Hedgefonds

Was ist ein Hedgefonds?

Ein Hedgefonds ist eine spezielle Form aktiv gemanagter Investmentfonds, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher Anlagegegenstände und Anlagestrategien versuchen, einen möglichst hohen Return für ihre Investments zu erzielen. Ein Hedgefonds verfügt in der Regel über ein geringes Eigenkapital. Um eine maximale Hebelwirkung zu erzielen, nutzen sie Kredite und tätigen Leerverkäufe mit geliehenen Anlagegegenständen.

Vereinfacht gesagt handelt sich um einen aktiv gemanagten Pool von Geld, das sowohl Short- als auch Long-Positionen einnimmt, Aktien kauft und verkauft, Arbitrage initiiert und Anleihen, Währungen, wandelbare Wertpapiere, Rohstoffe und derivate Produkte handelt, um Renditen bei reduziertem Risiko zu erzielen. Die Bezeichnung Hedgefonds ist abgeleitet vom englischen Verb „to hedge“ auf Deutsch „absichern“. Wie der Name vermuten lässt, versucht der Fond, die Risiken des Anlegerkapitals gegen die Marktvolatilität abzusichern, indem alternative Anlageansätze eingesetzt werden.

Hedgefonds mit Sitz im angelsächsischen Raum sind eigenständige Unternehmen mit einer Limited Partnership (LP) oder Limited Liability Partnership (LLP) Rechtsform. Investoren, die in diese Fonds investieren, erwerben somit Anteile an einem Unternehmen.

Geschichte

Die ersten Fonds dieser Art wurden im Jahr 1949 in den USA gegründet. Der Großteil der Hedgefonds ist aus steuerlichen und regulatorischen Gründen an sogenannten Offshore Finanzplätze registriert. Dennoch unterliegen in der EU ansässige Fondsmanager den Regeln der AIFM-Richtlinie. Das Management hat in der Regel seinen Sitz in einer der Finanzmetropolen wie London oder New York. Seit der Jahrtausendwende zählen Hedgefonds zu den Anlageinstrumenten mit dem stärksten Wachstum. Als Folge der Finanzkrise im Jahr 2008 wurden jedoch über 1.400 internationale Hedgefonds aufgelöst.

Arten von Hedgefonds

Es werden zwei Arten von Hedgefonds unterschieden: Single-Hedgefonds werden in Deutschland nicht öffentlich vertrieben. Grund dafür ist, dass diese Fonds als sehr riskantes Investment gelten, da der Erfolg der Investitionen von der Erfahrung und dem Gespür einzelner Manager abhängig ist.

Dach-Hedgefonds investieren wiederum in Single-Hedgefonds. Ein Dach-Fond muss in mindestens fünf einzelne Fonds investiert sein. Das bedeutet, dass maximal 20 % des Fondsvermögens in einen einzelnen Fonds investiert werden darf. Darüber hinaus muss den Anlegern die Zusammensetzung des Fonds transparent gemacht werden und unterliegt weiteren Vorschriften. Durch die Mischung mehrerer Single-Hedgefonds mit unterschiedlichen Anlagestrategien gelten Dach-Fonds als weniger riskante für Anleger.

Die Einrichtung von Single- und Dach-Hedgefonds wurde in Deutschland erst vor wenigen Jahren durch das Investitionsgesetz (InvG) als sogenanntes Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken für private und institutionelle Anleger gestattet.

Unterschiede zu klassischen Investmentfonds

Der wesentliche Unterschied zwischen Hedgefonds und klassischen Investmentfonds ist, dass Hedgefonds durch ihre Einstufung als alternative Anlageform in einem wesentlich geringeren Maße durch die Gesetzgebung bei ihren Investitionen beschränkt und reguliert sind. Der Schutz der Anleger ist daher wesentlich geringer. Anders bei herkömmlichen Investmentfonds ist der Erfolg der Anlagestrategie weniger von der Marktentwicklung als von den Entscheidungen einzelner Fondsmanager abhängig. Insgesamt sind diese speziellen Fonds daher ein wesentlich riskanteres Investment für Anleger.

Anlagestrategien

Hedgefonds nutzen unterschiedliche Anlagestrategien, um unabhängig von steigenden oder fallenden Märkten maximale Renditen zu erzielen. Zu den wichtigsten Strategien zählen der Global-Macro-Ansatz, Relative-Value-Strategien, Commodity Trading Advisors, Event Driven und Long Short Equity Strategien.

