Arbitrage

Was ist Arbitrage?

Im Bereich Wirtschaft und Finanzen ist Arbitrage die Praxis, eine Preisdifferenz zwischen zwei oder mehr Märkten zu nutzen: eine Kombination von zwei Geschäften, die das preisliche Ungleichgewicht ausnutzen, wobei der Gewinn die Differenz zwischen den Marktpreisen ist. Man spricht ebenfalls davon, dass ein Arbitragegeschäft vorhanden ist, wenn es festgelegt im zeitlichen Ablauf möglich ist, etwas sofort zu einem niedrigen Preis zu kaufen und vorab festgelegt zu einem höheren Preis später zu verkaufen.

Theoretisch ist die Arbitrage risikofrei, in der Praxis gibt es immer Risiken. Preisschwankungen, Währungsabwertungen oder externe Marktschocks können die Gewinnspanne negativ (aber auch positiv) beeinflussen. Personen, die solche Geschäfte tätigen, werden als Arbitrageure bezeichnet, z. B. eine Bank oder ein Broker. Der Begriff wird hauptsächlich für den Handel mit Finanzinstrumenten wie Anleihen, Aktien, Derivaten, Rohstoffen und Währungen verwendet. Arbitrage hat für den Gesamtmarkt den Effekt, dass sich die Preise für gleiche oder sehr ähnliche Vermögenswerte auf verschiedenen Märkten annähern.

Der Begriff „Arbitragefrei“

Wenn die Marktpreise keine profitable Arbitrage zulassen, gelten die Preise als Arbitragegleichgewicht oder als arbitragefreier Markt. Ein Arbitragegleichgewicht ist Voraussetzung für ein allgemeines wirtschaftliches Gleichgewicht. Die Annahme „keine Arbitrage“ wird in der quantitativen Finanzierung verwendet, um einen risikoneutralen Preis für Derivate zu berechnen.

Die Arbitragebedingungen

Arbitrage ist möglich, wenn eine von drei Bedingungen erfüllt ist:

  1.  Ein und derselbe Vermögenswert handelt nicht auf allen Märkten zum gleichen Preis („das Gesetz des einen Preises“).
  2. Zwei Vermögenswerte mit identischen Cashflows werden nicht zum gleichen Preis gehandelt.
  3. Ein Vermögenswert mit einem in der Zukunft bekannten Preis handelt heute nicht mit seinem zukünftigen Preis, der mit dem risikofreien Zinssatz abgezinst ist (oder der Vermögenswert hat erhebliche Lagerkosten; als solcher gilt diese Bedingung beispielsweise für Getreide, nicht aber für Wertpapiere).

Arbitrage ist nicht einfach der Akt des Kaufs eines Produkts in einem Markt und des Verkaufs in einem anderen zu einem höheren Preis zu einem späteren Zeitpunkt: Die Transaktionen (bzw. das rechtlich bindende abschließen) müssen gleichzeitig erfolgen, um Marktrisiken oder das Risiko von Preisänderungen auf einem Markt zu vermeiden, bevor beide Transaktionen abgeschlossen sind. In der Praxis ist dies in der Regel nur mit elektronisch handelbaren Wertpapieren und Finanzprodukten möglich und selbst dann, wenn jeder Teil des Handels ausgeführt wird, können sich die Preise auf dem Markt in Sekundenbruchteilen bewegt haben. Diese Unwägbarkeit wird als „Ausführungsrisiko“ bezeichnet.

In einem einfachen Gedankenbeispiel soll jedes Gut, das in einem Markt verkauft wird, für den gleichen Preis in einem anderen Markt verkauft werden. Die Händler könnten nun beispielsweise feststellen, dass der Preis von Weizen in landwirtschaftlichen Regionen niedriger ist als in Städten. Man könnten nun die Ware kaufen und in die Städte transportieren, um sie zu einem höheren Preis zu verkaufen. Diese Art der Preisarbitrage ist die häufigste, aber dieses einfache Beispiel ignoriert freilich die Kosten für Transport, Lagerung, Risiko und andere Faktoren. „Echte“ Arbitrage setzt voraus, dass kein Marktrisiko besteht. Werden Wertpapiere an mehr als einer Börse gehandelt, erfolgt die Arbitrage durch gleichzeitiges Kaufen in der einen und Verkaufen an der anderen (oder zumindest das Abschließen eines rechtlich bindenden Vertrages, das Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis abzuwickeln).

Die Risiken bei der Arbitrage

Arbitragegeschäfte an modernen Wertpapiermärkten bergen relativ geringe Risiken, können aber in seltenen Situationen, insbesondere während Finanzkrisen, einem extrem hohen Risiko ausgesetzt sein und zur Insolvenz des Arbitrageurs führen. Mathematisch-formal haben Arbitragegeschäfte eine negative Schieflage – Preise können einen kleinen Betrag näherkommen (aber oft nicht näher als 0), während sie sehr weit auseinander liegen können. Die Risiken im Wertpapieralltag sind im Allgemeinen gering, da die Transaktionen mit kleinen Preisunterschieden verbunden sind, sodass ein Scheitern der Ausführung in der Regel einen überschaubaren, kleinen Verlust verursacht (es sei denn, das Handelsvolumen ist sehr groß oder der Preis bewegt sich extrem schnell). Die seltenen Risiken sind jedoch – sofern sie eintreffen – extrem hoch, da diese kleinen Preisunterschiede über ein Leverage (Einsatz von Fremdkapital) in große Gewinne umgewandelt werden, im Gegenzug im Fall der Fälle bei einer großen Preisbewegung ebenso zu einem großen Verlust führen können.

Das Hauptrisiko im Tagesgeschäft besteht darin, dass ein Teil der Transaktion scheitert – das Ausführungsrisiko. Die wichtigsten, seltenen Risiken sind das Gegenparteirisiko (das Gegenüber kann nicht zahlen und/oder liefern) und das Liquiditätsrisiko (durch eine kurzfristige Preisänderung muss ein Nachschuss dann geleistet werden, wenn Fremdkapital eingesetzt wurde und die Zusatzeinzahlung nicht aufgebracht werden kann). In der wissenschaftlichen Literatur wird die Vorstellung, dass scheinbar sehr risikoarme Arbitragegeschäfte aufgrund dieser Risikofaktoren und anderer Überlegungen nicht tatsächlich vollständig risikofrei sind, oft als „Grenze der Arbitrage“ bezeichnet.