Finanzmarktrichtlinie (MiFID)

Was ist die Finanzmarktrichtlinie?

MiFID ist die Abkürzung für Markets in Financial Instruments Directive. Dahinter verbirgt sich die EU Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente, kurz Finanzmarktrichtlinie. Die Finanzmarktrichtlinie MiFID ist eine europäische Verordnung, mit der die Transparenz auf den Finanzmärkten der Europäischen Union erhöht werden soll. Zugleich wurden für bestimmte Märkte die regulatorischen Anforderungen standardisiert. Die MiFID ist ein wesentlicher Bestandteil des von der Europäischen Kommission initiierten Financial Services Action Plan (FSAP).

Mit der Finanzmarktrichtlinie wurden neue Maßnahmen, wie beispielsweise Transparenzanforderungen vor und nach dem Handel eingeführt und die Verhaltensnormen für Finanzunternehmen festgelegt. Die Richtlinie ist seit 2007 in der gesamten Europäischen Union (EU) in Kraft. Die MiFID hat einen definierten Geltungsbereich, der sich hauptsächlich auf außerbörsliche Transaktionen (OTC) konzentriert. In Deutschland erfolgte die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie in nationales Recht über das Finanzmarktrichtlinienumsetzungsgesetz in Verbindung mit der für die Bundesrepublik spezifischen sogenannten Wertpapierdienstleistungs-, Verhaltens und Organisationsverordnung.

Intention und Zweck der Finanzmarktrichtlinie

Zu den Zielen der MiFID zählen ein erhöhter Schutz für Verbraucher und Anleger sowie der erleichterte Handel mit gleichen Bedingungen an allen europäischen Handelsplätzen für alle Beteiligten innerhalb der Europäischen Union.

Mit der Finanzmarktrichtlinie sollen die auf nationaler Ebene bestehenden Regelungen zur Abwicklung von Finanzdienstleistungen mit erweiterten Bestimmungen für den Anlegerschutz, einer verbesserten Transparenz der Finanzmärkte für Anleger und Investoren sowie die Integrität der Finanzdienstleister erweitert werden. Die wichtigsten Regelungen betreffen die Eignung von Anlageempfehlungen im Hinblick auf die Markterwartungen und das individuelle Risikoprofil von Anlegern sowie eine Angemessenheit der Anlageempfehlungen unter Berücksichtigung des Verständnis- und Erfahrungshorizontes von Anlegern.

Zudem werden Finanzdienstleister mit der Finanzmarktrichtlinie verpflichtet, für Kunden die Ausführungsplätze auszuwählen, die für die Anleger gleichbleibend hohe Ergebnisse in Bezug auf die Kosten, die Wahrscheinlichkeit der Ausführung und die Ausführungsgeschwindigkeit bieten. Darüber hinaus müssen alle Geschäfte auf den Finanzmärkten in der Form archiviert und dokumentiert werden, dass eine Einhaltung der bestmöglichen Ausführung und die Einhaltung weiterer Bestimmungen der MiFID jederzeit auf Verlangen gegenüber den Aufsicht führenden Behörden nachgewiesen werden können.

Erweiterung der MiFDI zu MiFID II

Die neue Finanzmarktrichtlinie MiFID II geht zurück auf ein G20 Treffen in Pittsburgh im Jahr 2009. Im Zuge der im Jahr 2008 beginnenden Finanzkrise wurde offensichtlich, dass die alte Finanzmarktrichtlinie nicht allen Anforderungen gerecht werden konnte. In Pittsburgh wurden als Konsequenz mehrere Maßnahmen beschlossen, die innerhalb der EU durch verschiedene Verordnungen und EU-Richtlinien beziehungsweise durch Änderungen bei bestehenden Direktiven umgesetzt wurden.

Die neue Richtlinie MiFID II löste die alte am 3. Januar 2018 ab – mehr als sechs Jahre, nachdem die Europäische Kommission einen Legislativvorschlag für die Überarbeitung angenommen hatte. MiFID II hat aktuell einen Umfang von rund 7.000 Seiten und ist damit eine der komplexesten Richtlinien, die bisher von der EU verabschiedet worden sind. Die neue Finanzmarktrichtlinie enthält unter anderem Bestimmungen zur Regulierung des computergesteuerten Hochfrequenzhandels, zur Regulierung von spekulativen Geschäften mit bestimmten Nahrungsmitteln sowie erweiterte Befugnisse für die Aufsichtsbehörden.

