Bundesanleihen

Was sind Bundesanleihen?

Bundesanleihen zählen wie Bundesobligationen und Bundesschatzbriefe zu den Bundeswertpapieren. Sie werden von der Bundesrepublik Deutschland ausgegeben. Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von 10 oder 30 Jahren, für die Anleger eine bei der Ausgabe festgelegte Verzinsung erhalten. Die als Coupon bezeichnete Verzinsung wird bei diesen Anleihen jährlich ausbezahlt.

Private und institutionelle Anleger nutzen festverzinsliche Wertpapiere als Beimischung zu ihren Depots, um mit einem Teil ihres Anlagevermögens eine planbare Rendite zu erzielen. Festverzinsliche Anleihen der Bundesrepublik Deutschland, die sogenannten Bundesanleihen, gelten bei Anlegern als eine der sichersten Anlageformen.

Die Bundesrepublik Deutschland nutzt Bundesanleihen, um sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen. Beim Kauf einer Anleihe gibt jeder Anleger dem Bund einen Kredit und erhält dafür eine feste Verzinsung, die bei der Ausgabe der Anleihen festgesetzt wird und über die gesamte Laufzeit konstant ist. Für die Bundesrepublik sind Bundesanleihen die wichtigste Form der Haushaltsfinanzierung. Insgesamt bestehen rund 98 % der Schulden des Bundes aus börsennotierten Wertpapieren.

Neuausgabe und Kauf

Grundsätzlich dürfen neue Bundesanleihen nur dann ausgegeben werden, wenn sie im Vorhinein durch den Bundeshaushalt genehmigt wurden. Die gesetzlichen Bestimmungen für die Emission sind in der Bundeshaushaltsverordnung festgelegt. Durch Artikel 115, die sogenannte Schuldenbremse, ist die Höhe der Kreditaufnahme des Bundes durch Bundesanleihen jedoch eingeschränkt.

Die Erstausgabe neuer Anleihen des Bundes erfolgt durch die Deutsche Finanzagentur, eine Institution des Bundes, immer zu festgelegten Emissionsterminen. Die deutsche Finanzagentur führt einen sogenannten Emissionskalender, aus dem interessierte Anleger die Emissionstermine für neue Anleihen bis zu einem Jahr vor dem Ausgabetermin entnehmen können.

Anleger können Anleihen des Bundes bei Banken und Sparkassen kaufen und verkaufen. Der Vorteil ist, dass es weder einen Höchst- noch einen Mindestanlagebetrag für diese Wertpapiere gibt. Werden die Anleihen im Depot bei Banken oder Sparkassen verwahrt, entstehen dafür in der Regel Kosten, die Anleger mit ihren Depotgebühren bezahlen müssen. Alternativ können Anleger bei der Deutschen Finanzagentur ein sogenanntes Schuldbuchkonto eröffnen. Dieses Konto ist ein kostenloses Depot über die Bundesanleihen und andere Wertpapiere des Bundes verwaltet, gekauft oder verkauft werden können.

Handelbarkeit von Anleihen des Bundes

Bundeswertpapiere können frei an der Börse gehandelt werden. Wegen der großen Handelsvolumina ist die Handelsspanne, die als „Spread“ bezeichnete Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, bei Bundesanleihen im Vergleich zu anderen Wertpapieren relativ gering. Allerdings müssen Anleger berücksichtigen, dass auch Anleihen des Bundes einem Kursrisiko unterliegen, wenn sie die Anleihen vor dem Laufzeitende verkaufen.

Grund dafür ist, dass der Kurs der Bundesanleihen vom allgemeinen Zinsniveau abhängig ist. Bei einem steigenden Zinsniveau sinkt daher der Kurs von börsennotierten, festverzinslichen Anleihen. Der durchschnittliche Kursrückgang von Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit beträgt etwa 9 %, wenn das allgemeine Zinsniveau um einen Prozentpunkt ansteigt. Auf der anderen Seite profitieren Anleger von Kursgewinnen, wenn das allgemeine Zinsniveau sinkt.

