Bauzeitenplan

Was ist ein Bauzeitenplan?

Der Bauzeitenplan wird auch als Bauablaufplan bezeichnet und ist für die Bauplanung unerlässlich. Er ist die visuelle Darstellung des vorgesehenen Bauablaufs. Er dient der Planung von Terminen und der Kontrolle der Termineinhaltung. Der Bauablaufplan muss spätestens dann erstellt werden, wenn nach der Ausschreibung für ein Bauvorhaben die eingegangenen Angebote durch den Architekten geprüft und die einzelnen Gewerke beauftragt wurden. Er wird vom Architekten in Abstimmung mit Bauleiter und Auftraggeber erstellt. Die am Bau beteiligten Firmen können in die Erstellung des Bauablaufplans einbezogen werden.

Der Bauzeitenplan soll die Einhaltung des Fertigstellungstermins für ein Bauvorhaben sichern. Mithilfe des Bauzeitenplans sollen die Arbeiten an einem Projekt so abgestimmt werden, dass möglichst wenige Rückstände eintreten und dass die Arbeiten zum geplanten Termin abgeschlossen werden. Meistens ist dieser Plan Bestandteil des Bauvertrags. Es handelt sich um eine grafische Darstellung mit Tabellenkalkulation und Diagramm. Ein Balkendiagramm wird vor allem im Hochbau verwendet, doch kann im Straßenbau, Tiefbau, Rohrleitungsbau und Gleisbau auch ein Weg-Zeit-Diagramm verwendet werden. Für komplexe Bauvorhaben wird die Netzplantechnik angewendet, da sie die Veranschaulichung des kritischen Wegs ermöglicht.

Der Architekt kann sich die Arbeit erleichtern, indem er eine Software verwendet. Die Software verbindet Projektmanagement-Lösungen mit der Ressourcen- und Finanzplanung. Der Bauleiter nimmt im Rahmen des Bauprojektmanagements alle Eintragungen im Bauzeitenplan vor, die für die Koordination der Bauleistungen notwendig sind.

Inhalt des Bauzeitenplans

Grundlage des Bauzeitenplans sind die Ansätze von Arbeitszeit und Leistungen gemäß der Angebots- oder Vertragskalkulation sowie die betrieblichen Regelungen zur täglichen Arbeitszeit, zur Zusammensetzung der Kolonnen sowie zum Einsatz von Maschinen und Geräten.

Der Bauzeitenplan muss die zeitliche Abfolge der verschiedenen Gewerke darstellen und jederzeit einen Soll-Ist-Vergleich ermöglichen. Er enthält eine differenzierte Auflistung der einzelnen Bauabschnitte und Bauleistungen. Folgende Angaben müssen enthalten sein:

  • Arbeitsabschnitte mit Monat, Woche und Tag für Beginn und Ende der Arbeiten
  • Technologische Abhängigkeit der Gewerke
  • Mengen und Werte der Bauleistungen
  • Anzahl der erforderlichen Arbeitskräfte und Aufsichtspersonen für die einzelnen Arbeitsabschnitte und tageweise Addition
  • Baumaschinen und Geräte nach Anzahl und Einsatzdauer
  • Termine für Lieferung von Baustoffen
  • Einsatz von Eigenleistungen und Subunternehmen
  • Hinweise auf Zwischenprüfungen und Teilabnahmen
  • Termine für Abschlagsrechnungen als Zahlungsplan

Die Termine für die Abschlagsrechnungen spielen eine wichtige Rolle aus kaufmännischer Sicht. Der Auftraggeber kann anhand dieser Angaben seine finanziellen Ressourcen einplanen, damit es nicht zu Verzögerungen oder gar Baustopp durch Zahlungsverzug kommt. Im Bauzeitenplan müssen unvorhergesehene Ereignisse wie Personalausfälle, Lieferschwierigkeiten oder schlechtes Wetter berücksichtigt werden. Der Bauzeitenplan muss auf solche Ereignisse angepasst werden.

Vorteile des Bauzeitenplans

Für alle Vertragsparteien bietet der Bauzeitenplan Vorteile. Er ermöglicht eine bessere Überwachung der Zwischenfristen und Termine für den Auftraggeber. Für den Bauleiter ermöglicht er eine bessere Koordinierung und Steuerung der Gewerke. Der Architekt kann den Baufortschritt besser überwachen. Ein entscheidender Vorteil ist die Kosteneinsparung, wenn die im Plan festgelegten Termine exakt eingehalten werden oder wenn schnell auf unvorhergesehene Termine reagiert wird. Kann der Fertigstellungstermin nicht eingehalten werden, führt das zu hohen Kosten.

Der Plan ermöglicht die effiziente Kostenüberwachung für das Bauprojekt und vermeidet Mehrkosten. Der Bauleiter kann auf Terminverzögerungen reagieren und Verzögerungen abwenden, indem er die entsprechenden Maßnahmen einleitet. Um eine gegenseitige Behinderung der Gewerke zu vermeiden, kann der Bauleiter Prioritäten bei verschiedenen Arbeitsschritten setzen. Der Bauleiter benötigt den Bauzeitenplan als Hilfsmittel, um auf Veränderungen zu reagieren und einen reibungslosen Bauablauf zu gewährleisten.

Erstellung des Bauzeitenplans in der Praxis

Firmeninterne Störungen, beispielsweise durch krankheitsbedingten Ausfall von Arbeitskräften, technologische Zwischenfälle durch Defekte an Baumaschinen oder Lieferverzug von Baumaterialien, aber auch Schlechtwetter können niemals ausgeschlossen werden und treten bei Bauvorhaben häufig auf. Daher kann zuerst ein Bauzeitenplan für die ersten Wochen aufgestellt werden, der auf die Einhaltung kontrolliert wird. Später kann der Plan konkretisiert werden. Für die komplette Bauzeit kann dann ein Gesamtbauzeitenplan aufgestellt werden. So wird vermieden, dass das Konzept unter Zeitdruck aufgestellt wird und nicht durchdacht ist, was unweigerlich zu Konflikten zwischen den Vertragsparteien führt.

Verbindlichkeit von Bauzeitenplänen

Die Einhaltung der festgelegten Fristen liegt im Interesse aller Vertragspartner. Es ist dennoch in der Praxis nicht auszuschließen, dass es durch unvorhergesehene Vorfälle zu Verzögerungen kommt. Der Auftraggeber hat nur dann einen Rechtsanspruch auf Schadenersatz oder Vertragskündigung, wenn verbindliche Vertragsfristen verletzt werden. Ein Bauunternehmen gerät nur dann automatisch in Verzug, wenn es die verbindlichen Vertragsfristen im Plan nicht einhält.

Als verbindliche Vertragsfristen gelten im Bauzeitenplan nur der Baubeginn und der Fertigstellungstermin. Das trifft auf alle Verträge zu, die auf der Grundlage der „Allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen“ vereinbart wurden. Bei den anderen Fristen, die im Bauzeitenplan festgelegt sind, handelt es sich nur um Kontrollfristen. Das ist auch der Fall, wenn der Plan als Vertragsgrundlage gilt. Kommt es zu Verzögerungen bei Einzel- und Zwischenfristen, muss das nicht zwangsläufig zum Verzug und zur Gefährdung des Fertigstellungstermins führen. Sollen Zwischentermine als verbindlich gelten, müssen die Zwischenfristen zwischen dem Auftraggeber und allen Beteiligten als verbindliche Vertragsfristen festgelegt werden.