Das eigene Unternehmen zu führen bringt einiges an organisatorischem und finanziellem Aufwand mit sich. Besonders bei der Gründung einer Kapitalgesellschaft müssen Unternehmer Stammkapital mitbringen. Fraglich ist, wie viel Geld nach der anfänglichen Entwicklung und bürokratischen Etablierung noch vorhanden ist, um die Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Um sich ein zusätzliches Finanzpolster zu holen ist es bei Unternehmern und Startups gängige Praxis, Investoren zu finden. Diese steuern Kapital bei, um junge Firmen voranzubringen. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf dem Wirtschafts- und Finanzmarkt haben vor allem Unternehmer in der Immobilienbranche bei der Investorensuche leichtes Spiel. 

Der folgende Leitfaden erklärt, in welchem Entwicklungsstadium Investoren gerne einsteigen, mit welchen Dokumenten Sie Investoren überzeugen, welche Investoren-Typen es gibt und wie Sie diese finden. 

 

Zu welchem Zeitpunkt kann man Investoren finden?

Wenn junge Unternehmen Investoren für ihre Geschäftsidee finden wollen, sollten sie hierfür den richtigen Zeitpunkt wählen. Die Neu-Gründung einer Firma ist grundsätzlich in fünf Phasen eingeteilt:

  1. Seed-Phase
  2. Startup-Phase
  3. Wachstumsphase
  4. Bridge-Phase
  5. Endphase

Während der Seed-Phase (1) dreht sich für Unternehmer alles um strategische Planung und Organisation. Hier führt man Analysen durch und man entwickelt einen Prototyp für das Produkt oder die Dienstleistung. Die Finanzierung dieser Phase besteht meistens aus Eigenkapital. Einen Investor ohne Eigenkapital zu finden, gestaltet sich in der Regel schwierig. Um die ersten Maßnahmen umzusetzen, ist es sinnvoll, sich für staatliche Förderprogramme zu bewerben.

Wollen Gründer Investoren für ihr Unternehmen heranziehen, beginnen sie damit am besten in der Startup-Phase (2). In dieser zweiten Phase erledigen junge Gründer alle bürokratischen Anmeldungen:

  • Die Anmeldung beim Gewerbeamt
  • Die Eintragung ins Handelsregister
  • Die Ermittlung eines innovativen Firmennamens
  • Die Durchführung einer Markenanmeldung, um das Geschäftsmodell zu schützen

Wenn ein Investor eine Geschäftsidee sucht, geht er auf Nummer sicher, dass die juristischen Aufgaben erledigt sind und sämtliche bürokratischen Bescheinigungen vorliegen. So weiß er, dass das Startup alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt und er es mit einem rechtmäßigen Unternehmen zu tun hat.

Mancher Investor steigt auch erst in der Wachstumsphase (3) ein. Startups in dieser Phase haben die ersten Züge der Gründung bereits erfolgreich geschafft und wollen nun expandieren. Ein Geldgeber investiert gerne in ein Unternehmen auf der Überholspur, denn er erkennt, dass viel Eigenleistung vorangegangen ist und die Geschäftsidee scheinbar gut funktioniert. Trifft dies zu, hat der Unternehmer eine sehr gute Chance, Investoren zu finden. Die Finanzierung der Bridge-Phase (4) hat weniger mit der direkten Investorensuche zu tun, sondern bezieht sich eher auf die Börsenaktivität.

In der Endphase (5) geht es vor allem auf der Management-Ebene darum, neu zu strukturieren. Häufig erweitert sich das Gründerteam mit zusätzlichen, externen Führungskräften oder die Gründer ziehen sich sogar zurück. Innerhalb des Endstadiums ist es dennoch gängige Praxis, für das entwickelte Startup private Investoren zu finden. In manchen Fällen sind Investoren nicht nur Geldgeber, sondern sie nehmen auch Positionen als neue Führungskräfte ein.

 

Welche Unterlagen sind notwendig, um Investoren zu finden?

