Grauer Kapitalmarkt

Was ist ein Grauer Kapitalmarkt?

Nicht nur in Zeiten niedriger Zinsen suchen Anleger nach lukrativen Möglichkeiten, ihr Kapital zu investieren und bei einem möglichst geringen Risiko eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Für viele Anleger sind daher die Angebote am Grauen Kapitalmarkt besonders attraktiv. Als Grauer Kapitalmarkt wird der Teil des Kapitalmarktes bezeichnet, der weitestgehend keiner staatlichen Regulierung unterliegt. Die Bezeichnung rührt daher, dass dieser Teil des Kapitalmarktes zwischen dem Weißen, staatlich regulierten und dem Schwarzen, illegalen Teil des Kapitalmarktes liegt.

Die auf dem Grauen Kapitalmarkt angebotenen Produkte bewegen sich tatsächlich in einer Art Grauzone. Sie sind in aller Regel weder illegal, noch können sie als sichere Anlagechancen angesehen werden. Gemeinsames Merkmal der angebotenen Produkte ist, dass sie den Anlegern meist überdurchschnittlich hohe Renditen für ihre Investition versprechen.

Abgrenzung zum Weißen und Schwarzen Kapitalmarkt

Das gemeinsame Merkmal der am Weißen Kapitalmarkt angebotenen Produkte ist, dass die Anbieter und die Produkte von der staatlichen Finanzaufsicht geprüft werden. Am Weißen Kapitalmarkt sind nur Finanzdienstleister und Versicherungsunternehmen vertreten, die auf der Basis der für Sie zutreffenden gesetzlichen Vorgaben wie dem Kreditwesengesetz (KWG), Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG), dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) oder dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) eine Erlaubnis für ihre Tätigkeit und die Emission Ihrer Produkte erteilt wurde. Die Anbieter am Weißen Kapitalmarkt unterstehen einer fortwährenden Aufsicht durch die staatlichen Organe und Aufsichtsbehörden. Eine ähnlich umfangreiche Aufsicht und Prüfung findet am Grauen Kapitalmarkt nicht statt.

Der Schwarze Kapitalmarkt ist dadurch gekennzeichnet, dass hier illegale Geschäfte betrieben werden. Es werden erlaubnispflichtige Produkte angeboten, ohne dass die Anbieter eine entsprechende Erlaubnis durch die BaFin erhalten haben. Oft handelt es sich um illegale Glücksspiele oder Wetten. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass Anleger in der Regel mit Renditeversprechen gelockt werden, die weit über denen des Weißen und auch des Grauen Kapitalmarktes liegen.

Grauer Kapitalmarkt – Investitionsmöglichkeiten für Anleger

Am Grauen Kapitalmarkt werden verschiedene Formen von Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte, Crowdinvesting in Start-ups und Immobilien, Direktinvestitionen, Kryptowährungen oder Sparpläne für Edelmetalle angeboten. Der Vertrieb erfolgt nicht über eine gemeinsame Plattform oder einen offiziellen Handelsplatz wie einer Börse für Aktien. Typische Vertriebswege für Produkte des Grauen Marktes sind Prospekte, die Webseiten der Anbieter, E-Mails, Strukturvertriebe oder Telefonwerbung.

Genussrechte und Unternehmensbeteiligungen am Grauen Kapitalmarkt werden meist direkt über die Webseite der Unternehmen vertrieben. Investitionen in Start-ups oder Immobilien werden häufig auf spezialisierten Crowdinvesting Plattformen angeboten. Crowdinvesting Plattformen versprechen den Anlegern zumindest, dass die Geschäftsmodelle von Ihnen sorgfältig geprüft wurden, bevor sie den Anlegern angeboten werden.

Grauer Kapitalmarkt – Risiken für Anleger

Für die Kapitalanlage am Grauen Kapitalmarkt gilt wie für alle anderen Investitionen, dass es immer einen Zusammenhang zwischen der versprochenen Rendite und dem Risiko gibt. Das heißt, je höher die Rendite, umso höher das Risiko. Das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nennt insbesondere die folgenden Punkte als mögliche Gefahrenquellen für Anleger.

Am Grauen Kapitalmarkt gibt es weder eine Kontrolle der Produkte noch eine Kontrolle der Bonität und Seriosität der Anbieter. Ebenso wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Investitions- und Geschäftsmodelle nicht überprüft. Die Unternehmen werden nicht überwacht und es erfolgt keine Bilanzkontrolle. Der vielleicht wichtigste Punkt für Privatanleger ist, dass es für die Investition am grauen Kapitalmarkt keine Einlagensicherung und generell keine verbrieften Sicherheiten gibt. Im Gegenteil, bei verschiedenen Angeboten besteht eine Nachschusspflicht, sodass ein eventueller Verlust das investierte Kapital bei Weitem übersteigen kann. Der Graue Kapitalmarkt eignet sich in keinem Fall für den Aufbau einer Altersvorsorge. Investitionen sollten nur mit Kapital erfolgen, das nicht für den Lebensunterhalt benötigt wird.

Grauer Kapitalmarkt – was sollten Anleger beachten?

Seit ein paar Jahren müssen die Anbieter am Grauen Kapitalmarkt zumindest einen Prospekt über ihr Angebot herausgeben und diesen von der BaFin genehmigen lassen. Dieser Prospekt ist für Privatanleger meist die einzige Möglichkeit, sich über das Unternehmen und das Angebot zu informieren. Anleger sollten jedoch beachten, dass die BaFin den Prospekt nur auf Vollständigkeit hin überprüfen kann und nicht die Werthaltigkeit oder die Seriosität des Anbieters überprüft. Eine inhaltliche Richtigkeit des Prospektes wird ebenfalls nicht geprüft. Die BaFin rät zu besonderer Vorsicht, wenn der Anbieter keinen genehmigten Prospekt zur Verfügung stellen kann. Angebote ohne genehmigten Prospekt müssen häufig dem Schwarzen Kapitalmarkt zugerechnet werden. Weitere Informationsquellen für Anleger sind die Verbraucherzentrale, die Webseite der BaFin sowie Institutionen wie Stiftung Warentest oder Finanztest.

Grauer Kapitalmarkt bedeutet trotz der vielfältigen Risiken nicht zwangsläufig, dass eine Investition von vornherein abgeschrieben werden muss. Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein, das Anlageobjekt mit größtmöglicher Sorgfalt auswählen und im Hinterkopf behalten, das eine hohe Rendite immer mit einem hohen Risiko verbunden ist.