Ausschlaggebend für den Kauf einer Bundesanleihe ist die insgesamt damit erreichbare Rendite. Die Rendite ergibt sich aus dem bei der Ausgabe festgelegten Zinssatz, der Restlaufzeit der Anleihe, dem aktuellen Börsenkurs und dem Rückzahlungspreis am Ende der Laufzeit. Als Faustregel gilt, je kürzer die Restlaufzeit einer Bundesanleihe ist, umso geringer ist in der Regel die Rendite und das Risiko für den Anleger. Nur, wenn Anleger die Anleihe über die gesamte Laufzeit halten, erhalten sie tatsächlich die bei der Ausgabe festgelegte Rendite.

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Volumen der im Umlauf befindlichen Anleihen des Bundes mit einer 10- oder 30-jährigen Laufzeit beträgt zurzeit mehr als eine halbe Billion Euro. Damit sind diese Anleihen das wichtigste Finanzierungsinstrument des Bundes. Insgesamt beträgt der Anteil der Anleihen an den in Umlauf befindlichen Bundeswertpapieren rund 60 %. Anleihen des Bundes mit einer zehnjährigen Laufzeit sind zudem das einzige Finanzinstrument, mit dem beispielsweise die Lieferverpflichtungen aus Termingeschäften mit dem Bund-Future, der an der Eurex gehandelt wird, erfüllt werden können. Aufgrund des sehr hohen Handelsvolumens des Bund Futures und seiner Bedeutung als einer der weltweit wichtigsten Terminkontakte auf der Basis festverzinslicher Wertpapiere, werden die zugrunde liegenden zehnjährigen Bundesanleihen entsprechend häufig gehandelt.

Darüber hinaus dient die aktuelle Rendite der Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit als allgemeine Orientierungsgröße für festverzinsliche und langfristige Geldanlagen oder Kredite im gesamten Euroraum. Anleihen der Bundesrepublik Deutschland genießen insbesondere aufgrund der hohen Liquidität, das heißt Handelbarkeit an den Börsen und nicht zuletzt wegen der sehr guten Bonität der Bundesrepublik als Emittent einen Referenzstatus bei der Beurteilung von Geldanlagen in Unternehmen oder von Anleihen, die von anderen Mitgliedsländern des Euroraumes ausgegeben werden.

Welche Risiken sind mit Bundesanleihen verbunden?

Anleihen des Bundes werden von Anlegern als sehr sichere Geldanlage angesehen. Dennoch gibt es wie bei anderen Wertpapieren, auch bei Bundesanleihen gewisse Risiken. Wie bei anderen festverzinslichen Anleihen haftet der Emittent für die Rückzahlung des investierten Kapitals am Ende der Laufzeit. Bei Bundesanleihen haftet die Bundesrepublik Deutschland mit dem Steueraufkommen und bundeseigenen Vermögenswerten für die Rückzahlung des Basispreises der Anleihen. Diese Fähigkeit der Bundesrepublik, ihren Zahlungsverpflichtungen am Ende der Laufzeit nachzukommen, wird als Emittentenrisiko bezeichnet. Da die Bundesrepublik Deutschland jedoch über eine ausgezeichnete Bonität und ein Rating von AAA verfügt, ist dieses Risiko relativ gering. Bundesanleihen gelten daher wie alle anderen Bundeswertpapiere als mündelsichere Anlage.

Ein weiteres Risiko, das Anleger bei der Investition in diese Bundeswertpapiere eingehen, betrifft das Kursrisiko. Die Börsenkurse entwickeln sich bei Bundesanleihen gegenläufig zu den Renditen am Rentenmarkt. Das bedeutet, wenn Anleger ihre Anleihen vor dem Laufzeitende bei steigenden Renditen am Rentenmarkt verkaufen, können sie einen Teil des eingesetzten Kapitals bedingt durch einen Kursverlust verlieren. Allgemein ist dieses Risiko für 30-jährige Bundesanleihen höher als bei Anleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit.

Das dritte Risiko bei Bundeswertpapieren besteht darin, dass Anleger die Anleihen vor Fälligkeit nicht verkaufen können. Dieses sogenannte Liquiditätsrisiko ist bei Anleihen der Bundesrepublik Deutschland jedoch nur sehr gering.