Beim Global-Macro-Ansatz beobachten die Manager von des Fonds makroökonomische Entwicklungen beispielsweise bei Währungen oder Rohstoffen, um diese für Long- und Short-Geschäfte auszunutzen.

Ein systematischer Anlagestil ist Commodity Trading Advisors. Diese Anlagestrategie stützt sich auf statistische Analysen der weltweiten Rohstoffmärkte und nutzt automatisierte Trendfolge-Programme für das Fondsmanagement.

Zu den einfachen Strategien gehört die Relative-Value-Strategie. Hierbei nutzen Fondsmanager Preisunterschiede zwischen verwandten Wertpapieren oder zwischen ein und demselben Wertpapier an unterschiedlichen Börsen. Bestimmte Wertpapiere werden zu einem günstigen Preis an einer Börse gekauft und unmittelbar nach dem Kauf zu einem etwas höheren Kurs an einer anderen Börse wieder verkauft. Da die Fonds in der Regel große Summen investieren, zahlen sich die oft nur geringen Unterschiede in den Kursen dennoch aus.

Bei der Event-Driven Strategie nutzen die Fondsmanager besondere Ereignisse, um daraus Kapital zu schlagen. Zu diesen besonderen Ereignissen zählen Übernahmen und Fusionen von Unternehmen oder auch Konkurse. Fonds, die auf die Event-Driven Strategie setzen, wurden in der Vergangenheit häufig als Heuschrecken bezeichnet. Grund dafür war, dass diese Fonds Unternehmen gekauft, anschließend zerschlagen und einzelne Teile des Unternehmens mit hohem Gewinn weiterverkauft haben, ohne beispielsweise Rücksicht auf die Belange der im Unternehmen beschäftigten Menschen zu nehmen.

Die Long Short Equity Strategie war die erste von Hedgefonds genutzte Strategie. Bei der Long Short Equity Strategien kauft und verkauft der Fond gleichzeitig die Aktien verschiedener Unternehmen. Bei dieser Strategie wird darauf gesetzt, dass sich in der Folgezeit einige Unternehmen besser und andere schlechter entwickeln werden. Für eine maximale Rendite werden diese Investitionen häufig zum großen Teil durch Fremdkapital finanziert. Durch einen hohen Anteil Fremdkapital kann sich für das eingesetzte Eigenkapital eine große Hebelwirkung (Leverage-Effekt) ergeben.

Wer kann in Hedgefonds investieren?

Hauptsächlich werden Hedgefonds von institutionellen Anlegern wie Banken, Versicherungen, Pensionfonds und anderen Investmentfonds zur Verbesserung der Rendite eingesetzt. Seit dem Inkrafttreten des AIFM Umsetzungsgesetzes am 1. August 2013 dürfen Privatanleger in Deutschland keine Anteile mehr an Single-Hedge-Fonds erwerben. Privatanleger können nur noch Anteile an Dachfonds, die wiederum in mehrere Single-Fonds investieren, erwerben. In den USA sind Investitionen in Hedgefonds durch Privatanleger möglich. Voraussetzung dafür ist ein Jahreseinkommen von mindestens 200.000 US-Dollar sowie ein Privatvermögen – ohne Hinzurechnung einer selbst bewohnten Immobilie – in Höhe 1 Million US-Dollar.

Kritik

In der Vergangenheit wurde immer wieder Kritik an Hedgefonds geäußert. Ein Kritikpunkt ist insbesondere das aus Sicht vieler unethische Verhalten der Fondsmanager, das sich ausschließlich an einer maximalen Rendite für die getätigten Investitionen orientiert. Ein Hedgefonds kann nur Geld verdienen, wenn andere Investoren Geld verlieren. Ein zweiter wesentlicher Kritikpunkt ist die Marktmacht, die sich aus den großen Investitionssummen bei verschiedenen Fonds ergibt. Je nach Anlagestrategie und Höhe des eingesetzten Kapitals können diese Fonds Unternehmen, Währungen und ganze Staaten in Bedrängnis bringen. Nicht zuletzt wird die sehr hohe Vergütung der Fondsmanager, die oft einen zweistelligen Prozentsatz der erzielten Gewinne beträgt, kritisiert. Diese Kritik wird in der Regel jedoch mit einem Hinweis auf die überdurchschnittlich hohen Renditen der Fonds im Vergleich zu anderen Investmentfonds zurückgewiesen.