Leitzins

Was ist der Leitzins?

Der Leitzins ist der Referenzwert, aufgrund dessen die Höhe der Zinsen in einem Staat oder einem Währungsgebiet festgesetzt werden. Die jeweilige Zentralbank des Landes orientiert sich an diesem Zins (in Deutschland folglich die Bundesbank). Für den Währungs- und Wirtschaftsraum der Europäischen Union legt die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt den Leitzins fest. Dieselbe währungspolitische Funktion hält in den USA zum Beispiel die Federal Reserve Bank (Fed) inne, deren Leitzinspolitik Auswirkungen auf die Leitzinsen und somit Zinsen weltweit hat.

Die Festsetzung des Leitzinses ist das jeweils wirkungsvollste währungspolitische (auch geldpolitische) Mittel, dessen eine Zentralbank sich bedienen kann. Da die Leitzinsen auch unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaft eines jeden Landes und sogar die Weltkonjunktur haben, ist dieses Instrument und der jeweilige Gebrauch durch die Zentralbanken hochpolitisch und wird von den jeweiligen politischen Führen und Staatschefs / Präsidenten stark kritisiert oder eingefordert. So äußert zum Beispiel auch der amerikanische Präsident regelmäßig seine Erwartungen zur Zinspolitik der Fed. Allerdings ist die jeweilige Zentralbank wie die Fed und die EZB politisch von den jeweiligen Regierungen unabhängig, sodass der Einfluss der Politik nur darin besteht, den jeweiligen Kandidaten für den Vorsitz / Chefposten der betreffenden Zentralbank im Vorfeld auszuwählen. Auf die später vollzogene politische Linie besteht zumindest formal kein Einfluss mehr.

Geldpolitisches Instrument Leitzins

Der Leitzins ist das zentrale geldpolitische Instrument, mit dem die Zentralbanken die Geldmenge, die in einem Wirtschaftskreis im Umlauf ist, aktiv beeinflussen können. Wenn die Zentralbank der Auffassung ist, dass die Geldmenge erhöht werden soll, senkt sie den Leitzins. Dadurch können die Geschäftsbanken sich günstiger bei der Zentralbank refinanzieren und auch ihre eigenen Zinsen für die Kunden senken, folglich also Kredite günstiger abgeben. Das erhöht die Geldmenge. Umgekehrt bewirkt eine Erhöhung des Leitzinses eine restriktivere Geldpolitik, die dazu führt, dass die Zinsen auch bei Geschäftsbanken steigen und dem Markt somit mehr Geld entzogen wird, weil die Kredite zurückgehen. Es hat also immer direkte Auswirkungen auf die Liquidität einer Volkswirtschaft, wenn es zu einer Anhebung oder Senkung der Leitzinsen kommt.

Drei relevante Zinssätze

Strenggenommen sind drei verschiedene Zinssätze unter dem Begriff Leitzins vereint. Der wichtigste ist der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz. Dieser Zinssatz bestimmt die Höhe der Kosten der Refinanzierung für die Banken bei der Zentralbank. Im Rahmen von Offenmarktgeschäften besorgen sich die Geschäftsbanken zu diesem Zinssatz ihre Liquidität bei der Zentralbank und stellen sie ihren Kunden und damit der Wirtschaft zur Verfügung. Das geschieht in der Praxis über verzinste Bankprodukte wie Kredite, Dispo und Sparkonten.

Der zweite Zinssatz im Rahmen des Leitzinses ist der Spitzenrefinanzierugssatz. Dieser Zins wird den Banken im Interbankenhandel berechnet, wenn diese sich kurzfristig quasi über Nacht frische Liquidität von der Zentralbank verschaffen müssen. Seit Sommer 2014 sind dabei praktisch alle drei Zinsen unverändert fast Nullzinssätze. Das resultiert in einer Absenkung des Euro-Wertes, da es attraktiver ist, sein Geld in Staaten mit höheren Zinssätzen zu parken. Gleichzeitig wird es auch günstiger, längerfristige Darlehen aufzunehmen – der Warenexport wird folglich gesteigert. Die Höhe dieses Zinssatzes stellt derzeit auch die Höhe als Obergrenze der Zinsen für Tagesgeld dar. Für die Inanspruchnahme von Liquidität über diesen Zinssatz müssen die Banken aber Sicherheiten hinterlegen, die den Anforderungen der Zentralbanksicherheit genügen müssen.

Der dritte Zinssatz beim Leitzins Begriff ist der Einlagensatz. Dieser Zins wird europäischen Banken gezahlt, wenn diese bei der EZB direkt nicht benötigte Mittel quasi über Nacht parken bzw. anlegen. Allerdings hat diese Auswirkung der Finanzkrise dazu geführt, dass die Banken für dieses Parken derzeit sogar mit Negativzinsen bestraft werden. In normalen Zeiten war dieser Zinssatz die untere Grenze der Zinsleistungen für Tagesgeld. Mit dem Strafmodus verfolgt die EZB das politische Ziel, Banken anzuhalten, ihr Geld nicht bei der EZB zu parken, sondern als Kredit in den realen Wirtschaftskreislauf zurückzugeben. Generell liegen alle drei Zinssätze des Leitzinses seit der Finanzkrise im EU-Raum auf einem Nullzinsbereich, der so geschichtlich einmalig ist und auch sehr kritisch gesehen wird.

Auswirkungen des Leitzinses auf die Wirtschaft

Zwar hat der Leitzins grundsätzlich starke Auswirkungen auf die Wirtschaften in den Nationalstaaten, weil die Kreditvergabe auch von den Kosten der Liquidität bei den Zentralbanken abhängig ist. Allerdings ist die Höhe des Leitzinses und damit die Kosten der Liquidität nur ein Kriterium. Die Banken prüfen auch die Kredite stärker auf Sicherheiten und Gewinnaussichten der Unternehmen, die die Kredite beantragen. Der Bank nützt es nichts, einen Kredit auszugeben, wenn die Rückzahlung gefährdet ist. Insofern ist die Höhe des Leitzinses nur noch begrenzt Maßstab für die Entwicklung der Wirtschaft eines Landes. Da der Leitzinssatz sehr niedrig ist und war, liegen die Zinsen unter der Teuerungsrate in den EU-Staaten. Dadurch wurde in den letzten Jahren zwar Inflation verhindert, aber auch das Risiko der Deflation mit Stagnation der Wirtschaft erheblich erhöht.

Verbraucher spüren Leitzinsveränderungen indirekt

Die Verbraucher merken die Veränderungen des Leitzinses beim Dispo und bei der wirtschaftlichen Lage Ihrer Unternehmen und Arbeitgeber erst indirekt. Oft werden Nullzinsen auch nicht weitergegeben, zum Beispiel beim Dispo. Nur beim Sparbuch gibt es praktisch seit Jahren keine Zinsen mehr.