Deflation

Was ist Deflation?

Deflation ist ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre. Er bezeichnet ein allgemein sinkendes Preisniveau über einen längeren Zeitraum. Deflation ist per Definition kurz gesagt ein Zustand der Wirtschaft, in dem der Geldwert steigt und die Preise fallen.
Allerdings ist nicht jeder Preisrückgang mit einer deflationären Phase gleichzusetzen. Deflationär sind nur die Preisrückgänge, die zu Arbeitslosigkeit, Überproduktion bzw. nachlassender Wirtschaftsaktivität führen.
Sinkende Beschäftigungszahlen, Produktion und Einkommen begleiten in dieser Situation fallende Preise.

Während einer Deflation wächst die Menge der in einer Volkswirtschaft hergestellten Güter schneller als die Geldmenge. Dies führt zu einer realen und von den Verbrauchern spürbaren Aufwertung des Geldes. Mit der gleichen Menge Geld kann die Gesellschaft mehr Waren sowie Dienstleistungen kaufen als vor der Deflation. -Die Kaufkraft wächst.

  • Die Kaufkraft wächst.

Inflation ist das Gegenteil von der Deflation. Volkswirte sowie Zentralbanken betrachten eine kontinuierliche leichte Inflation mit entsprechend steigenden Preisen als ideal für die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Die Inflationsrate liegt im Idealfall bei zwei Prozent.
In der Erwartung künftig anwachsender Preise investieren Unternehmen. Gleichzeitig konsumieren die Verbraucher bei einem Anstieg von Löhnen und Gehältern. Eine Inflation wird daher allgemein akzeptiert.

Ursachen und Arten einer Deflation

Bei einer Deflation unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Arten: der Geldmengen- und der Preisdeflation.

Geldmengendeflation

Die Geldmengendeflation beschreibt eine allgemein schrumpfende Geldmenge im Wirtschaftskreislauf. Mit einer abnehmenden Geldmenge geht eine Unterversorgung der Wirtschaft mit Kapital einher. Grund ist oft eine restriktive Verringerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge durch Zentralbanken wie der FED in den USA oder der EZB  in Europa.
Weitere mögliche Auslöser für eine Geldmengendeflation sind Einfuhren, die die Ausfuhren eines Landes signifikant übersteigen. Werden mehr Güter importiert als exportiert, fließen erhebliche Geldmittel ins Ausland. Gleichzeitig nimmt die Geldmenge im Inland ab.

Preisdeflation

Eine Preisdeflation ist dadurch gekennzeichnet, dass die Verbraucherpreise für Waren sowie Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum rückläufig sind.
Ist dies der Fall, verringert sich in der Folge die Nachfrage nach Produkten des täglichen Bedarfs, Sachwerten sowie Dienstleistungen. Da die Marktteilnehmer mit weiter sinkenden Preisen rechnen, verschieben die Konsumenten ihre privaten Käufe in die Zukunft und in der Folge auch Investitionen  von Unternehmen. Dadurch kann eine Abwärtsspirale in der Preisentwicklung ausgelöst werden.

Auswirkungen einer Deflation auf die Volkswirtschaft

Sinkende Preise und eine steigende Kaufkraft scheinen auf den ersten Blick sehr positiv zu sein. Eine deflationäre Phase hat gesamtwirtschaftlich jedoch verheerende Folgen. Daher sind die Kosten der Deflation unbestritten. Durch die abwartende Haltung der Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Preise sinkt der Konsum.

Dies führt zu einer Deflationsspirale:

Rückläufiger Konsum spiegelt bei Unternehmen in einem niedrigeren Absatz sowie reduzierten Gewinne wider. Gleichzeitig bleiben die Kosten der Produktion in der Regel durch Verträge fix. Da Löhne und Gehälter der Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter ebenfalls vertraglich festgelegt sind, können Firmen nicht flexibel reagieren. Eine anfängliche Rezession wird zu einer Deflation.

  • Trotz sinkender Einnahmen bleiben die Ausgaben konstant.

Da bei den meisten Unternehmen die Personalkosten der größte Kostenblock sind, besetzen viele Betriebe zunächst keine frei werdenden Stellen neu und führen stattdessen Kurzarbeit ein.
Sinken Absatz sowie Gewinn in einer Deflation weiter, folgen betriebsbedingte Kündigungen. Gleichzeitig verschieben Betriebe Investition in neue Maschinen oder Anlagen.

Mehr Arbeitslose bedeuten wiederum weniger Konsum. Das führt zu sinkenden Steuereinnahmen aus der Lohnsteuer. Bei einer steigenden Arbeitslosigkeit wächst die Unsicherheit unter den Verbrauchern. Diese verschieben bzw. streichen gänzlich größere Anschaffungen und Ausgaben für Produkte, die nicht unbedingt notwendig sind. Dazu zählen auch Urlaube.

Der Konsum sinkt weiter, was wiederum dazu führt, dass dem Staat Einnahmen aus der Mehrwertsteuer entgehen. Werden in dieser Phase keine geeigneten Gegenmaßnahmen eingeleitet, gleitet die deflationäre Phase in eine Depression und tief gehende Wirtschaftskrise ab.

Maßnahmen zur Bekämpfung einer Deflation

Eine schrumpfende Wirtschaft ist eine ernst zu nehmende Gefahr für den Wohlstand einer Gesellschaft. In einer deflationären Phase kann der Staat durch Investitionen dem privaten Rückgang des Konsums entgegenwirken und eine Krise verhindern. Zum Beispiel durch neue Verkehrswegeinfrastruktur wie das Schienennetz oder Autobahnen. Durch solche Anlagen schafft die Regierung neue Arbeitsplätze.

  • Die Arbeitslosigkeit geht zurück, während der der Konsum steigt.

Zur Bekämpfung einer Deflation kann eine weitere staatliche Maßnahme die Senkung von Steuern beinhalten:

  • Einkommenssteuer

Den Verbrauchern steht bei niedrigerer Einkommenssteuer mehr Geld zur Verfügung, weshalb die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen wieder steigen kann.

  • Unternehmenssteuer

Der Staat kann auch Unternehmenssteuern senken. Damit schafft er Anreize, wieder mehr zu investieren, und führt dadurch zu einer Belebung des Arbeitsmarktes. Dadurch wächst der Wert des Geldes wieder.

Die Zentralbanken können mit ihrer Geldpolitik ebenfalls zu einer Bekämpfung der Deflation beitragen. Wenn die EZB den Leitzins senkt, werden Kredite für Investitionen bzw. größere Anschaffungen attraktiver. Dazu gehört zum Beispiel, dass Anleger  in Immobilien investieren oder ein neues Auto finanzieren. Durch eine erhöhte Kreditnachfrage bei Unternehmen und Verbrauchern steigt die Geldmenge in einer Volkswirtschaft. Die Deflation ist dann erfolgreich bekämpft.

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