Kapitalertragsteuer (KESt)

Was ist die Kapitalertragsteuer?

Für im Inland erzielte Kapitalerträge wird seit Januar 2009 eine einheitliche Kapitalertragsteuer erhoben. Die Kapitalertragsteuer, abgekürzt KESt (oder auch KapESt sowie KapSt), ist einfach erklärt eine Form der Einkommenssteuer.

Alle inländischen Kapitalerträge unterliegen dieser Steuer wie beispielsweise:

  • Zinsen auf Sparguthaben
  • Dividendeneinkünfte aus z. B. Aktien
  • Erträge aus Investmentfonds

Wenn die auszahlende Stelle im Inland liegt, müssen Anleger ihre Kapitalerträge ausländischer Einkünfte versteuern. Ansonsten sind diese steuerfrei.

Die Kapitalertragsteuer gilt ebenfalls, wenn Anleger:

  • Anteile an einer Kapitalgesellschaft verkaufen
  • Erträge aus Termingeschäften erhalten

Voraussetzung ist allerdings, dass die Investoren die Wertpapiere nach dem 31.12.2008 gekauft haben.

Die KESt ist eine sogenannte Quellensteuer. Das heißt, die auszahlende Stelle behält die Steuer auf Kapitalerträge ein und führt diese direkt an das für den Steuerpflichtigen zuständige Finanzamt ab. Diese Art der Steuer nennt man auch Abgeltungssteuer oder seltener Abschlagsteuer.

Wie hoch ist die Steuer auf Kapitalerträge?

Seit dem 1. Januar 2009 wird auf alle Kapitalerträge gemäß § 43a I S. 1 Nr. 1 EStG eine einheitliche Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent erhoben.

Zur KESt kommen noch zwei weitere Steuern hinzu:

  • der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent
  • bei Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft und in Abhängigkeit vom Wohnort gegebenenfalls die Kirchensteuer:
  • Acht Prozent bei einem Wohnsitz in Bayern oder Baden-Württemberg
  • In den übrigen Bundesländern neun Prozent

Der Steuerabzug für die Kapitalertragsteuer beläuft sich im Sonderfall auf 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer:

  • Leistungen und Gewinne, die der Steuerschuldner aus Betrieben gewerblicher Art erhält

Regelung der Kapitalertragsteuer vor 2009

Vor der Neuregelung im Jahr 2009 wurde die Kapitalertragsteuer nur für wenige Kapitalerträge angewendet. So zum Beispiel auf Dividenden mit von der Art der Erträge abhängigen Zinssätzen. Der Zinssatz der KESt für erhaltene Dividenden betrug damals beispielsweise 20 Prozent. Maximal mussten Anleger 35 Prozent Kapitalertragsteuer für Erträge aus Tafelgeschäften an das Finanzamt abführen. Dabei handelt es sich um alle Geschäfte, bei denen der Bankkunde nicht namentlich in Erscheinung tritt.
Da die Steuerpflicht für diese anonym stattfindenden Geschäfte häufig umgangen wurde, wurde die KESt als Quellensteuer oder Abschlagsteuer eingeführt.
Somit sind für deren Einbehaltung und Abführung die ausführenden Stellen verantwortlich, die diese direkt zahlen.

Vorteile der neuen Regelungen:

  • Einheitlicher
  • Einfacher, da direkter Abzug möglich

Freibeträge bei der Kapitalertragsteuer

Privatanleger können sogenannten Freistellungsauftrag einreichen bei ihrer:

  • Versicherung
  • Bank
  • Sparkasse
  • Bausparkasse

Wird ein Freistellungsauftrag eingereicht, erhalten Privatanleger die Erträge aus Kapitalanlagen ohne Abzug der KESt ausbezahlt. Voraussetzt, der Kapitalertrag liegt nicht über einem vom Gesetzgeber vorgegebenen Betrag.

Dieser sogenannte Sparer-Pauschbetrag beträgt pro Person 801 Euro und bei Ehegatten 1.602 Euro.
Erzielen die Kinder von Ehepaaren Kapitalerträge, werden diese nicht dem Pauschalbetrag der Eltern hinzugerechnet. Für Kapitalkonten von Kindern müssen Eltern einen eigenen Freistellungsauftrag beim kontoführenden Institut einreichen.
Erst die Erträge aus Kapitalanlagen, die den Sparer-Pauschalbetrag übersteigen, werden mit 25 Prozent KESt und gegebenenfalls Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag versteuert.
Die Einbehaltung und Abfuhr der Steuer an die zuständige Finanzverwaltung erfolgen anonym und automatisch durch das kontoführende Institut.

Abgeltungswirkung der Kapitalertragsteuer

Für Privatanleger bedeutet gemäß § 43 Abs. 5 EStG die Abführung der KESt durch die Bank oder Versicherung, dass damit die Steuerpflicht für diese Erträge abgegolten ist.
Das heißt, dass die Kapitalerträge in der Steuererklärung nicht mehr angegeben und erfasst werden.

Allerdings gibt es für Steuerpflichtige mögliche Vorteile, wenn sie:

  • die Kapitalerträge

und

  • die darauf geleistete Kapitalertragsteuer

in der persönlichen Einkommensteuererklärung aufführen. Dabei benötigen Anleger die Anlage KAP.

Seit 2009 können sie mit Erstattungen der Kapitalertragsteuer in folgenden Fällen rechnen:

  • Wenn sie keinen Freistellungsauftrag erteilt haben
  • Wenn der Steuersatz für das zu versteuernde Einkommen insgesamt weniger als 25 Prozent der KESt beträgt

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