Dezentrale Energieversorgung

Was ist dezentrale Energieversorgung?

Die dezentrale Energieversorgung greift bei der Energieerzeugung auf verbrauchernahe Anlagen zurück. Sie erlangt im Zuge der Energiewende in Deutschland eine wachsende Bedeutung. Der Begriff umfasst neben Insellösungen, die eine autarke Energieversorgung anstreben, auch Kleinnetze, die an das zentrale Energienetz angeschlossen sind. Zu den Nutzerkreisen der dezentralen Energieversorgung zählen Nachbarschaften, Stadtteile, Wohngebiete oder Industrieanlage. An deren Eigenbedarfsdeckung orientiert sich häufig die Leistungsfähigkeit der dezentralen Energieversorgung.

Einspeisung in das Mittel- und Niederspannungsnetz

Während zentral in Großkraftwerken erzeugte Energie in der Regel in das Hochspannungsnetz eingespeist wird, nutzt die dezentrale Energieversorgung zumeist das Mittel- und Niederspannungsnetz. Dadurch ergibt sich ein höherer Effizienzgrad, da auftretende Verluste bei der Übertragung durch Hochspannungsleitungen und bei der Transformation auf andere Spannungsniveaus vermieden werden. Aber nicht selten muss eine Stromüberproduktion aus Gründen der Wirtschaftlichkeit an das allgemeine Stromnetz abgegeben werden.

Erzeugung in kleineren Anlagen

Zumeist erfolgt die Energieerzeugung in kleineren Anlagen, etwa Blockheizkraftwerken, Photovoltaik-, Biomasse-, Windenergie- und Wasserkraftanlagen. Größere Wind- und Solarparks markieren einen Übergang zur zentralen Energieversorgung. Die dezentrale Energieversorgung in Industrieanlagen stützt sich auch auf konventionelle Stromerzeugungsanlagen mit höherer Leistung ab und setzt auch Kohle, Gas oder hochkalorischen Abfall als Brennstoff ein.

Lastmanagement

Gesamtheitlich erfordert die zunehmende Dezentralität der Energieversorgung eine erhebliche Anpassung des Stromnetzes und dessen Lastmanagements. Der erforderliche Ausgleich von Produktion und Verbrauch der Energie muss durch „intelligente Stromnetze“, Speichertechnologien, wirtschaftliche Anreizsysteme für Erzeuger und Verbraucher sowie zahlreiche ad-hoc-Maßnahmen herbeigeführt werden.

Vor- und Nachteile

Zu den Pluspunkten der dezentralen Energieversorgung zählt neben möglicher Kostenvorteile dank geringerer Übertragungs- und Transformationsverluste die Umweltfreundlichkeit, da sich das System in hohem Maße auf regenerative Energieträger abstützt. Demgegenüber kann die Versorgungssicherheit vor allem beim Einsatz witterungsabhängiger Photovoltaik- und Windkraftanlagen leiden, während eine zentrale Energieversorgung mit großtechnischen Anlagen hohe Reserven bereithält. Außerdem ist der Wirkungsgrad vieler Anlagen, die regenative Energieträger nutzen, verhältnismäßig gering. Hinzu treten die Kosten für die Umstellung des Gesamtsystems der Energieversorgung.