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Darlehen

Was ist ein Darlehen?

Unter Darlehen verstehen Juristen ein bestimmtes durch einen Vertrag entstandenes Schuldverhältnis, bei dem ein oder mehrere Darlehensgeber einem oder mehreren Darlehnsnehmern Geld („Gelddarlehen“) oder vertretbare Sachen („Sachdarlehen“) zum Gebrauch überlassen. Diese Überlassung ist beim Darlehen mit der Vorgabe verbunden, die gleiche Geldsumme beziehungsweise die gleichen Sachen zurückzuerhalten.

Es werden beim Darlehen also Sach- und Gelddarlehen unterschieden. In der Regel ist ein Darlehen mit der Vereinbarung der Zahlung von Darlehnszinsen und Bearbeitungsgebühren an den Darlehensgeber verbunden. Umgangssprachlich wird unter „Darlehen“ meist auch die als „Kredit“ bezeichnete, überlassene Summe verstanden. Rechtlich stellt der Darlehensvertrag eine Unterart des Kreditvertrages dar.

Wortursprung

Neben der Bezeichnung „Darlehen“ ist auch die seltenere Benennung „Darlehn“ üblich. Wahrscheinlich stehen diese Begriffs-gleich verwendeten Bezeichnungen im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Lehnswesen. Für das 16. Jahrhundert ist erstmals die aus dem mittelhochdeutschen Begriff „Darlihen“ abgeleitete Bezeichnung „Darlehen“ im Sinne von „Leihüberlassung“ belegt.

Sachdarlehen

Die – im Umfang des geschäftlichen Verkehrs im Vergleich zum Gelddarlehen unbedeutende – sachbezogene Form des Darlehens hat seine Rechtsgrundlagen in den §§ 607 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Beim auf Sachen bezogenen Darlehen werden dem Darlehnsnehmer vertretbare Sachen zum Gebrauch überlassen. Zu diesen Sachen gehören nicht die zum Bereich des Gelddarlehens gerechnete Umlauf-Banknoten und Umlaufmünzen. Der Begriff „Gebrauch“ schließt beim Sachdarlehen auch die Möglichkeit des Verbrauchs ein. Die überlassene Sache muss nach ihrer Art vertretbar sein, also mit einer gleichwertigen Sache austauschbar sein. Das würde bei einem Unikat wie z. B. bei einem Originalgemälde nicht der Fall sein, bei einer Kopie des Gemäldes dagegen schon.

Beispiele, bei denen die Darlehenssache regelmäßig aufgebraucht wird, können die Überlassungen von Futtermitteln oder Vieh im landwirtschaftlichen Bereich sein. Der Darlehensnehmer verpflichtet sich nach Eintritt des vertraglich auf ein bestimmtes Datum oder ein bestimmtes Ereignis (z. B. Ernte, Vertragsabschluss mit Dritten usw.) festgelegten Ende des Darlehens eine gleichartige und gleichwertige Sache zurückzugeben. Vertraglich festlegbar ist, ob die Rückgabe der Sachen wie die Zahlung des eventuellen Darlehenszinses in Raten oder als Ganzes erfolgen soll.

Gelddarlehen

Die wirtschaftlich wichtigere Form des Darlehens, das Gelddarlehen, stellt den Mittelpunkt eines der wichtigsten Geschäftsbereiche von Banken und anderen Kreditinstituten dar. Aber auch andere Unternehmen sowie Privatpersonen sind im Darlehensgeschäft tätig. Es gibt eine Vielzahl von Gelddarlehens-Unterarten. Dazu zählen u. a. das nur im Zusammenhang mit einem Bausparvertrag vergebene Bauspardarlehen oder der zwischen einem Verbraucher als Darlehensnehmer und einem Ware liefernden Unternehmen als Darlehensgeber geschlossene Verbraucherdarlehensvertrag.

