Eine Investition in Immobilien gilt als relativ sicher und renditestark. Ein oder mehrere Objekte zu kaufen, erfordert jedoch ein hohes Eigenkapital bzw. eine Verschuldung sowie eine lange Bindung.
Aktien gelten im Allgemeinen zwar als riskanter. An der Börse haben Anleger jedoch die Möglichkeit, sich bereits mit weniger Geld sowie kürzeren Laufzeiten am Immobilienmarkt zu beteiligen.
Daher werden Kapitalanlagen in Immobilien über Wertpapiere immer beliebter.
Immobilienaktien stellen hier eine Kombination zweier unterschiedlicher Anlageformen dar.
Wie sieht diese Fusion genau aus und welche Vorteile bringt ein solches Investment wirklich? Wir erklären, was es mit Immobilienaktien auf sich hat und was Anleger bei der Investition beachten müssen.

Was sind Immobilienaktien?

Mit Immobilienaktien beteiligen sich Anleger an einem börsennotierten Unternehmen. Diese Firmen sind ausschließlich in der Immobilienbranche tätig und verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle:

⮞ Kaufen und Verwalten von Immobilien

⮞ geben entsprechende Bauprojekte zwecks Vermietung in Auftrag

⮞ Ankauf und gewinnbringender Verkauf von Immobilien sowie Grundstücken

⮞ Mieteinnahmen als Hauptertragsquelle (am häufigsten)

Charakteristischerweise befinden sich die Immobilien an verschiedenen Standorten, wobei der Pool sowohl Wohn- als auch Gewerbeimmobilien umfasst.

Deutsche Immobilienaktien gibt es von:

  • DAX-Konzernen wie Vonovia
  • den MDAX-Unternehmen Deutsche Wohnen
  • Alstria Office Reit
  • LEG Immobilien
  • die TAG-Immobilien-Aktie

Laut einiger Experten findet sich die beste Immobilienaktie im SDAX. Zu nennen ist hier beispielhaft die Patrizia-Immobilien-Aktie.

Anleger, die sich für diese Investmentform in Immobilien entscheiden, profitieren indirekt an den Einnahmen der Unternehmen. Die Immobilien-Aktien-Dividende wird entweder ausgeschüttet oder reinvestiert.

Wichtig zu wissen: Ein Anspruch auf Miteigentümerschaft an den Objekten der Konzerne besteht durch den Aktienkauf nicht. Anteilseigner dürfen jedoch an der Jahreshauptversammlung teilnehmen und haben dort ein Mitspracherecht.

REIT als Sonderform der Immobilienaktie

Eine Unterform der Aktien im Immobilienbereich stellen die sogenannten REITs dar. Die Abkürzung steht für Real Estate Investment Trust.
Dieses Aktienmodell entstand in den 1960er-Jahren in den USA und wurde 2007 in Deutschland zugelassen.

REITs werden von börsennotierten Immobilienunternehmen ausgegeben, die von Gewerbe- und Körperschaftssteuer befreit sind. Diese Befreiung erfolgt unter der Bedingung, dass sie 90 Prozent der Gewinne an die Anleger ausschütten.
Privatanleger, die an einem regelmäßigen passiven Einkommen interessiert sind, finden unter Umständen in REITs eine renditestarke Form des Investments.

Wie unterscheiden sich Immobilienaktien von anderen Anlagemöglichkeiten im Immobilienbereich?

Neben den Immobilienaktien gibt es noch weitere Anlageformen. Wir erläutern, wie sich Immobilienaktien von diesen unterscheiden.

Immobilien oder Aktien?

Die klassische Form der Immobilienanlage bezeichnet man als Direktinvestment. Das Kapital legen Investoren in eine bestimmte Immobilie an, welche diese entweder selbst nutzen oder vermieten.

Für Einsteiger, die noch mit ihrem Vermögensaufbau beschäftigt sind, bestehen durchaus finanzielle Hürden beim Kauf der entsprechenden Immobilie. Außerdem zeichnet sich das Direktinvestment durch eine niedrige Diversifikation aus, da meist nur in ein konkretes Objekt investiert wird. Eine ist daher kaum Risikostreuung möglich.

Alternative an der Börse: Offene und geschlossene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds sind eine typisch deutsche Kapitalanlage. Offen bedeutet, dass ein Anleger zu jedem Zeitpunkt über das Kapital verfügen kann, indem die jeweiligen Fondspapiere an der Börse verkauft werden. Dieses System steht allerdings in der Kritik, denn in der Vergangenheit kam es vor, dass offene in geschlossene Fonds einfach umgewandelt wurden und der Zugriff nicht mehr möglich war.

In einem geschlossenen Fonds ist das Kapital fest gebunden, was mit höheren Risiken verbunden ist. Häufig wird ein Investor automatisch zum Gesellschafter und muss das wirtschaftliche Risiko mittragen.

Daneben benötigen beide Fonds Verwalter, die zusätzliche Kosten für die Anleger mit sich bringen.

Neuer Trend: Crowdfinanzierung

Bei einer Crowdfinanzierung treffen sich Anleger und Immobilieninvestoren auf spezialisierten Plattformen im Netz. Mehrere Menschen investieren dabei in ein bestimmtes Projekt.