Damit Unternehmer Kapital von Investoren erhalten, müssen sie ihre Geldgeber zu 100 Prozent überzeugen. Ein Interessent wird erst dann Geld beisteuern, wenn er den Eindruck hat, dass das Unternehmen selbstständig im Vorfeld eine ausreichende Planung und Analyse durchgeführt hat. Folgende Konzeptausarbeitungen sind essenziell:

  • Markt- bzw. Wettbewerbsanalyse: Hiermit zeigen Entrepreneure, welche Stellung sie auf dem nationalen oder auch internationalen Markt einnehmen und wie sie sich von der Konkurrenz
  • Marketingkonzept: Die Unternehmer präsentieren potenziellen Geldgebern, wie sie ihre Firma auf dem Markt präsentieren und wie sie Kunden ansprechen, um durch Bestands- und Neukunden Einnahmen zu garantieren.
  • Das wichtigste Konzept ist der Businessplan mit zugehöriger Finanzplanung. Ein Investor bietet Kapital dann an, wenn er anhand von Plänen und ausgearbeiteten Konzepten ein durchdachtes Geschäftsmodell erkennt. Unternehmer gewinnen Geldgeber, indem sie mit dem Businessplan nachweisen, wie und wofür sie das Kapital verwenden.
  • Ob als Gründer oder erfahrener Unternehmer: Es ist immer von Vorteil, ein sogenanntes „Pitch-Deck“ seines Betriebs mitzuführen, wenn Entrepreneure auf der Suche nach Investoren sind. Hierbei handelt es sich um einige Präsentationsfolien, die die überzeugendsten Daten, Fakten und Zahlen der Firma enthalten. Diese sollten immer aktuell und zu jeder Zeit griffbereit sein, um auch in Spontansituationen potenzielle Investoren zu überzeugen.

 

Welche Arten von Investoren gibt es?

Alle notwendigen Unterlagen sind gesammelt? Dann geht es darum Investoren zu finden, die sich für die Idee interessieren.

  1. Private Equity Investoren

Hier handelt es sich um Beteiligungsgesellschaften, die Unternehmen finanzieren, die sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befinden und fest auf dem Markt etabliert sind.

  1. Venture Capital

Die deutsche Übersetzung von Venture Capital (VC) ist Risikokapital oder Wagniskapital. Die Unsicherheit für diese Kapitalgeber besteht darin, dass sie junge Unternehmen finanzieren, die in den Startlöchern stehen. Wie sich eine Firma entwickelt und ob sie sich auf dem Markt etablieren kann, ist im Frühstadium nicht abzusehen. Deshalb geht mit dieser Finanzierung ein gewisses Risiko einher.

  1. Business Angels

Auch Business Angels unterstützen junge Unternehmen bereits zu einem frühen Zeitpunkt. Hier handelt es sich häufig um Privatleute, die jungen Gründern zum Erfolg verhelfen möchten. Der Unterschied zum Venture Capital liegt darin, dass die investierten Geldbeträge nicht ganz so hoch sind.

  1. Immobilien-Kapitalgeber

Aufgrund der Niedrigzinsen bei klassischen Geldanlagen stellt der deutsche Immobilienmarkt für viele Anleger eine gern gewählte Alternative dar. Daher haben es Unternehmer aus der Immobilienbranche nicht schwer, Investoren für Bauprojekte zu finden. Es gibt viele Faktoren, die dafürsprechen, dass Anleger in Immobilien investieren:

  • Bauprojekte gelten als krisensichere und stabile Anlagen.
  • Es besteht eine hohe Nachfrage vor allem in Großstädten und Ballungszentren.
  • Die Nachfrage steigt nicht nur in Bezug auf Wohnraum und Privatimmobilien, sondern auch bei Gewerbeimmobilien oder auch Nichtwohngebäuden wie z.B. Büros, Kliniken oder Pflege-Immobilien.
  • Langfristige Wertsteigerung: Immobilien weisen in der Zukunft oft einen höheren Wert auf als zum Zeitpunkt des Kaufs.
  • Geldanlagen in Immobilien zeichnen sich durch eine gute Planbarkeit in Bezug auf Kosten, vor allem jedoch auf die Einnahmen aus.
  • Bei Immobilien-Investments können Anleger mit einem monatlichen Cashflow rechnen.

 

Investoren über den Verkauf von Unternehmensanteilen finden

Wenn Unternehmer für ihr Projekt auf Investorensuche gehen, können sie unter Umständen hierfür auch Unternehmensbeteiligungen verkaufen. Diese Art des Geschäftsmodells bringt sowohl für die Geldgeber als auch für die Gründer Vorteile mit sich:

  • Das junge Unternehmen profitiert aus finanzieller Hinsicht. Mit dem Geld der Investoren können junge Startups ihre Firma besser und schneller ausbauen.
  • Zudem profitieren die jungen Gründer von dem Know-How und Fachwissen der Investoren.
  • Die Investoren hingegen werden zu Gesellschaftern des Unternehmens. Daher erhalten Sie ein Mitspracherecht und dürfen bei bestimmten Beschlüssen ihr Veto einlegen. Mit dem Recht auf Information erhalten die Geldgeber immer Auskunft über Firmenentwicklungen.
  • Die Geldgeber erhalten ein Gewinnbezugsrecht. Wenn das Unternehmen nach einigen Jahren den gewünschten Gewinn erzielt, erhält der Investor die vereinbarten Unternehmensanteile.
  • Mit der Treuepflicht willigen die Investoren ein, dem Unternehmen während der vertraglichen Laufzeit loyal zu bleiben.

