Stagflation

Stagflation einfach erklärt

Das Wort Stagflation ist eine Zusammenfügung der Begriffe „Stagnation“ und „Inflation“. Wenn die Wirtschaft stagniert, wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) (das Standardmaß für die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes) entweder nur sehr langsam oder schrumpft unter Umständen sogar.

Bei einer Inflation erhöhen sich stetig die Preise für Waren und Dienstleistungen bzw. die Kaufkraft des Gelds sinkt.
In einem normalen Jahr könnte die Inflation um zwei bzw. drei Prozentpunkte steigen.
Wenn die Inflationsrate über fünf oder sogar zehn Prozent steigt, kann dies allerdings schwerwiegende Folgen haben.

Die natürliche Folge der wirtschaftlichen Stagnation ist eine erhöhte Arbeitslosigkeit:

Was ist der Unterschied zu einer Rezession?

Eine Konjunkturabkühlung ist ein normaler Bestandteil des makroökonomischen Zyklus. Wenn die Finanzspekulation außer Kontrolle gerät, wie bei den Technologiewerten Ende der 1990er-Jahre und dem Immobilienmarkt Mitte der 2000er-Jahre, muss sich der Markt stabilisieren. Dies geschieht normalerweise durch eine vorübergehende, wenn auch schmerzhafte Rezession.

Zwischen einer Rezession und einer Stagflation gibt es jedoch einen signifikanten Unterschied: Die anhaltende Phase langsamen Wirtschaftswachstums ist bei der Stagflation mit hohen Inflationsraten verbunden.

Das gefährliche Szenario der Stagflation

In einer Stagflation stagniert die Wirtschaft und die Inflation gerät außer Kontrolle:

Bei einer Stagflation entstehen mögliche Folgen auf bestimmte Anlageklassen. Investitionen in Immobilen und Anleihen können an Wert verlieren. Das liegt daran, dass Immobilienpreise während einer Stagflation sinken und Unternehmen ihre Bonität verlieren.

Stagflation als unentdecktes Phänomen

Vor den 1970er-Jahren hielten Ökonomen eine stagnierende Wirtschaft und eine zur gleichen Zeit auftretende hohe Inflation für unmöglich.

John Maynard Keynes war ein einflussreicher britischer Ökonom. Nach seinen wirtschaftlichen Grundsätzen war die Inflation ein Nebenprodukt des Wirtschaftswachstums.
Die Keynesianer erkannten die Ursachen und Bedeutung der Stagflation noch nicht. Ihnen war nicht bewusst, dass es andere mächtige wirtschaftliche Kräfte gab, die die Inflation in eine Aufwärtsspirale stürzen konnten.
Sie hielten die Stagflation in der Wirtschaft nicht für möglich.

Das Beispiel der Stagflation der 1970er

Der Begriff Stagflation existiert erst seit der Wirtschaftskrise, die in den 1970er-Jahren in den USA einsetzte.
Zu dieser Zeit begann der Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg nachzulassen aufgrund:

  • des zunehmenden internationalen Wettbewerbs
  • der Kosten des Vietnamkrieges
  • des Rückgangs der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe

Präsident Nixon versuchte diese Probleme durch eine Abwertung des Dollars und der Erklärung von Lohn- und Preisstopps zu lösen. Doch die Maßnahmen brachten nicht den erhofften Erfolg.
Stattdessen verschärfte sich die Krise als ölreiche Nationen im Nahen Osten als Vergeltungsmaßnahme für die Unterstützung Israels ein Embargo gegen die Vereinigten Staaten erklärten.

Die Folgen für die Volkswirtschaft führten in die erste Stagflation. Diese spiegelte sich wie folgt wider:

  • explodierte Ölpreise
  • höhere Produktionskosten
  • Kündigungen à hohe Arbeitslosenquoten

Erst als sich einige Jahre später der Ölpreis wieder stabilisierte, ging die Stagflation zurück. Die Situation entspannte sich.

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