Die Anlagezeiträume sind meist sehr kurz bemessen und es können auch kleinere Beträge investiert werden. Hier sind Renditen von bis zu sechs Prozent pro Jahr möglich. Allerdings gibt es keine Beteiligungen an möglichen Gewinnen aus Vermietungen.

Worin unterscheiden sich Immobilienaktien von anderen Aktien?

Immobilienaktien funktionieren wie jedes andere Aktieninvestment. Es erfolgt eine Beteiligung an einem börsennotierten Unternehmen, das jedoch ausschließlich im Immobilienbereich tätig ist.
Durch diese Konzentration ist die Anlageform für Privatiers transparent und leicht zu verstehen. Unterschieden werden muss lediglich beim Portfolio der Konzerne:

  • Befinden sich die Immobilien in Deutschland oder auch im Ausland?
  • Welche Immobilienarten sind vertreten?
  • Kommen die Gewinne aus Mieteinnahmen oder arbeitet das Unternehmen nach dem Prinzip kaufen, sanieren, gewinnbringend verkaufen?

Immobilienaktien kaufen: Was sollten Sie beachten?

Die Immobilien-Aktien-Dividende für die Anleger betrug im Jahr 2019 bei den DAX-Unternehmen 38,6 Milliarden Euro. Zu erwarten waren Rekordausschüttungen, was viele veranlasste, auf den Zug aufzuspringen. Langfristige Wertsteigerung bei Immobilien sind derzeit weiterhin wahrscheinlich.

Damit das Investment zum Erfolg wird, ist neben der genauen Analyse des Portfolios eines Unternehmens auch der Standort der Immobilien entscheidend. Auf dem Häusermarkt besteht die Gefahr einer Blasenbildung, weshalb nicht jede Stadt dasselbe Potenzial besitzt.

Orientierungshilfe: Marktwerte

Wichtigste Kennzahl für Anleger von Immobilienaktien ist der NAV, kurz für Net Asset Value. Dieser Wert beziffert den Marktwert aller Immobilien des Konzerns abzüglich eventueller Schulden.
Ist der NAV unter dem Wert, mit dem die Immobiliengesellschaft an der Börse notiert wird, ist die Aktie im Ankauf zu teuer.
Allerdings lassen sich aus dem aktuellen NAV nicht die zukünftigen Entwicklungen ableiten.
Viele orientieren sich für den Einstieg an den DAX-Unternehmen, da eine entsprechend hohe Dividende erwartet wird. Doch selbst hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch unterhalb von DAX oder MDAX finden sich interessante Anlagemöglichkeiten mit Renditen zwischen drei und sieben Prozent.

Vorteile von Immobilienaktien

  • Hinter diesen Aktien stecken traditionelle Werte wie Grund und Boden, was Anlegern ein deutlich höheres Sicherheitsgefühl vermittelt als Investments in Technologien oder Dienstleistungen.
  • Immobilien bieten zudem solide Dividenden, was wichtig ist, wenn mit dem Investment passives Einkommen generiert werden soll.
  • Außerdem ist der Zugang zu dieser Anlageform relativ leicht und auch mit einem geringen Budget zu realisieren.
  • Besonders geeignet für den Einstieg in den Aktienmarkt

Risiken sind immer vorhanden

  • Immobilienkonzerne müssen hohe Investitionen tätigen und beschaffen das Kapital für Bau, Sanierung oder Ankauf häufig durch Kredite. Ist die Fremdverschuldungsquote eines Konzerns entsprechend hoch, sinkt bei steigenden Kreditzinsen gleichzeitig der Gewinn.
    ⮞ Auswirkungen auf den Aktienkurs möglich.
  • Der Wert an der Börse ist zudem nicht nur von Einnahmen und Wert der Immobilien abhängig, sondern unterliegt auch der gesamten Stimmung auf dem Anlagemarkt.
    ⮞ Eine Aktie kann plötzlich und ohne nachvollziehbare Gründe steigen oder fallen.
  • Das größte Risiko bei dieser Investmentform ist die Zahlungsunfähigkeit eines Konzerns.
    ⮞ Anleger können ihr gesamtes Kapital oder Teile davon verlieren.

Für wen lohnt sich die Investition in Immobilienaktien?

Es handelt sich bei Immobilienaktien um eine längerfristige Anlageform, da Dividenden meist jährlich komplett oder teilweise an die Anleger ausgeschüttet werden.
Daher sollte die Dividendenrendite im Vordergrund der Überlegungen stehen. Vor allem dann, wenn die Aktien eine Alternative zum Kauf einer eigenen Immobilie bzw. der Anlage in einen Fonds darstellen.

Grundsätzlich eignen sich diese Aktien für Einsteiger, die zunächst mit geringen Investments an der Börse Erfahrungen sammeln wollen. Ebenfalls sollten flexible Anleger über diese Investition nachdenken sowie solche, die ohne Fondsmanager auf dem Kapitalmarkt agieren möchten.

Wie bei jedem anderen Investment in Aktien setzen Immobilien eine gewisse Risikobereitschaft voraus, weshalb Anleger das eigene Aktienportfolio immer möglichst breit streuen sollten.