Bundesschatzbrief

Was ist ein Bundesschatzbrief?

Ein Bundesschatzbrief ist eine bis Ende 2012 von der Bundesrepublik Deutschland ausgegebene festverzinsliche öffentliche Anleihe. Bei dieser Anleiheform fungiert eine staatliche Gebietskörperschaft, in diesem Falle der Bund, als Schuldner. Der Bundesschatzbrief wurde im Jahr 1969 erstmalig von der Bundeswertpapierverwaltung emittiert. Der Bund stellte die Ausgabe Ende 2012 ein. Im Oktober 2019 werden die letzten Bundesschatzbriefe fällig. Als Zielpublikum galten eher sicherheitsorientierte, risikoaverse (Klein-) Anleger, die gleichwohl mit ihrer Anlage eine Rendite erzielen und ihre Investition gegebenenfalls vorfristig liquidieren wollten.

Eingeführt zum Zweck der breiten Vermögensbildung

Die Ausgabe von Schuldverschreibungen gehört zu den gängigen Formen der Finanzierung von Staaten und ihren Gebietskörperschaften. Die Einführung des Bundesschatzbriefes verfolgte darüber hinaus den Zweck, breitere Bevölkerungskreise zur Vermögensbildung zu ermuntern. Aus diesem Grunde begrenzte der Bund den Erwerberkreis auf natürliche Personen und gemeinnützige bzw. mildtätige Organisationen und schloss gewinnorientierte institutionelle Anleger aus. Bei der Platzierung der Anleihe wollte die Bundesrepublik Deutschland von ihrer hohen Bonität als Schuldner profitieren, die ein allenfalls geringes Ausfallrisiko für die vom Bund ausgegebenen Schuldverschreibungen mit sich bringt. Dementsprechend stufte der Gesetzgeber die Papiere als mündelsicher ein.

Bereits in den 1960er Jahren entstand die Idee einer „Volksobligation“, die als Anleihe ein in großen Bevölkerungsteilen besser akzeptiertes Pendant zur Emission von „Volksaktien“ im Zuge der Privatisierung staatlicher Unternehmen darstellen sollte. Im Januar 1969 kam es noch unter der Großen Koalition zur Ausgabe erster Bundesschatzbriefe durch Banken. Diese befürchteten indes einen Eingriff in ihr Privatkundengeschäft und vertrieben die Anleihen nur mit mäßigem Erfolg. Vor diesem Hintergrund entschloss sich der Bund, mit der Bundeswertpapierverwaltung bzw. der späteren Finanzagentur selbst in den Direktvertrieb einzusteigen.

Charakteristika von Bundesschatzbriefen

Bundesschatzbriefe konnten ab einer Mindestanlagesumme von 50 Euro erworben werden. Sie wurden mit Laufzeiten von sechs oder sieben Jahren emittiert. Eine vorzeitige Rückgabe war nach einer Haltefrist von einem Jahr möglich. Alle 30 Zinstage konnte ein Gläubiger Anleihen im Wert von 5.000 Euro zurückgeben. Wie bei einer Stufenzinsanleihe wiesen sie jährlich ansteigende Zinssätze auf. Der Bund passte die Zinsen für einen neu ausgegebenen Bundesschatzbrief dem jeweils herrschenden Zinsniveau an, das in den späteren Jahren merklich zurückging. Allerdings sind die in Hochzinsphasen in der Regel höheren Inflationsraten bei der Kalkulation der Realrendite in Rechnung zu stellen.

Die Schatzbriefe unterscheiden sich in mehreren Merkmalen von börsennotierten Bundeswertpapieren. So unterlagen der Bundesschatzbrief nicht dem Börsenhandel und damit auch keinen Kursschwankungen. Sie ließen sich auf andere natürliche Personen übertragen. Es gab sie nicht in Form von Urkunden, sondern nur als Sammelschuldbuchforderung im Bundesschuldbuch.

Jährliche Zinszahlung oder Zinsansammlung

Bundesschatzbriefe wurden in zwei verschiedenen Varianten ausgegeben. Typ A mit einer Laufzeit von sechs Jahren schüttete die Zinserträge jährlich zu einem festen Termin aus. Typ B sammelte die jährlich anfallenden Zinserträge an, die während der siebenjährigen Laufzeit reinvestiert wurden und in einer Summe mit dem Nennbetrag des Papiers zum Zeitpunkt der Fälligkeit ausgezahlt wurden. Da bei Typ B der Zinseszinseffekt wirkte, erwirtschaftete diese Variante gesamtheitlich die höhere Rendite.

Schwindende Bedeutung

Anfangs besaß der Bundesschatzbrief eine erhebliche Bedeutung für die Finanzierung des Bundes. So betrug sein Anteil an der Bundesschuld in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre bis zu 30 Prozent. Mit der zunehmenden Verschuldung des Bundes ging der relative und absolute Anteil der Bundesschatzbriefe zurück. In den 2000er Jahren sank ihr Anteil an den Kreditmarktmitteln des Bundes auf unter 1 Prozent. Nachdem die Bundeswertpapierverwaltung mit der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland verschmolzen worden war, übernahm diese ab Mitte 2006 das Privatkundengeschäft mit Bundeswertpapieren. Die Finanzagentur erklärte im Juli 2012, Ende 2013 das Privatkundengeschäft aus Kostengründen einzustellen. Seitdem orientiert sich der Bund bei seiner Finanzierung noch stärker an Banken und institutionellen Investoren.

Kosten

Der Kauf von Bundesschatzbriefen verursachte Abschlusskosten. So fielen bei dem Erwerb einer Anleihe mit einem Nennwert von 50 Euro 2 Euro Gebühren an. Die Verwahrung der Papiere oblag entweder der Finanzagentur oder Kreditinstituten, die dafür Depotgebühren berechneten. Diese fielen bei einer Verwahrung durch die Finanzagentur nicht an.

Kaum zielgruppengerechte Alternativen

Derzeit erwirtschaften Bundesanleihen selbst langer Laufzeit keine Renditen. Kaum ein besseres Bild geben Anleihen der Bundesländer ab, die aufgrund des Länderfinanzausgleichs faktisch keiner Insolvenzgefahr ausgesetzt sind. Das der deutschen bzw. europäischen Einlagensicherung unterliegende Tages- oder Festgeld verspricht zwar eine positive Nominalverzinsung, liegt aber unter dem Anstieg der Inflation. Als Alternativen bleiben Anlegern, die sowohl sicherheitsorientiert als auch an mäßigen Renditen interessiert sind, allenfalls US-Staatsanleihen, inflationsgesicherte Staatsanleihen oder Fonds aus diesen Wertpapieren.