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Arbitrage

Ein Produkt – zwei Preise: Das Prinzip der Arbitrage

Der Bereich Wirtschaft und Finanzen verwendet den Begriff Arbitrage für das Nutzen einer Preisdifferenz zwischen zwei oder mehr Märkten: dabei ist der Gewinn die Differenz zwischen den Marktpreisen. Dies erreichen Marktteilnehmer mithilfe einer Kombination von zwei Geschäften, die das preisliche Ungleichgewicht ausnutzen.

Ein Arbitrage-Geschäft ist per Definition ebenfalls vorhanden, wenn der Kauf und Verkauf nicht gleichzeitig erfolgt. Diese sogenannte zeitliche Arbitrage gilt allerdings nur dann als Arbitrage, wenn der Arbitragegewinn sicher ist und der Preis für den zeitlichen Ablauf festgelegt ist. Das bedeutet, dass man etwas sofort zu einem niedrigen Preis kauft und vorab vereinbart hat, dieses Produkt später zu einem höheren Preis zu verkaufen.

Theoretisch ist die Arbitrage risikofrei, in der Praxis gibt es jedoch immer Risiken. Preisschwankungen, Währungsabwertungen oder externe Marktschocks können die Gewinnspanne negativ (aber auch positiv) beeinflussen. Personen, die solche Geschäfte tätigen, werden als Arbitrageure bezeichnet, z. B. eine Bank oder ein Broker.

Der Begriff wird hauptsächlich für den Handel mit Finanzinstrumenten wie Anleihen, Aktien, Derivaten, Rohstoffen und Währungen verwendet. Auf dem Devisenmarkt heißt diese Ausnutzung der Wechselkurse auch Devisenarbitrage.

Arbitrage hat für den Gesamtmarkt den Effekt, dass sich die Preise für gleiche oder sehr ähnliche Vermögenswerte auf verschiedenen Märkten annähern. Dadurch verhindern solche Vorgänge weitere Arbitragemöglichkeiten, sodass nur wenige Arbitrageure davon profitieren können.

Wann ist keine Arbitrage möglich?

Wenn die Marktpreise keine profitable Arbitrage zulassen, gelten die Preise als Arbitragegleichgewicht oder als arbitragefreier Markt. Ein Arbitragegleichgewicht ist Voraussetzung für ein allgemeines wirtschaftliches Gleichgewicht. Die Annahme „keine Arbitrage“ wird in der quantitativen Finanzierung verwendet, um einen risikoneutralen Preis für Derivate zu berechnen. Vollkommene Arbitragefreiheit ist unter der Bedingung möglich, dass eine sehr hohe Markttransparenz aufgrund des elektronischen Handelns besteht. Dies kann eine Arbitrage sowie Ihre Bedeutung für den Privatanleger beinahe komplett ausschließen.

Voraussetzungen für risikolose Gewinne

Arbitrage ist möglich, wenn eine von drei Bedingungen erfüllt ist:

  1. Ein und derselbe Vermögenswert handelt nicht auf allen Märkten zum gleichen Preis („das Gesetz des einen Preises“).
  2. Zwei Vermögenswerte mit identischen Cashflows werden nicht zum gleichen Preis gehandelt.
  3. Ein Vermögenswert hat in der nahen Zukunft einen veränderten Preis, der sich nicht am risikofreien Zinssatz orientiert. Handelt es sich beispielsweise um Getreide, sind die Lagerkosten in diesem Fall erheblich.

Arbitrage ist nicht einfach der Akt des Kaufs in einem Markt sowie der Verkauf in einem anderen Markt. Die Transaktionen (bzw. das rechtlich bindende abschließen) müssen gleichzeitig Damit vermeiden Anleger Marktrisiken oder das Risiko von Preisänderungen auf einem Handelsplatz, bevor beide Transaktionen abgeschlossen sind. In der Praxis ist dies in der Regel nur mit elektronisch handelbaren Wertpapieren und Finanzprodukten möglich. Selbst hier können sich die Preise auf dem Markt in Sekundenbruchteilen bewegen. Diese Unwägbarkeit wird als „Ausführungsrisiko“ bezeichnet.

In einem einfachen Gedankenbeispiel soll jedes Gut, das in einem Markt gekauft wird, für den gleichen Preis in einem anderen Markt verkauft werden. Die Händler könnten nun beispielsweise feststellen, dass der Preis von Weizen in landwirtschaftlichen Regionen niedriger ist als in Städten. Man könnten nun die Ware kaufen und in die Städte transportieren, um sie zu einem höheren Preis zu verkaufen. Diese Art der Preisarbitrage ist die häufigste. Dabei ignoriert dieses einfache Beispiel freilich die Kosten für Transport, Lagerung, Risiko und andere Faktoren. „Echte“ Arbitrage setzt voraus, dass kein Marktrisiko besteht. Werden Wertpapiere an mehr als einer Börse gehandelt, erfolgt die Arbitrage durch das gleichzeitiges Kaufen in der einen und Verkaufen an der anderen Stelle. Möglich ist auch das Abschließen eines rechtlich bindenden Vertrages, das Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis abzuwickeln.

Selbst bei der Arbitrage gibt es Risiken

Arbitrage-Geschäfte an modernen Wertpapiermärkten bergen relativ geringe Risiken, können aber in seltenen Situationen, insbesondere während Finanzkrisen, einem extrem hohen Risiko ausgesetzt sein und zur Insolvenz des Arbitrageurs führen.

Mathematisch-formal haben Arbitragegeschäfte eine negative Schieflage – Preise können einen kleinen Betrag näherkommen (aber oft nicht näher als 0), während sie sehr weit auseinander liegen.

Die Risiken im Wertpapieralltag sind im Allgemeinen gering bei der Arbitrage. Die Erklärung liegt darin, dass die Transaktionen mit kleinen Preisunterschieden verbunden sind, sodass ein Scheitern der Ausführung in der Regel einen überschaubaren, kleinen Verlust verursacht. Es sei denn, das Handelsvolumen ist sehr groß oder der Preis bewegt sich extrem schnell.

Die seltenen Risiken sind jedoch – sofern sie eintreffen – extrem hoch, da diese kleinen Preisunterschiede über ein Leverage (Einsatz von Fremdkapital ) in große Gewinne umgewandelt werden. Im Gegenzug können diese im Fall der Fälle bei einer großen Preisbewegung zu einem großen Verlust führen.

Das Hauptrisiko im Tagesgeschäft besteht darin, dass ein Teil der Transaktion scheitert – das Ausführungsrisiko. Die wichtigsten, seltenen Risiken sind:

  • das Gegenparteirisiko: das Gegenüber kann nicht zahlen und/oder liefern
  • das Liquiditätsrisiko: durch eine kurzfristige Preisänderung muss ein Nachschuss geleistet werden, wenn Fremdkapital eingesetzt wurde und die Zusatzeinzahlung nicht aufgebracht werden kann.

Scheinbar sehr risikoarme Arbitragegeschäfte sind aufgrund dieser Risikofaktoren und anderer Überlegungen nicht tatsächlich vollständig risikofrei. In der wissenschaftlichen Literatur wird diese Vorstellung oft als „Grenze der Arbitrage“ bezeichnet.

Fähigkeiten

Gepostet am

9. September 2019