Bezugsrecht

Was ist ein Bezugsrecht?

§ 186 AktG regelt das sogenannte Bezugsrecht. Demnach kann ein Aktionär bei einer Erhöhung des Kapitals neue Aktien beziehen, sofern diese seinem Anteil am bisherigen Grundkapital entsprechen. Findet beispielsweise eine Erhöhung des Aktienkapitals von drei auf vier Millionen Euro statt, besteht für den Aktionär die Möglichkeit, auf drei alte Aktien eine junge Aktie zu erwerben. Das Bezugsverhältnis entspricht in diesem Fall 3:1. Das Bezugsrecht soll den Aktienbesitzer unter anderem vor einer Kapitalverwässerung schützen. Dieses Recht greift zudem bei Gewinnschuldverschreibungen, Wandelschuldverschreibungen und bei Genussscheinen.

Ausschluss

Prinzipiell kann das gesetzliche Bezugsrecht durch mehrheitlichen Beschluss in einer Hauptversammlung ausgeschlossen werden. Allerdings bedarf dieser Ausschluss einer sachlichen Rechtfertigung, wenngleich dies nicht in § 186 AktG vorgeschrieben ist. Zulässig ist ein Bezugsrecht Ausschluss beispielsweise, wenn die Erhöhung des Kapitals durch Bareinlage erfolgt. Diese Bareinlage darf 10 % des Grundkapitals nicht übersteigen. Ferner darf der Börsenkurs durch den Ausgabebetrag nicht wesentlich unterschritten werden.

Ausübung

Generell muss die Aufforderung zum Aktienbezug innerhalb der Gesellschaftsblätter veröffentlicht werden. Hier muss auch eine Information über den Bezugskurs erfolgen. Damit das Bezugsrecht ausgeübt werden kann, ist eine Frist einzuhalten, die mindestens zwei Wochen betragen muss. Das Bezugsrecht ist prinzipiell verkäuflich. Von diesem Umstand wird Gebrauch gemacht, sofern ein Aktionär nicht ausreichend alte Aktien besitzt, um entsprechend neue Aktien zu erwerben. Das Bezugsrecht ermöglicht es, junge Aktien billiger als alte Aktien zu kaufen. So kann beispielsweise auf drei alte Aktien bei einem Kurs von 140 eine neue Aktie bei einem Kurs von 120 angeboten werden. Für die rechnerische Bewertung gibt es eine entsprechende Formel, die wie folgt lautet:

BRW (Bezugsrechtswert) = (Kurs der alten Aktie – Kurs der neuen Aktie) / [(Anzahl der alten Aktien / Anzahl der neuen Aktien) + 1].

Unabhängig von dieser Formel bildet sich der Preis innerhalb des Bezugsrechtshandels anhand des Angebots und der Nachfrage.