Das Geld-ausgerichtete Darlehen war bis zu einer Rechtsreform im Jahr 2002 wie das Sachdarlehen vor allem im BGB-Abschnitt der §§ 607 ff. geregelt. Seit 2002 finden sich die einschlägigen Vorschriften zum Gelddarlehen in den §§ 448 ff. BGB. Mit dieser Reform änderte sich der Vertragscharakter beim Gelddarlehens vom erst bei Überlassung des Darlehnsgegenstandes abgeschlossenen Realvertrag zum Verpflichtungsgeschäft (Konsensualvertrag). Die äußere Vertragsform bleibt den Vertragspartnern überlassen. Die für den Vertragsschluss erforderlichen aufeinander bezogenen Willenserklärungen Angebot und Annahme können auch formlos abgegeben werden. Für Verbraucherdarlehen gilt allerdings davon abweichend gemäß § 492 Abs. I Satz 1 BGB das Erfordernis der Schriftform sowie ferner die obligatorische Einräumung des Widerrufsrechts.

Eine weitere Sonderform beim Darlehen ist das Schuldscheindarlehen. Dabei ist der Kreis der Darlehensnehmer auf Unternehmer mit Kaufmannseigenschaft beschränkt. Der Darlehnsgeber kann bei dieser Vertragsart seine Gläubiger-Stellung im als Schuldschein dienenden Kreditvertrag ohne Zustimmung des Schuldners an Dritte übertragen.

Pflichten des Darlehnsgebers

Gemäß §§ 448 Abs. I BGB verpflichtet sich der Darlehensgeber dem Darlehensnehmer eine bestimmte Geldsumme zum freien Gebrauch oder zu einem vertraglich festgelegten Zweck (z. B. Kauf einer Immobilie) zu überlassen. In der Regel erfolgt diese Geld-Überlassung beim Darlehen durch Überweisung oder andere Buchgeld-Transaktionen. Aber auch das Überlassen von Bargeld z. B. in Form von Sorten oder inländischen Banknoten ist gelegentlich zum Darlehen gehörend. Beim Sonderfall Abrufdarlehen verpflichtet sich der Darlehensgeber (in diesem Fall fast immer ein Kreditinstitut) dem Darlehensnehmer eine Kreditlinie einzuräumen. Diese Kreditlinie kann der Darlehensnehmer bis zur Erreichung der vereinbarten Höchstgrenze nach eigenem Ermessen in Anspruch nehmen.

Pflichten des Darlehensnehmers

Der Darlehensnehmer verpflichtet sich, die ihm beim Darlehen überlassene Geldsumme zurückzuzahlen. Ebenso ist er zur Zahlung des in der Regel vereinbarten Darlehenszinses verpflichtet. Es gibt eine Reihe von nach Art der Rückzahlung und Zinstilgung unterschiedenen Darlehensvarianten. So zahlt der Darlehensnehmer beim Fälligkeitsdarlehen nach Ablauf eines vertraglichen Zeitraumes die gesamte Darlehenssumme in Gänze zurück. Die Zinsen bei diesem Darlehen werden zumeist jährlich in gleichbleibender Höhe gezahlt. Dagegen verringert sich beim Tilgungsdarlehen die zurückzuzahlende Summe durch regelmäßige Tilgungsraten. Die konkret zu zahlenden Zinsraten verringern sich bei gleichbleibendem Zinssatz entsprechend der verbleibenden Restschuld. Beim partiarischen Darlehen investiert ein Darlehensnehmer die Darlehenssumme in geschäftliche Aktivitäten und verpflichtet sich, den Darlehensgeber an Gewinn oder Umsatz zu beteiligen.

Abgrenzung zu Leihe und Miete

Wenn in der Umgangssprache „Darlehen“ und „Leihe“ oft als Synonyme verwendet werden, so unterscheiden sich diese beiden Schuldverhältnisse doch deutlich voneinander. So ist die Leihe (§§ 598 ff. BGB) im Gegensatz zum Darlehen stets unentgeltlich und berechtigt lediglich zum Gebrauch, nicht zum Verbrauch der überlassenen Sache. Der Leihnehmer schuldet dem Verleiher immer die Rückgabe einer bestimmten individuellen Sache. Ähnliches gilt bei der Miete (§§ 535 ff. BGB), bei der im Gegensatz zur Leihe die Gebrauchsüberlassung an der Sache aber mit einem Entgelt verbunden ist.

Fähigkeiten

Gepostet am

17. Oktober 2019