All diese Bedingungen gelten für offene Unternehmensbeteiligungen. Wenn Entrepreneure stille Investoren finden wollen, müssen sie Teilhaber suchen, die auf ihr Mitspracherecht verzichten.

Die verschiedenen Investoren sind auch auf unterschiedliche Branchen spezialisiert. Wenn Geschäftsleute den passenden Kapitalgeber finden wollen, sollten sie darauf achten, dass der Investor mit dem Wirtschaftssektor vertraut ist. Ein Geldgeber wird in kein Projekt investieren, von dessen Branche er keine Ahnung hat.

 

Fazit

Damit die Suche nach Investoren klappt, sollten Unternehmer einiges beachten. Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an: Manche Kapitalgeber steigen bereits frühzeitig in ein Unternehmen ein, andere erst dann, wenn Firmen auf dem Markt etabliert sind. Damit Entrepreneure Investoren überzeugen, gehört ein gewisses Maß an Eigenleistung dazu: einen ausführlichen Business- bzw. Finanzplan, inklusive Wettbewerbsanalyse und Marketingkonzept sollten Unternehmer mitbringen, um den Business Angel oder den Venture Capitalist von ihrer Firma zu beeindrucken. Private Equity Investoren steuern zwar höhere Summen bei, dafür steigen sie erst zu einem späteren Zeitpunkt in ein Unternehmen ein. Frisch gebackene Startups unterstützen diese nicht. In manchen Fällen gehen Investoren auch eine Unternehmensbeteiligung ein.


Häufig gestellte Fragen zum Thema Investoren finden

 

Wie und wo kann man Investoren finden?

Es gibt unterschiedliche Arten, wie Unternehmer finanzstarke Investoren finden können:

  1. Wenn Sie an Messen oder Konferenzen teilnehmen, finden Sie nicht nur eine große Auswahl an Investoren vor, sondern Sie kommen mit den Vertretern direkt in Kontakt. So überzeugen Sie über die persönliche Ebene.
  2. Es besteht für Entrepreneure auch die Möglichkeit, über Online-Portale die passenden Investoren zu finden. Unter einem Firmenprofil hinterlegt man alle notwendigen Informationen:
    • Das Gründungsteam
    • Die Branche
    • Bescheinigungen und Zertifikate
    • Zahlen und Fakten
    • Kontaktdaten

Sowohl Unternehmer als auch Investoren durchsuchen diese Portale und finden sich so gegenseitig.

  1. Networking

Ein gutes Netzwerk zu besitzen ist Gold wert. Unternehmer, die passende Investoren finden wollen, sollten all ihre Kollegen und Kontakte aus der Gründer-Szene oder der Wirtschaftsbranche darüber informieren. Eine Empfehlung bei einem Geldgeber durch befreundete Unternehmer ist viel erfolgsversprechender, als eine reguläre Bewerbung.

 

Wie wichtig ist ein harmonisches Gründerteam?

Ein ausgearbeitetes Unternehmenskonzept und ein überzeugender Businessplan sind essenziell, wenn Sie Investoren finden wollen. Neben stichhaltigen Fakten ist jedoch auch ein überzeugender Teamgeist von enormer Bedeutung. Wenn die Stimmung im Gründer-Team positiv und harmonisch ist, lässt sich ein Investor mit größerer Wahrscheinlichkeit mitziehen. Ein Geldgeber investiert hingegen nicht in eine Unternehmer-Gesellschaft, wenn er Unstimmigkeiten erkennt.

 

Welche Fehler sollten nicht passieren?

  1. Massenmails versenden: Es kann sich als Fehler herausstellen, wenn Unternehmen eine Bewerbung mit gleichem Inhalt an hunderte Investoren versenden. Business Angels und Venture Capitalists sind selbst untereinander gut vernetzt. Spricht sich in der Investoren-Szene herum, dass ein Unternehmen eine Massen-Anfrage versendet hat, wirkt dies schnell unseriös.
  2. Verzögerte Reaktionen: Melden sich Investoren aufgrund einer Anfrage, sollten Unternehmen diese nicht warten lassen. Es ist wichtig, dass dann alle notwendigen Unterlagen zusammen sind, um den Investor einzuladen. Ist die Pause zwischen Anfrage und Rückmeldung zu lange, verliert der Geldgeber das Interesse und hat womöglich zwischenzeitlich ein neues Investment-Projekt gefunden.
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