Baupreisindex

Was ist ein Baupreisindex?

Ein Baupreisindex spiegelt die Entwicklungen der Preise für Neubau und Instandhaltung von Wohn- und Gewerbeimmobilien wider. Es existieren mehrere Baupreisindizes, wobei der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch in erster Linie den Preisindex für Wohngebäude meint. Herausgeber dieses Index ist das Statistische Bundesamt. Der wesentliche Nutzen des Index ist die Darstellung preislicher Veränderungen mit der Konjunktur.

Überblick und Allgemeines

Ein Baupreisindex legt ein Basisjahr zugrunde, zu welchem er den Neubauwert in Euro ins Verhältnis setzt. Dieses Basisjahr hat das Statistische Bundesamt derzeit mit 2015 festgelegt, davor war das Basisjahr das Jahr 2010. Das Basisjahr erhält den Wert 100, wird also ähnlich gehandhabt wie der Verbraucherpreisindex. Das Amt veröffentlicht den Indexwert jedes Vierteljahr. Indexreihen stellt das Amt quartalsweise und monatlich dar.

Der Baupreisindex hat eine Reihe praktischer Einsatzbereiche. So ist er von Bedeutung für die preisliche Gestaltung verschiedener Bauprojekte. Ebenso spielt er eine Rolle bei der Ermittlung des Wertes bestehender Bauten. Auch die Planung von Baufinanzierungen bedient sich der Bauindizes. Der Baupreisindex hat auch Auswirkungen auf unterschiedliche Versicherungsarten, darunter etwa die Wohngebäudeversicherung.

Gegenstände und Arten

Es existiert eine Vielzahl verschiedener Preisindizes, die sich aus Bauleistungen für unterschiedliche Arten von Bauwerken ableiten lassen. Insgesamt lassen sich 177 verschiedene Bauleistungen unterscheiden. Das Statistische Bundesamt sieht für die Berechnung seiner Indizes verschiedene Gruppen von Bauwerksarten vor. Diese sind wiederum untergliedert in Subindizes.

  • Die Baupreisindizes für den konventionellen Neubau im Hochbau umfasst Wohn- und Nichtwohngebäude. Darin enthalten sind eigenständige Indizes für Bürogebäude, Wohngebäude sowie gewerblich genutzte Betriebsgelände.
  • Die Baupreisindizes für den Neubau von Ein-Familiengebäuden in vorgefertigter Bauart beinhalten im Wesentlichen einen Einzelindex.
  • Die Gruppe der Baupreisindizes für Ingenieurbau sowie Instandhaltung von Wohngebäuden beinhaltet Indizes für Straßen sowie für Brücken im Straßenbau und für Ortskanäle. Die Instandhaltungsindizes können sich auf Wohngebäude und einzelne Wohnungen beziehen.

Der umgangssprachliche Begriff des Baupreisindex meint typischerweise den Preisindex für Wohngebäude. Die Ermittlung des Preisindex bedarf einer laufenden Analyse der Preise für Bauleistungen. Dazu gehören etwa Betonarbeiten, Sanitärarbeiten, Gerüstbau oder Zimmerarbeiten. Diese Leistungen sind besser vergleichbar als beispielsweise komplette Bauten, die nach individuellen Vorgaben erstellt werden.

Abgrenzung zum Baukostenindex

Nicht zu verwechseln ist der Baupreisindex mit dem Baukostenindex. Der Kostenindex beinhaltet die Ausgaben, die für Baufirmen und Handwerker anfallen. Die Kosten sind für die Erfüllung der Aufträge zu tätigen. Dazu zählen etwa Lohnkosten und Materialkosten. Auch anfallende Energiekosten sind Gegenstand des Baukostenindex. Der Preisindex spiegelt hingegen wider, welchen Preis Bauherren tatsächlich für Bauleistungen bezahlen. Damit hat die Entwicklung des Baukostenindex direkte Folgen für den Preisindex, doch sind beide Werte nicht identisch.

Berechnung und Inhalte

Die zugrunde liegenden Preise sind die bei der Auftragsvergabe die tatsächlich erzielten Marktpreise. Zur Ermittlung dieser Preise nimmt das Statistische Bundesamt repräsentative Umfragen im Baugewerbe vor. Hierbei befragt das Amt etwa 5.000 Bauunternehmen, die ihre im Berichtsmonat vereinbaren Preise für verschiedene Bauleistungen melden (ohne Umsatzsteuer). Das Statistische Bundesamt erfasst 177 verschiedene Arten von Bauleistungen. Aus den Preisen für diese Leistungen lassen sich durchschnittliche Preisentwicklungen für die jeweiligen Positionen ableiten. Diese Preisentwicklungen lassen sich dem Baupreisvergleich des vorherigen Zeitraums zugrunde legen. Hierbei entstehen verschiedene Indizes, die in dem Preisindex zusammenfließen. Demnach beinhalten Baupreisindizes nur die reinen preislichen Veränderungen. Die Veröffentlichung dieses Preisindex erfolgt sechs Wochen nach Abschluss des Berichtszeitraums.

Nutzen und Anwendungsbereiche des Index

Der Baupreisindex gibt Bauherren Rückschluss darauf, mit welchen Preisen sie für bestimmte Bauleistungen zu rechnen haben. Der Index findet weiterhin Anwendung in der Kalkulation von Preisangeboten von Bauunternehmen gegenüber ihren Auftraggebern. Bauherren nutzen den Index weiterhin als Vergleichsinstrument im Rahmen ihrer Kostenplanung. Weitere Anwendung finden Baupreisindizes bei der Kosten- und Finanzierungsplanung durch Bauherren.

Eine wichtige Rolle spielt der Baupreisindex weiterhin im Zusammenhang mit der Wertermittlung für Immobilien. Diese Einschätzung ist auch für die Nutzung der Immobilien als Kapitalanlage interessant. Die Wertermittlung spielt auch beim Neuabschluss von Versicherungen für das Wohngebäude eine wichtige Rolle. Der Neuwertfaktor dient Versicherern als Berechnungsgrundlage für den Wert des Gebäudes und infolgedessen als Basis für die Versicherungssumme. Der Baupreisindex findet in diesem Falle Anwendung, indem er für die Berechnung des Werts des Gebäudes zugrunde gelegt wird. Hierbei erfolgt ein Vergleich zum Wert von 1014. Dieser zeigt an, was ein bestimmtes Gebäude im Jahr 1914 gekostet hätte. Mit einem Vergleich zum Index lässt sich errechnen, welchen Marktwert ein zwischen 1914 und heute errichtetes Gebäude besitzt und welche Wertsteigerung vorliegt.