Europäische Zentralbank

Was ist die Europäische Zentralbank?

Die Europäische Zentralbank (kurz EZB) mit Sitz in Frankfurt ist die oberste Währungsbehörde für die Europäische Währungsunion. Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten bildet die EZB das europäische System der Zentralbanken. Gegründet wurde die Europäische Zentralbank im Jahr 1998 und hat ihre Hauptaufgabe darin, die Geldwertstabilität in den Euro-Staaten zu sichern.

Die Aufgaben

Die EZB hat neben der Hauptaufgabe der Preisstabilität weitere Aufgaben, die sie in ihrem Status als EU-Organ auszuführen hat. In der Ausführung Ihrer Aufgaben ist die Europäische Zentralbank völlig unabhängig und darf nicht von Regierungen oder nationalen Zentralbanken beeinflusst werden.

Die Aufgaben sind im Artikel 127 Absatz 2 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union niedergeschrieben:

  • Der Einsatz geldpolitischer Instrumente zur Durchführung der Geldpolitik. Hierzu zählt beispielsweise die Festlegung von Leitzinsen, zu denen sich Geschäftsbanken Geld leihen können. Es wird hierdurch versucht, die Inflationsrate bei knapp unter 2 Prozent zu halten.
  • Verwaltung der Währungsreserven für alle Euro-Staaten. Hierdurch wird sichergestellt, dass immer genügend liquide Mittel für Devisengeschäfte zur Verfügung stehen.
  • Geldversorgung der Mitgliedsstaaten für einen reibungslosen Zahlungsverkehr.
  • Ausgabe von Banknoten, was jedoch ausschließlich über die Nationalbanken erfolgt. Die Europäische Zentralbank selbst betreibt keine Bargeldgeschäfte. Zudem wird für eine Fälschungssicherheit gesorgt.
  • Überwachung des Bankensystems, um die Finanzstabilität zu sichern.
  • Beteiligung an internationalen Institutionen für Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten.
  • Beobachtung der Preisentwicklung.
  • Erstellung von Statistiken.

Der Aufbau

Die Europäische Zentralbank verfügt über drei zentrale Gremien. Vom Präsidenten wird sie auf hochrangigen Tagungen der EU und bei internationalen Angelegenheiten vertreten. Die Gremien lauten Direktorium, EZB-Rat und erweiterter Rat.

Der Rat der Europäischen Zentralbank bestimmt über die Geldpolitik und somit über die geltenden Leitzinsen. Der Rat besteht aus dem Direktorium und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken, die im Euroraum vertreten sind und somit den Euro als Landeswährung besitzen. Somit besteht der Rat aus 25 Mitgliedern, zusammengesetzt aus 19 Präsidenten der nationalen Zentralbanken und den sechs Mitgliedern des Direktoriums.

Das Direktorium ist die oberste Führung der Europäischen Zentralbank und überwacht die Tagesgeschäfte. Außerdem bereitet sie die Sitzungen des EZB-Rates vor. Zum Direktorium zählen der Präsident (aktuell Mario Draghi, ab 01.11.2019 Christine Lagarde), der Vizepräsident (Luis de Guindos) und vier Direktionsmitgliedern (Yves Mersch, Sabine Lautenschläger, Benoît Coeuré, Philip R. Lane). Die Amtszeit aller Direktoriumsmitgliedern beträgt acht Jahre. Das Direktorium gibt die Beschlüsse des Rates an die nationalen Zentralbanken weiter.

Der erweiterte Rat als drittes Gremium berät in erster Linie um die Erweiterung und die Neuaufnahme von Staaten in die Euro-Währungszone. Der erweiterte Rat besteht aus den Präsidenten der Nationalbanken der EU-Mitgliedsstaaten, sowie dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der EZB.

Die Arbeit

Die Europäische Zentralbank arbeitet unabhängig und transparent. Das bedeutet, dass sie und die nationalen Zentralbanken keine Weisungen von der EU oder ihren Mitgliedsstaaten entgegennehmen darf. Auf der anderen Seite haben sich die Organe der EU und die Mitgliedsstaaten verpflichtet, keine Beeinflussung der EZB durchzuführen. Außerdem sind die Mitglieder im Rat in lange Amtszeiten gewählt, um dadurch eine Kontinuität zu erreichen. Eine Wiederwahl im Direktorium ist nicht möglich. Es dürfen seitens der Europäischen Zentralbank keine Kredite direkt an die EU oder Einrichtungen öffentlichen Rechts in den Nationalstaaten vergeben werden. Die Transparenz der EZB bedeutet, dass die Märkte und die Öffentlichkeit über geldpolitische Strategien informiert werden. Dies geschieht beispielsweise über feste Protokolle zu Leitzinsvereinbarungen und regelmäßige Pressekonferenzen der Europäischen Zentralbank.