Offshore Windkraft

Was ist Offshore Windkraft?

Offshore Windkraft ist Windenergie, die auf Windkraftanlagen auf dem Meer gewonnen wird. Ein anderer Begriff ist die Offshore Windenergie. Die Windkraftanlagen werden auf dem Festlandsockel errichtet. Die Einrichtung der Anlagen ist technisch wesentlich anspruchsvoller als die Errichtung von Windanlagen zu Land. In Deutschland werden die meisten Anlagen in einer Entfernung von 30 bis 40 km von der Küste errichtet. Die Wassertiefe beträgt zumeist 40 Meter. Die hohen Kosten sollen durch die stetige Gewinnung von Windenergie wieder eingespielt werden.

Die Windkraftanlagen erzielen durchschnittlich eine Auslastung von 3500 bis 5000 Vollaststunden, da der Wind auf See konstant bläst. Derzeit liegt die Leistung von Windkraftanlagen vor Deutschlands Küsten bei 8 Megawatt (MG). Zu den führenden Nutzern von Offshore Windkraft in Europa gehören Großbritannien, Deutschland, Dänemark, die Niederlande und Belgien. Außerhalb Europas wird die Windenergie vom Meer auch in China stark genutzt.

Stand in Deutschland

In Deutschland werden Windparkanlagen außerhalb der 12-Meilen-Zone errichtet. Die Anlagen befinden sich innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), für die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie verantwortlich ist. Stand Juni 2018 gibt es in der Nord- und Ostsee 1169 Windkraftanlagen zur Gewinnung von Offshore Windkraft. Zusammen erzeugen sie 5.387,3 MW an Leistung. Gleichzeitig stehen 62 weitere Anlagen bereit, lieferten jedoch bislang noch keinen Strom. Sie könnten bis zu 429,5 MW liefern. 5 weitere Projekte befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Bau und für 139 weitere waren schon die Fundamente gesetzt. Drei weitere Anlagen zur Gewinnung von Offshore Windkraftbefinden sich innerhalb der Zwölf-Meilen-Grenze. Für sie sind die jeweiligen Bundesländer zuständig.
In 2018 liefern die Windparkanlagen in der Nord- und Ostsee rund 19,1 Terawattstunden (TWh) winderzeugter Energie. Davon kommen rund 16,75 TWh von der Nordsee und 2,35 TWh von der Ostsee. Im Jahre 2016 betrug die Menge an Offshore Windkraft noch 12,09 TWh.

Kosten

In die Stromerzeugungskosten für Offshore Windkraft fließen die Investitionsausgaben für die Technik und den Aufbau, etwa die Fundamente, die Turbinen, Kabel, Umspannplattformen, die Zertifizierung, Genehmigung und schließlich die Installation. Dazu kommen laufende Betriebskosten für die Wartung, die Reparatur und die Aufwendungen für die Versicherungen. Was die Finanzierung anbelangt, kommen noch die Zinsen für das Fremd- und Eigenkapital hinzu. All diese Kostenfaktoren zusammengerechnet betragen die Stromerzeugungskosten für Offshore Windkraft zwischen 12,8 ct/kWh bis 14,2 ct/kWh. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Studie von Prognos und Fichtner aus dem Jahre 2013.

Dabei sollte man beachten, dass es sich um eine noch recht junge Technologie handelt. Die Stromerzeugungskosten der Windkraftanlagen sollten mit wachsender Erfahrung und Verfeinerung der Technologie mit der Zeit sinken. Laut Siemens Windenergie sollen sich die Kosten für Offshore Windkraft bis zum Jahre 2020 um 40% senken lassen. Laut Siemens liegt das Einsparpotenzial vor allem bei der Gewichtsreduzierung, der industriellen Serienfertigung, der Logistik und längeren Rotorblättern.

Förderung

Die Offshore Windkraft wird durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz gefördert. Dadurch wird garantiert, dass der aus Windenergie erzeugte Strom durch den Netzbetreiber abgenommen wird. Gleichzeitig garantiert das Gesetz auch einen festen Vergütungssatz über einen bestimmten Zeitraum.

Der Vergütungssatz soll eine höhere Planungssicherheit für Investoren und die Betreiber der Windkraftanlagen bieten. Die durch das EEG festgelegte Vergütung beträgt 15,4ct/kWh für die ersten 12 Jahre. Dieser Satz gilt seit dem August 2014. Nach 12 Jahren sinkt die Anfangsvergütung auf ein Viertel von 3,9 ct/kWh. Die Anlagenbetreiber können auch das Stauchungsmodell wählen, bei dem die Anfangsvergütung 19,4 ct/kWh beträgt, allerdings sinkt der Betrag bereits nach 8 Jahren auf die 3,9 ct/kWh. Insgesamt liegt die Förderung der Offshore Windkraft im Mittelfeld der Erneuerbaren Energien.

Wachstum und Chancen

Die Prognosen für die Offshore Windkraft sahen zunächst positiv aus. An der Nord- und Ostsee wurde die Infrastruktur für die Windkraftanlagen zu See ausgebaut. Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) beträgt das Investitionsvolumen für die Hafenlogistik und die Fertigung von Windkraftanlagen bei einer halben Milliarde Euro. Zum Ende des Jahres 2012 waren von den 118.000 Beschäftigten der Windenergie gut 18.000 im Bereich Offshore Windkraft tätig. Nicht nur die Küstenregionen profitieren von dem Ausbau der Windkraft auf dem Meer. Gerade die Industriestandorte in Süd- und Westdeutschland sind an der Fertigung von Großkomponenten wie den Rotorblättern und den Fundamenten beteiligt.

Lange Zeit ging man von einem stetigen Wachstum der Offshore Windkraftanlagen aus. Doch hat sich der Ausbau in den letzten Jahren verlangsamt. Ein Grund für die Verlangsamung ist die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Auf dem Meer ist der Ausbau neuer Anlagen gedeckelt. Außerdem werden weitere Kapazitäten für den Stromtransport auf dem Land benötigt.