Value at Risk

Was ist Value at Risk?

Value at Risk ist eine Kennzahl für Banken, Versicherungen und Investmentfonds, um das Risiko eines Verlustes bei Aktien- oder Kreditportfolios abzuschätzen.
Abgekürzt wird der Begriff mit VaR. Die Kennzahl ermöglicht es, das Risiko einer Investition zu quantifizieren. Anhand dessen können Finanzdienstleister ermitteln, wie hoch innerhalb einer bestimmten Zeitspanne und unter normalen Marktbedingungen ein möglicher Verlust einer Investition ist.

VaR wird von Banken und Versicherungen als ein Risikomaß für Anlageportfolios, die sich aus mehreren Finanzmitteln zusammensetzen oder für einzelne Finanztitel genutzt. Anhand des Value at Risk kann die Wahrscheinlichkeit eines maximalen Verlustes einer Investition innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ermittelt werden. Mit dieser Rechnung kann auf der anderen Seite die sogenannte Restwahrscheinlichkeit, das heißt, wie häufig der Verlust höher als der Durchschnitt ausfällt, bestimmt werden.

Einflussgrößen auf den Value at Risk

Für die Berechnung des möglichen Verlustes und die Bestimmung des VaR werden 3 Parameter benötigt. Dies sind die Haltedauer der Positionen in Tagen, Wochen oder Monaten, die Referenzperiode – beispielsweise ein Jahr – und das als Vertrauenswahrscheinlichkeit bezeichnete sogenannte Konfidenzniveau in Prozent. Der Value at Risk wird von Banken und Investmentgesellschaften in der Regel täglich neu berechnet.

Darüber hinaus müssen bestimmte Voraussetzungen für eine aussagekräftige Berechnung des Value at Risk gegeben sein. Insbesondere müssen die eine Investition betreffenden Risiken in einzelne Kategorien aufgeteilt und beschrieben werden. Zudem müssen die Abhängigkeiten der Risiken untereinander geschätzt werden können oder optimalerweise bekannt sein. Eine weitere wichtige Voraussetzung für eine verlässliche Berechnung ist, dass die Eigenschaften der Risiken über die Zeit stabil sind und mit einer hohen Zuverlässigkeit prognostiziert werden können.

Ein Beispiel: Ein Investmentfonds hält 100.000 Aktien einer einzelnen AG. Der Aktienkurs betrug beim Kauf 60 Euro, sodass sich ein Gesamtwert der Investition in Höhe von 6 Millionen Euro ergibt. Um den VaR für den nächsten Tag zu bestimmen, wird als Referenz beispielsweise das vergangene Börsenjahr mit 220 Handelstagen herangezogen. An 11 oder 5 % der Handelstage in der Vergangenheit wurde für diese Aktien ein Kursverlust von mindestens 300.000 EUR registriert. In der übrigen Zeit, den verbleibenden 209 oder 95 % der Tage waren die Kursverluste geringer oder der Kurs der Aktien ist gestiegen.

Daraus ergibt sich ein VaR für den nächsten Tag, dass mit einer Vertrauenswahrscheinlichkeit von 95 % der Verlust der Aktien 300.000 Euro oder 5 % des Portfoliowertes nicht übersteigen wird.

Analytischer Ansatz und Simulationsansatz zur Bestimmung des Value at Risk

Für die Berechnung des VaR kann ein analytischer Ansatz oder ein Simulationsansatz gewählt werden. Beim analytischen Ansatz werden die Chancen und Risiken einer Investition fest definiert. Dies geschieht in der Praxis in der Regel anhand einer sogenannten Normalverteilung. Der Value at Risk kann im Anschluss mit einer einfachen mathematischen Formel berechnet werden. Beim Simulationsansatz stehen zwei Simulationsmodelle zur Verfügung. Dies sind die historische Simulation und die Monte Carlo Simulation.

Bei der historischen Simulation wird die historische Verteilung von Risiken und Chancen als repräsentativ für die Berechnung des Value at Risk herangezogen. Bei der Monte-Carlo-Simulation werden Chancen und Risiken anhand von Zufallszahlen auf der Basis einer vorher erfolgten Zufallsverteilung simuliert.

Kritik am Value at Risk

Einer der Hauptkritikpunkte am Value at Risk ist, dass diese Kennzahl keine Aussage über die Periodizität eines Schadensereignisses treffen kann. Für das oben genannte Beispiel bedeutet dies, dass die 11 Tage mit einem hohen Verlust nicht über die Periode verteilt auftreten müssen. Es kann genauso gut passieren, dass die Verluste an mehreren Tagen hintereinander die Risikoabschätzung übertreffen und danach für einen langen Zeitraum nicht mehr auftreten.