Abschreibung

Was ist eine Abschreibung?

Als Abschreibung bezeichnet man eine planmäßige oder außerplanmäßige Wertminderung eines Vermögensgegenstandes. Der Begriff wird im betrieblichen Rechnungswesen verwendet.

Verwendungszweck

Im engeren Sinne wird eine Abschreibung dazu verwendet, um einen Betrag zu ermitteln, der die Wertminderungen von Gegenständen des Anlagevermögens erfasst. Dieser Betrag soll schließlich in der Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand ausgewiesen werden. In der Kostenrechnung wird der Abschreibungsbetrag unter dem Punkt Kosten angegeben. Eine Abschreibung ist lediglich auf abnutzbare Gegenstände des Anlagevermögens möglich. Dabei kann es sich sowohl um materielle als auch um immaterielle Gegenstände (zum Beispiel Patente) handeln.

Die aktivierten Herstellungs- oder Anschaffungskosten werden jährlich um einen bestimmten Betrag gekürzt, um die eingetretene Wertminderung in einer Rechnungsperiode zu erfassen. Der Abschreibungsbetrag wird dabei anhand der voraussichtlichen betrieblichen Nutzungsdauer berechnet.

Eine Abschreibung kann aber auch verschiedene Verfahren zur Abwertung von bestimmten Vermögensgegenständen des Anlage- oder Umlaufvermögens beschreiben. Hierzu gehören auch die sog. Bilanzierungshilfen. Wenn von einer Abschreibung im weiteren Sinne die Rede ist, dann werden nicht nur die Wertminderungen einzelner Vermögensgegenstände während einer bestimmten Rechnungsperiode, sondern auch andere Wertminderungen erfasst, die sich aus weiteren Abwertungswahlrechten und Abwertungsgeboten ergeben.

Abschreibungsgründe

  1.  Wirtschaftliche Ursachen: In Betracht kommt hier beispielsweise eine Fehlinvestition, ein Einbruch in der Nachfrage oder ein ineffizienter Vermögensgegenstand. In den ersten beiden Fällen kann die ursprünglich erhoffte Leistung nicht mehr komplett verwertet werden. Wenn Ineffizienz der Grund der Abschreibung ist, liegt das meistens an einem technischen Fortschritt oder an gesunkenen Wiederbeschaffungskosten.
  2. Rechtliche Ursachen: Hier haben Maßnahmen des Gesetzgebers einen erheblichen Einfluss auf die Wertminderung eines Vermögensgegenstandes. Entwertungen treten nach dem Ablauf eines Vertrages wie Miet- oder Pachtvertrag oder nach Ablauf eines Schutzrechtes (Lizenz oder Patent) in Kraft.
  3. Technische Ursachen: Als technische Gründe kommen einfache Verschleißerscheinungen aufgrund von häufigem Gebrauch oder ein außergewöhnlicher Verschleiß, etwa in Form eines Unfalls, in Betracht.

Bilanzielle Abschreibungen nach Handelsrecht

Eine planmäßige Abschreibung für einen abnutzbaren Vermögensgegenstand des Anlagevermögens kann meist schon lange im Voraus festgelegt werden. Gemäß § 253 Absatz 3 HGB muss ein Abschreibungsplan erstellt werden, in dem man die Herstellungs- oder Anschaffungskosten pro Vermögensgegenstand als Bemessungsgrundlage angibt. Daneben muss die voraussichtliche Nutzungsdauer sowie die Abschreibungsmethode angegeben werden. Da nach § 252 Absatz 1 Nr.6 HGB der Grundsatz der Bewertungsstetigkeit gilt, sind Änderungen am Abschreibungsplan nur in Ausnahmefällen und mit guter Begründung möglich.

Außerplanmäßige Abschreibungen, also Abschreibungen, die zuvor nicht geplant waren, sind nach § 253 Absatz 3 und 4 HGB unter den dort genannten Voraussetzungen für alle Vermögensgegenstände möglich. Wenn die Gründe für eine außerplanmäßige Abschreibungsmethode wegfallen, gilt sowohl für Kapitalgesellschaften als auch für Nichtkapitalgesellschaften das Wertaufholungsgebot nach § 253 Absatz 5 HGB.

Bei einer kalkulatorischen Abschreibung handelt es sich um eine Abschreibungsart aus der Kostenrechnung. Als Bemessungsgrundlage dienen meistens die Wiederbeschaffungskosten am Bewertungsstichtag vor dem Hintergrund der Substanzerhaltung des Konzerns. Die Gesamtabschreibung, die in der Bilanz aufgeführt wird, stimmt meist nicht mit der Abschreibung in der Kostenrechnung überein. Gründe dafür sind steigende oder sinkende Wiederbeschaffungskosten.

Abschreibungsmethoden

Bei der linearen Abschreibungsmethode werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AHK), gegebenenfalls nach Abzug des Resterlöses, gleichmäßig auf die kommenden Nutzungsjahre verteilt. Die AHK müssen hierzu einfach durch die voraussichtliche Nutzungsdauer geteilt werden.

Die Beträge werden bei der degressiven Abschreibungsmethode in Raten festgelegt, welche im Laufe der Zeit immer weiter sinken. Es muss zwischen der arithmetisch degressiven Abschreibung, in der die Differenz der Raten konstant ist, und der geometrisch degressiven Abschreibung, in der ein konstanter Abschreibungsprozentsatz vorliegt, unterschieden werden.

Die progressive Abschreibung beschreibt eine Methode, bei der die Ratenfolge der degressiven Methode umgekehrt wird. Dieses Verfahren wird jedoch nur in wenigen Fällen durchgeführt.

Bei der Leistungsabschreibung muss das Leistungsvolumen sowie die Summe der Leistungseinheiten geschätzt werden. Der jährliche Abschreibungsbetrag ergibt sich aus der Mulitplikation der AFA (Absetzung für Abnutzung) pro Leistungseinheit mit der Leistungsmenge.

Das Verfahren der Substanzabschreibung kommt meist in Abbaubetrieben wie in Kohlebergwerken oder Kiesgruben zum Einsatz. Hier muss das Volumen der abbaufähigen Substanz geschätzt werden. Die Anschaffungskosten des abgebauten Grundstücks müssen durch das Abbauvolumen geteilt werden. Die sich nun ergebende Abschreibung pro Mengeneinheit abgebauter Substanz muss schließlich mit der abgebauten Substanz multipliziert werden.

Bedeutung für die Bilanz

Eine Abschreibung mindert als Aufwand den Gewinn, der in der Steuerbilanz ausgewiesen wird. Je nachdem, welche Abschreibungsmethode gewählt wird, kann der ausgewiesene Gewinn deutlich beeinflusst werden. Dadurch ergibt sich für ein Unternehmen ein gewisser Spielraum, um den Gewinn zu „manipulieren“, was durch die Möglichkeit der Sonderabschreibungen noch verstärkt wird. Der Entscheidungsspielraum erlaubt einem Unternehmen, stille Reserven zu bilden und die eigentlichen wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschleiern.

Trotzdem müssen Unternehmen den Grundsatz der Stetigkeit einhalten, weshalb eine einmal gewählte Abschreibungsmethode beibehalten werden muss. Eine Abweichung davon ist nur in Ausnahmefällen und unter Angabe eines guten Grundes möglich.