Anleihe

Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe, auch Schuldverschreibung, Obligation oder Bond, ist ein Wertpapier, das einen Anspruch auf vereinbarte Zinsen sowie Rückzahlung der investierten Summe verbrieft. Neben der klassischen Form gibt es zahlreiche Sonderkonstruktionen, zum Beispiel die Anleihe mit variablem Zins, ohne Zins (Nullkupon-Anleihe) und die Aktien-Anleihe, bei denen der Emittent die Rückzahlung in Aktien leisten darf. Emittenten (Herausgeber) der Anleihe sind insbesondere Unternehmen aus Industrie und Handel, aber auch Banken. Sie nutzen die Anleihe zur kurz- bis mittelfristigen (bis fünf Jahre) oder langfristigen (fünf bis acht Jahre) Finanzierung. Bekannt ist auch die Anleihe der öffentlichen Hand (Staatsanleihe), in Deutschland zum Beispiel in Form von Bundes-, Landes- oder Kommunalanleihen. Bei dieser Anleihe sind Laufzeiten zwischen zehn und dreißig Jahren üblich.

Schwankender Kurswert

Jede Anleihe hat einen bestimmten Nennwert (Nominalwert), zum Beispiel 1.000 Euro. Der Nennwert einer Anleihe ist praktisch der Kreditbetrag, den der Käufer dem Emittenten mit der Anleihe gewährt, und damit zugleich der Wert, auf den sich der Rückzahlungsanspruch der Anleihe bezieht. Eine Anleihe wird meist an der Börse gehandelt. Deshalb hat jede einen Kurswert, der in Prozent des Nennwerts angegeben wird. Eine hoch verzinste Anleihe eines soliden Unternehmens wird in Zeiten niedriger Zinsen für Tages- und Festgelder einen Kurswert über 100 % haben.

Hierzu ein Beispiel: Eine Anleihe hat eine Restlaufzeit von vier Jahren. Der vereinbarte Jahreszins (der sogenannte Kupon) beträgt 4 %, während für eine vergleichbar sichere Anlage nur ein Marktzins von 1 % zu erzielen ist. Ohne Berücksichtigung von Zinseszinsen hat der Gläubiger der Anleihe also während der verbleibenden Laufzeit einen Vorteil von vier Jahren mal drei Prozentpunkten Zinsdifferenz, also insgesamt 12 %. Es ist deshalb zu erwarten, dass sich der aktuelle Kurs bei 112 % (12 % über dem Nennwert) einpendeln wird. Drei Jahre vor Laufzeitende würde der Kurs dieser Anleihe bei ansonsten gleichen Marktbedingungen auf 109 % sinken. Die Rendite einer Anleihe ist also nicht nur vom Zins abhängig, sondern auch von ihrem Kurswert. Eine Änderung des Marktzinses verändert zwar nicht den Kupon, hat aber Einfluss auf den Kurs der Anleihe.

Risiken der Anleihe abhängig von der Bonität des Emittenten

Aufgrund der wiederkehrenden gleichbleibenden Zinszahlungen wird der Markt für die Anleihe auch als Rentenmarkt bezeichnet. Die Kursschwankungen einer Anleihe sind durchweg geringer als bei Aktien. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeichnung einer Anleihe eine sichere Geldanlage ist. Wie bei jedem Wertpapier besteht auch hier das Risiko eines Totalverlustes. Zwar sind Zinsen und Rückzahlung der Anleihe garantiert, aber bei einer Insolvenz des Schuldners sind die Ansprüche nicht oder nur zu einem kleinen Teil durchsetzbar. Das gilt insbesondere für sogenannte Nachranganleihen, denn deren Gläubiger werden erst nach allen anderen Beteiligten am Insolvenzverfahren ausbezahlt. Selbst Staatsanleihen sind nicht völlig sicher, wie der Schuldenschnitt in Griechenland gezeigt hat. In den USA können sogar Gemeinden Insolvenz anmelden. Hypothekenanleihen sind dagegen durch Grundstücke oder Grundstücksleiche Rechte, also Grundschulden und Hypotheken, gesichert. Ein Pfandbrief ist ebenfalls eine durch Grundpfandrechte abgesicherte Anleihe. Er unterliegt in Deutschland den besonders strengen Anforderungen nach dem Pfandbriefgesetz.