Risikoklassen

Was sind Risikoklassen?

Bankkunden, welche Bankprodukte käuflich erwerben wollen, werden heute im Rahmen des Beratungsgesprächs in sogenannte Risikoklassen eingestuft. Bei den Risikoklassen geht es um eine Zuordnung der Kunden, deren Neigung auf Risiken den Anlagen entsprechend, zu bestimmten Klassifizierungen. Aktuell gibt es fünf Risikoklassen.

Allgemeines über Risikoklassen

Weil jeder Bankkunde mit unterschiedlichen Vorstellungen, aber auch mit verschiedenem Wissensstand, über die zu tätigenden Anlagen zum Kundengespräch kommt, ist es für die Bank wichtig, diesen Kenntnisstand festzustellen. Generell müssen Anleger heute über sämtliche Finanzprodukte, welche sie erwerben wollen, genau informiert werden. Eine erste Feststellung der Risikoneigung des Kunden wird bereits am Anfang des Beratungsgespräches vorgenommen. Dieses Gespräch wird im Fachjargon Anlageberatung genannt. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben muss eine Anlageberatung anleger- und objektgerecht erfolgen. Nachdem der aktuelle Kenntnisstand des Kunden durch einige typische Fragen ermittelt wurde, werden dem Kunden diesem Kenntnisstand entsprechend durch den Bankberater verschiedene Produkte vorgeschlagen. Der ermittelte Kenntnisstand des Bankkunden wird während des Beratungsgespräches in einem Beratungsvertrag schriftlich festgehalten. Geregelt sind die verschiedenen Parameter im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG).

Welche Risikoklassen es gibt und was sie im Einzelnen bedeuten

Die Banken stufen die Risiken ihrer eigenen Produkte individuell und nach eigenem Ermessen ein. Die Ursache dafür ist, dass es keine gesetzlichen Vorgaben über die Klassifizierungen gibt, weshalb den Banken die Einteilung der Risikoklassen durch den Gesetzgeber weitgehend überlassen wird. Wichtig ist jedoch, dass Anlagehorizont, finanzielle Tragfähigkeit und Kenntnisstand des Anlegers sich in der jeweiligen Risikoklasse widerspiegeln.

Die Grundlage der Risikoklassen stellt das sogenannte magische Dreieck dar. Bei diesem theoretischen Konstrukt geht es um die Wechselwirkung zwischen den Kriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität. Dabei verfügt jedes Anlageprodukt über ein ganz bestimmtes Verhältnis zwischen den drei genannten Kriterien. Wer auf Sicherheit und Liquidität setzt, erhält weniger Rendite. Welcher Bankkunde sich einen höheren Gewinn seiner Anlage wünscht, muss im Unterschied Abstriche bei Sicherheit und Liquidität machen. Sind die Kriterien des magischen Dreiecks je Kunde festgelegt, hat dies bereits entscheidenden Einfluss auf die jeweilige Risikoklasse.

Die einzelnen Kriterien der Risikoklassen in einem Überblick

Die Risikoklasse 1 kommt für Sparer mit der geringsten Risikoneigung infrage. Zu den Anlagen in der Risikoklasse 1 gehören Festgelder und Pfandbriefe, Tagesgeld und Geldmarktfonds, welche in Euro laufen.

In die Risikoklasse 2 gehören alle Anlagen mit ebenfalls hoher Sicherheit wie Geldmarktfonds und Rentenfonds in Euro, Anleihen in Euro mit einer guten Bonität und offene Immobilienfonds

Die Risikoklasse 3 beinhaltet bereits die ersten Fonds, und zwar europäische Aktienfonds oder Mischfonds, internationale Rentenfonds, Auslandsanleihen in der Währung Euro sowie Währungsanleihen mit guter Bonität.

Die Risikoklasse 4 beinhaltet nichteuropäische Aktienfonds, Zertifikate, Währungsanleihen, welche eine mittlere Bonität aufweisen und Nebenwerte-Aktien. Wie an den genannten Anlageprodukten gut erkennbar ist, handelt es sich bei der Risikoklasse 4 um eine Klassifizierung, die laut magischem Dreieck klar in Richtung Rendite geht. Sicherheit und Liquidität spielen bei der Risikoklasse 4 eine eher untergeordnete Rolle.

Die Risikoklasse 5 ist die höchste beziehungsweise die niedrigste Risikoklasse. Kunden in der Risikoklasse 5 lieben das Risiko und setzen voll und ganz auf Rendite. Entsprechend sieht das Portfolio der möglichen Anlagen aus. Neben Optionen und Futures sowie natürlich Aktien aller Art setzen die Anleger in der Risikoklasse 5 auf spekulative Aktien und auf internationale Nebenwerte. Von Bankkunden in der Risikoklasse 5 wird ein detailliertes Wissen über die verschiedenen Anlageprodukte sowie deren Risiken erwartet. Der Bankberater wird bei Kunden, die das Risiko lieben, genauer nachfragen, welche Vorkenntnisse dieser besitzt. Außerdem muss bei Kunden in der Risikoklasse 5 ebenfalls auf die Wechselwirkungen, resultierend aus dem magischen Dreieck, hingewiesen werden. Für Anlagen in der Risikoklasse 5 kann es sogar einen Totalverlust geben. Die Kunden der Risikoklasse 5 müssen laut Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) beim Beratungsgespräch zwingend auf diesen Umstand hingewiesen werden.

Fazit

Mit der Schaffung von Risikoklassen ist dem Gesetzgeber ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz bei der Anlageberatung gelungen. In den 1990er Jahren eingeführt, lassen sich Kunden dank der Risikoklassen von den Banken effizienter, sicherer und leichter beraten. Auch für den Bankkunden stellen die Risikoklassen eine verlässliche Kennziffer dar. Er weiß genau, ob er ein Risiko eingeht und mit welchen Folgen er unter Umständen rechnen muss. Übrigens lassen sich Risikoklassen jederzeit ändern und die Anlageprodukte anpassen, beispielsweise, wenn der Kunde ein höheres oder ein niedrigeres Risiko wünscht. Feststellen lässt sich die veränderte Risikoneigung dann wieder unter Zuhilfenahme des magischen Dreiecks.