli 2011 bekommen Fonds-Investoren, die sich für deutsche Investmentfonds entscheiden, von den Anbietern solche zusammengefassten Produktinformationen. Diese Produktinformationen galten zunächst für offene Investmentfonds. Da jedoch auch bei anderen Kapitalanlagen hohe Verluste zu verzeichnen waren, gilt die Regulierung seit 2012 auch für Vermögensanlagen und seit 2013 auch für geschlossene Investmentfonds.

Wesentliche Anlegerinformationen – Anforderungen und Inhalt

Wesentliche Anlegerinformationen müssen alle wichtigen Aussagen für Anlegerentscheidungen kurz und knapp auf zwei Seiten zusammenfassen. Sie müssen übersichtlich gestaltet sein und sich auf relevante Informationen beschränken. Da für strukturierte Fonds umfangreichere Informationen erforderlich sind, dürfen die dafür geltenden Aussagen maximal drei Seiten umfassen. Der Privatanleger muss sich darüber informieren können, wie die Verwirklichung seiner Anlageziele durch die Vor- und Nachteile eines Fonds beeinflusst wird. Vor der Vertragsunterzeichnung bei einer Bank oder einem Finanzvermittler muss der Anleger wesentliche Anlegerinformationen in schriftlicher Form erhalten. Die Angaben in den Informationsblättern müssen die Aussagen im Verkaufsprospekt zusammenfassen.

Für alle WAI gelten die gleichen Inhaltsvorgaben. Wesentliche Anlegerinformationen für OGAW, bei denen es sich um offene Publikumsfonds handelt, müssen

  • Charakteristik des Investmentvermögens mit Bezeichnung und ISIN oder Wertpapierkennnummer (WKN)
  • Beschreibung von Anlagezielen und Anlagepolitik
  • Risiko- und Ertragsprofil
  • Kosten und Gebühren
  • bisherige Wertentwicklung und Performance-Szenarien
  • Informationen über Zulassung, Verwahrstelle und Anteilsklassen

enthalten.

Diese Regelungen gelten auch für geschlossene Publikumsfonds, doch muss nicht das Risiko-Ertragsprofil beschrieben, sondern auf die Risiken der Kapitalanlage hingewiesen werden. Dafür ist statt Grafiken die Textform erforderlich. Anleger sollten darüber informiert werden, welche Faktoren sich auf das Investment oder die Rendite auswirken und wie sie dafür haften müssen. Auf die fehlende oder eingeschränkte Liquidität von Anteilen an geschlossenen Investmentvermögen muss hingewiesen werden. Bei der Darstellung der Kosten müssen Provisionen und Vergütungszahlungen für Initiatoren, Kapitalverwaltungsgesellschaft und andere Verantwortliche extra dargestellt werden.

Wesentliche Anlegerinformationen und deren Aufbau

Wesentliche Anlegerinformationen sind nach vorgegebenen Merkmalen gegliedert. Bei Publikumsfonds wird das Risiko- und Vertragsprofil auf der Skala der Wertschwankungen von 1 bis 7 eingeordnet. Damit wird die Schwankungsbreite der Fondspreise dargestellt. Die Kennzahl SRRI (Synthetic Risk and Reward Indicator, synthetischer Risiko- und Ertragsindikator) basiert auf einheitlichen europäischen Linien. Der Käufer soll erkennen, dass hohe Ertragschancen mit großen Verlustrisiken verbunden sind. Auf die wichtigsten Anlagerisiken muss in Textform hingewiesen werden. Der Punkt Kosten und Gebühren weist die prozentuale Gesamtkostenquote aus, die sich in einmalige, laufende und weitere für einen Fonds anfallende Kosten gliedert. Grundlage für die Wertentwicklung sind die letzten zehn Jahre, die grafisch im Vergleich zur Benchmark abgebildet werden.

Wesentliche Anlegerinformationen und ihre Bedeutung in der Praxis

Wesentliche Anlegerinformationen verbessern die Transparenz des europäischen Fonds Marktes. Anleger können verschiedene Fonds miteinander vergleichen und anhand der Gesamtkostenquote den Fonds finden, der höhere Ertragschancen bei einer geringeren Kostenbelastung bietet. Zu Beginn eines Jahres, spätestens nach 35 Tagen, muss ein überarbeitetes Informationsblatt vorgelegt werden. Auch bei Änderungen bei den Fonds müssen die Informationsblätter aktualisiert werden. Wesentliche Anlegerinformationen bieten für Kleinanleger den Vorteil, dass komplexe Risiko-Rendite-Zusammenhänge besser dargestellt werden.