Doppelbesteuerungsabkommen

Was ist ein Doppelbesteuerungsabkommen?

Das Doppelbesteuerungsabkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen zwei (bilateral) oder mehreren (multilateral) Staaten. Ziel eines solchen Vertrages ist es, die Bürger mit Einkünften in mehreren Ländern vor einer Doppelbesteuerung zu schützen. Es wird detailliert geregelt, welche Einkommensarten betroffen sind und welches Land das Recht auf Besteuerung der jeweiligen Einkünfte hat.

Wer ist betroffen?

Das Abkommen betrifft natürliche und juristische Personen mit Einkommen aus selbständiger und nicht selbständiger Arbeit, Kapitalanleger mit Erträgen aus ausländischen Kapitalanlagen und auch Rentner, die ihren Ruhestand im Ausland verbringen. Deutschland handelt diese Verträge mit jedem Land einzeln aus.

Wie sehen diese Verträge aus?

In Deutschland gelten im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens für Inländer in Abhängigkeit von der Einkommensart das Wohnsitzlandprinzip (Besteuerung dort, wo der Wohnsitz ist) und das Welteinkommensprinzip (Besteuerung des gesamten Welteinkommens). Für Ausländer gilt das Quellenlandprinzip (Besteuerung dort, wo das Einkommen erwirtschaftet wurde) und das Territorialprinzip (Besteuerung des Einkommens, das auf dem Territorium des jeweiligen Staates erzielt wurde).

Wie funktioniert das in der Praxis?

Es gibt zwei Standardmethoden, mit denen die Doppelbesteuerungsabkommen steuerlich umgesetzt werden: bei der Anrechnungsmethode erfolgt die Besteuerung zunächst in beiden Ländern. Die im Ausland bereits gezahlte Steuer wird jedoch bei der im Inland zu entrichtenden Steuer angerechnet.

Bei der zweiten Methode, der Freistellung, erklärt ein Staat einen einseitigen Verzicht auf Besteuerung der Einkünfte. Hier gibt es mehrere Varianten in der Ausgestaltung. Wesentlich für den Steuerzahler ist vor allem die Kenntnis darüber, ob im Doppelbesteuerungsabkommen ein Progressionsvorbehalt vereinbart ist. Danach werden die steuerfreien ausländischen Einkünfte zwar nicht besteuert, sie werden aber für die Ermittlung eines angemessenen inländischen Steuersatzes herangezogen. Dies führt meist zu einer Erhöhung des durchschnittlichen Steuersatzes im Inland.

Aktuell hat Deutschland mit rund 100 Staaten Doppelbesteuerungsabkommen ausgehandelt. Zu Beginn jeden Jahres wird eine amtliche Liste mit den aktuell eingebundenen Staaten veröffentlicht.