Deflation

Was ist Deflation?

Deflation ist ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre, mit dem ein über einen längeren Zeitraum allgemein sinkendes Preisniveau bezeichnet wird. Deflation ist definiert als ein Zustand der Wirtschaft, in dem der Geldwert steigt und die Preise fallen. Allerdings ist nicht jeder Preisrückgang mit einer deflationären Phase gleichzusetzen. Deflationär sind nur die Preisrückgänge, die zu Arbeitslosigkeit, Überproduktion und nachlassender Wirtschaftsaktivität führen. Deflation ist eine Situation, in der sinkende Preise von sinkenden Beschäftigungszahlen, sinkender Produktion und Einkommen begleitet werden.

Während einer Deflation wächst die Menge der in einer Volkswirtschaft hergestellten Güter schneller, als die Geldmenge. Dies führt zu einer realen und von den Verbrauchern spürbaren Aufwertung des Geldes. Mit der gleichen Menge Geld können mehr Waren und Dienstleistungen gekauft werden, als vor der Deflation. Die Kaufkraft wächst. Deflation ist das Gegenteil einer Inflation. Eine kontinuierliche leichte Inflation mit entsprechend steigenden Preisen wird von Volkswirten und Zentralbanken als ideal für die Entwicklung einer Volkswirtschaft angesehen. In der Erwartung künftig steigender Preise investieren Unternehmen und Verbraucher konsumieren, da Löhne und Gehälter steigen. Eine Inflation wird daher allgemein akzeptiert.

Ursachen und Arten einer Deflation

Bei einer Deflation wird zwischen einer Geldmengendeflation und einer Preisdeflation unterschieden. Die Geldmengendeflation beschreibt eine allgemein schrumpfende Geldmenge im Wirtschaftskreislauf. Mit einer schrumpfenden Geldmenge geht eine Unterversorgung der Wirtschaft mit Kapital einher. Auslöser ist oft eine restriktive Verringerung der im Umlauf befindliche Geldmenge durch Zentralbanken wie der FED in den USA oder der EZB in Europa. Ein weiterer möglicher Auslöser für eine Geldmengendeflation sind Einfuhren, die die Ausfuhren eines Landes signifikant übersteigen. Werden mehr Güter importiert als exportiert, fließen erhebliche Geldmittel ins Ausland und die Geldmenge im Inland nimmt ab.

Eine Preisdeflation ist dadurch gekennzeichnet, dass die Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum rückläufig sind. Ist dies der Fall, verringert sich in der Folge die Nachfrage nach Waren des täglichen Bedarfs, nach Sachwerten und Dienstleistungen. Da die Marktteilnehmer mit weiter sinkenden Preisen rechnen, werden private Käufe und in der Folge Investitionen von Unternehmen in die Zukunft verschoben. Dadurch kann eine Abwärtsspirale in der Preisentwicklung ausgelöst werden.

Auswirkungen einer Deflation auf eine Volkswirtschaft

Sinkende Preise und eine steigende Kaufkraft scheinen auf den ersten Blick sehr positiv zu sein. Eine deflationäre Phase hat gesamtwirtschaftlich jedoch verheerende Folgen. Durch die abwartende Haltung der Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Preise sinkt der Konsum. Durch den rückläufigen Konsum sinken der Absatz und die Gewinne der Unternehmen, während die Kosten der Produktion in der Regel durch Verträge fixiert sind. Da Löhne und Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ebenfalls vertraglich festgelegt sind, können Unternehmen nicht flexibel reagieren.

Da bei den meisten Unternehmen die Personalkosten der größte Kostenblock sind, werden zunächst frei werdende Stellen nicht neu besetzt und Kurzarbeit eingeführt. Sinken Absatz und Gewinn weiter, folgen betriebsbedingte Kündigungen. Investition in neue Maschinen und Anlagen werden verschoben. Mehr Arbeitslose bedeuten wiederum weniger Konsum und sinkende Steuereinnahmen aus der Lohnsteuer für den Staat. Bei einer steigenden Arbeitslosigkeit wächst die Unsicherheit unter den Verbrauchern. Größere Anschaffungen und Ausgaben, die nicht unbedingt notwendig sind, beispielsweise für einen Urlaub, werden verschoben oder ganz gestrichen. Der Konsum sinkt weiter und dem Staat entgehen Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. Werden in dieser Phase keine geeigneten Gegenmaßnahmen eingeleitet, gleitet die deflationäre Phase in eine Depression und tief gehende Wirtschaftskrise ab.

Maßnahmen zur Bekämpfung einer Deflation

Eine schrumpfende Wirtschaft ist eine ernst zu nehmende Gefahr für den Wohlstand einer Gesellschaft. In einer deflationären Phase kann der Staat durch Investitionen beispielsweise in die Verkehrswegeinfrastruktur wie das Schienennetz und Autobahnen dem privaten Rückgang des Konsums entgegenwirken. Durch die Investitionen des Staates werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosigkeit geht zurück und der Konsum steigt.

Eine weitere staatliche Maßnahme zur Bekämpfung einer Deflation sind Steuersenkungen beispielsweise bei der Einkommensteuer. Wenn Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, steigt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Die Senkung von Unternehmenssteuern schafft Anreize, wieder mehr zu investieren und führt dadurch zu einer Belebung des Arbeitsmarktes.

Eine Senkung des Leitzinses durch die Zentralbanken ist eine Möglichkeit, Kredite für Investitionen und größere Anschaffungen attraktiver zu machen. Durch eine steigende Kreditnachfrage bei Unternehmen und Verbrauchern steigt die Geldmenge in einer Volkswirtschaft.