Nachhaltigkeitsrating

Was ist ein Nachhaltigkeitsrating?

Bei einem Nachhaltigkeitsrating handelt es sich um ein Verfahren zur Beurteilung von Unternehmen, Ländern oder Projekten in Bezug auf ihre Leistung bezüglich vorab bestimmter umweltbezogener und/oder sozialer Nachhaltigkeitskriterien.

Ziel dieser Ratings ist es, die Unternehmenstransparenz in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte zu verbessern, was für Interessengruppen wie Investoren, Unternehmen oder Verbrauchern von Bedeutung ist. Darüber hinaus soll eine Meldepflicht Anreize für Unternehmen bieten, ihr Nachhaltigkeitsengagement zu stärken und ihre Risiken in diesem Bereich besser einzuschätzen.

Im März 2017 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Offenlegung von Unternehmen in Lageberichten und Konzernlageberichten verabschiedet. Das Gesetz zur CSR-Berichterstattung, das die Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/95 / EU darstellt, heißt „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind alle kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. EUR oder einem Umsatz von mehr als 40 Mio. Euro. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die direkt betroffenen Unternehmen auch Lieferanten o. ä. in ihre Berichte mit einschließen. In der Praxis könnte dies dazu führen, dass von diesen Unternehmen Informationen zur Nachhaltigkeit angefordert werden, beispielsweise Daten zum CO2-Fußabdruck.

Was ist zu melden?

Unternehmen müssen Informationen zu umweltbezogenen, mitarbeiterbezogenen und sozialen Themen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung bereitstellen. Sie müssen eine Beschreibung der angewandten Konzepte, die angewandten Sorgfaltspflichten, die Ergebnisse dieser Konzepte, die Hauptrisiken und die wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren vorlegen. Die nichtfinanzielle Erklärung muss spätestens vier Monate nach dem Datum Ihres Abschlusses veröffentlicht werden.

Die Informationen können…

  • in den Geschäftsbericht integriert sein,
  • parallel zum Geschäftsbericht veröffentlicht werden,
  • innerhalb einer festgelegten Frist von 4 Monaten nach dem Geschäftsbericht veröffentlicht werden.

Wenn ein separater Bericht erstellt wird, muss das Unternehmen sicherstellen, dass er zehn Jahre lang auf der Website des Unternehmens verfügbar ist.

Wer führt das Rating durch?

Nachhaltigkeitsratings werden in der Regel von darauf spezialisierten Agenturen durchgeführt. In selteneren Fällen werden diese aber auch durch Finanzdienstleister oder Kreditinstitute durchgeführt.

Wie wird ein Nachhaltigkeitsrating durchgeführt?

Die Methodiken, mit denen ein Nachhaltigkeitsrating durchgeführt wird, unterscheiden sich teilweise sowohl hinsichtlich der zu prüfenden Nachhaltigkeitskriterien als auch bezüglich vom Kunden spezifizierter (Nachhaltigkeits-)Anforderungen. Meist ähnlich sind hingegen die angewandten Grundprinzipien. In der Regel führen Anbieter zunächst ein eigenständiges Nachhaltigkeitsrating für eine größere Anzahl von Emittenten durch. Anhand dieser Bewertung innerhalb der für den Kunden relevanten Branche werden als Benchmarks fungierende Unternehmen ausgewählt. Auf dieser Basis findet anschließend das Rating des eigentlichen Kunden unter Anwendung spezifischer Nachhaltigkeitskriterien statt. Bei diesem Vorgang können einige wenige bis mehreren hundert spezifischer Kriterien angewandt werden.

Die Auswertung kann in einer Form erfolgen, die ausschließlich darüber informiert, ob die bewerteten Unternehmen bzw. Projekte/Länder die angewandten Anforderungen erfüllen. In der Regel enthält sie aber eine detailliertere Analyse, die die Nachhaltigkeit des bewerteten Unternehmens – vergleichbar mit der Auswertung von Finanzratings – konkret auf einer spezifischen Skala einordnet. Diese Skala gibt dem Kunden die Möglichkeit, anschließend z.B. seine Investment-/Kredit-Entscheidung unter Einbezug der sogenannten „Best-in-Class“-Methode zu treffen, welcher nur Unternehmen, Projekte oder Länder einbezieht, die zu den besten in den analysierten Bereichen zählen.