Höhere Anforderungen an Finanzmarktteilnehmer durch MiFID II

Durch die Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente II werden den Finanzmarktteilnehmer weitere Berichtsanforderungen und Tests auferlegt, um die Transparenz zu erhöhen und die Verwendung von Dark Pools und den OTC-Handel zu reduzieren. Nach den neuen Regeln ist das Handelsvolumen einer Aktie in einem Dark Pool innerhalb von 12 Monaten auf 8 Prozent begrenzt. Die neuen Regelungen zielen insbesondere auf den Hochfrequenzhandel ab. Für den automatisierten Handel verwendete Algorithmen müssen registriert, getestet und mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet sein. Die MiFID II legt zudem Beschränkungen für Anreize fest, die von Wertpapierfirmen oder Finanzberatern von Dritten in Bezug auf Dienstleistungen an Kunden gezahlt werden.

Banken sind jetzt nicht mehr in der Lage, Researchkosten und Transaktionen in einem einzigen Paket zu berechnen, wodurch eine Fragmentierung erzwungen wird und möglicherweise die Qualität der für Anleger verfügbaren Research-Aktivitäten verbessert wird. Broker müssen detailliertere Berichte über ihre Trades bereitstellen, einschließlich Preis- und Volumeninformationen, und alle Kommunikationen einschließlich Telefongespräche speichern. Die MiFID II erweitert darüber hinaus den Geltungsbereich der Anforderungen der MiFID auf weitere Finanzinstrumente.

Erweiterte Befugnisse der nationalen Aufsichtsbehörden

Mit der neuen Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente wurden die Befugnisse der nationalen Aufsichtsbehörden der EU Mitgliedsländer wie beispielsweise der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erheblich erweitert. Der BaFin und anderen Aufsichtsbehörden ist es jetzt möglich, unter bestimmten Umständen den Handel einzelner Finanzinstrumente vorübergehend auszusetzen oder diese gegebenenfalls dauerhaft vom Markt zu nehmen. Zudem können Aufsichtsbehörde jetzt einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Geschäftsleitungen der Markteilnehmer ausüben. Falls sich ein Anfangsverdacht auf den Verstoß gegen bestimmte Richtlinien ergibt, sind die Aufsichtsbehörden berechtigt Telekommunikationsdaten von den betroffenen Unternehmen anzufordern und einzusehen.

Bedeutung der MiFID Finanzmarktrichtlinie für private Anleger

Durch die neue Finanzmarktrichtlinie in Verbindung mit der europäischen MiFIR-Verordnung werden Privatanleger aufgrund der erweiterten Informations- und Aufklärungspflichten der Finanzmarktakteure besser geschützt. Insbesondere wurde berücksichtigt, dass private Anleger in der Regel weniger informiert sind als professionelle Händler. Gleichzeitig wird der Zugang zu allen europäischen Finanzmärkten erleichtert.

Unerwartete Auswirkungen der Finanzmarktrichtlinie für Finanzdienstleister

Obwohl die EU mit der Finanzmarktrichtlinie MiFID und in der Folge MiFID II eines ihrer wichtigsten Ziele – die Erhöhung der Transparenz des Anlagemarktes – erreicht hat, haben ihre Regelungen einige unerwartete Ergebnisse im Finanzsektor hervorgerufen. Bislang konnten Finanzdienstleister nur Informationen von einer oder zwei verschiedenen Börsen einholen, die diese Informationen öffentlich gemacht hatten. Nun können sie, in manchen Fällen ist dies durch die Finanzmarktrichtlinie sogar zwingend vorgeschrieben, Informationen von allen Börsen einholen, die ihre Preise und Angaben veröffentlicht haben.

Dies führt zu einem unerwartet hohen Arbeitsaufwand, insbesondere wenn ein Unternehmen von der neuen Transparenz, die dies ermöglicht, soviel wie möglich profitieren möchte. Um dieses Problem zu lösen, sind spezielle Finanzdatenanbieter entstanden. Sie helfen Finanzinstituten bei der Fragmentierung von Informationen und ermöglichen es ihnen, auf so viele Details wie möglich zuzugreifen.