Inflation

Was ist Inflation?

Die Inflation oder Teuerung ist eine übliche Begleiterscheinung des gesunden Wirtschaftswachstums. Werden die jährlichen Zuwachsraten zu hoch, können dadurch das marktwirtschaftliche Gleichgewicht und die finanzielle Stabilität eines Landes aus den Fugen geraten. Unkontrollierbar hohe Inflationsraten münden in die gefürchtete Hyperinflation. Negative Raten werden Deflation genannt. Die Auswirkungen der Deflation sind in der Praxis weniger erforscht. Deren starke Zunahme birgt für die Volkswirtschaft ebenfalls ein Risiko. Bei der Regulierung der Inflations- und Deflationsraten spielen die Zentralbanken der Welt eine maßgebliche Rolle.

Entstehung

Wenn ein Verbrauchsgüter produzierendes Unternehmen mehr Geld für Personal oder Rohstoffkäufe ausgeben muss, steigen seine Herstellkosten. Die Firma wird in der Folge versuchen, die gefertigten Produkte zu verteuern, um das Firmenergebnis nicht zu schmälern. Der Fachbegriff für diese Verteuerung ist Angebotsinflation. Nehmen wir als Beispiel eine Gummibärchen-Fabrik. Aufgrund einer Dürre gibt es in mehreren Teilen der Welt plötzlich Ernteausfälle. Die Fabrik muss daraufhin auf dem Weltmarkt mehr für pflanzliche Farbstoffe bezahlen. Um ihre Gewinnspanne aufrechtzuerhalten, wird die Firma den Verkaufspreis der Gummibärchen erhöhen, das heißt die Zunahme ihrer Produktionskosten an den Konsumenten weitergeben. Wenn ich davor gewohnt war, für 10 Euro hundert Gummibärchen zu erhalten, bekomme ich als Verbraucher für den gleichen Betrag vielleicht nur noch neunzig Stück. Ich erlebe also, dass meine 10 Euro in Bezug auf materielle Güter weniger Wert haben, eine sogenannte Geldentwertung.

Die Geldentwertung oder Inflation entsteht im vorherigen Beispiel durch gestiegene Material- und Fertigungskosten, die vom Unternehmen so gut es geht auf Endkunden abgewälzt werden. Im Gegensatz dazu können Verkaufspreise auch steigen, weil ein Produkt sehr begehrt ist und eine Verknappung der Ware besteht. In einem solchen Fall spricht man von Nachfrageinflation.

Wo führt die Geldentwertung hin?

Um die Inflationsrate einer Region oder eines Landes zu messen, wurden fiktive Warenkörbe geschaffen. Diese Körbe beinhalten eine virtuelle Sammlung von Dienstleistungen und Gütern, die ein durchschnittlicher Bürger regelmäßig einkauft. Der Preis eines solchen Warenkorbs wird in periodischen Abständen berechnet und der Vergangenheit gegenübergestellt. Steigt der Preis des Warenkorbs in einem Jahr zwischen null und fünf Prozent, betrachten Experten das als gesunde Inflation, welche nachfrage- und wirtschaftsfördernd wirkt. Eine Zunahme über fünf Prozent gilt als zu hohe Teuerungsrate. Sie führt tendenziell zu einer Kapitalflucht der Bürger. Die Menschen beginnen, übermäßig viele Sachwerte zu kaufen, da ihr Geld immer mehr an Wert verliert. Dieses Verhalten löst eine weitere Güterverknappung aus. Das wiederum kann eine Inflationsspirale und eine galoppierende Teuerung in Gang setzen. Ein geschichtliches Beispiel dafür ist die Hyperinflation in Simbabwe in den Jahren 2008 und 2009. Nach diesem Vorfall musste das südafrikanische Land seine Währung aufgeben.

Lässt sich die Inflationsrate beeinflussen?

Das Maß der Inflation in einem gesunden und der Wirtschaft zuträglichen Band zu halten, das ist die Aufgabe der Notenbanken. Ihr Hauptinstrument dafür ist der Leitzins. Die Finanzmärkte sind immer wieder gespannt auf die periodische Bekanntgabe des Leitzinses durch die Notenbank. Durch den Zins werden die Preise für die Geldaufnahme und die Geldanlage der Geschäftsbanken gesteuert. Wenn Kredite durch dieses Mittel verteuert werden, kühlt das in der Regel das Wirtschaftswachstum und auch die Inflationsrate ab. Jede geldpolitische Steuerung durch Instrumente der Zentralbank hat auch Nebenwirkungen. So wird dadurch der Außenwert der Landeswährung beeinflusst. Um die Aufgabe fachlich korrekt zu erfüllen, müssen Notenbanken immer unabhängig von den Landesregierungen agieren können.