Das Jahr 2000 brachte den Anstoß für viele Veränderungen mit sich. Auch mit Blick auf die Umwelt hat die Bundesregierung die Förderung von erneuerbaren Energien im EEG 2000 gesetzlich verankert. Nach 20 Jahren ist es nun an der Zeit für Neuerungen, weshalb mit Beginn des Jahres 2021 die EEG-Novelle 2021 in Kraft tritt. Doch was beinhaltet diese Gesetzesänderung und wer muss sich auf neue Maßnahmen einstellen?

 

Was ist die EEG-Novelle 2021?

Bei der EEG-Novelle handelt es sich um die aktuellste Neuregelung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG), welches die Bundesregierung im Jahr 2000 erstmals verabschiedete. Grundgedanke dieses Gesetzes war die Förderung von Stromerzeugungsanlagen durch erneuerbare Energien, wie zum Beispiel durch Solar- oder Windkraftanlagen. Seit diesem ersten Entwurf entwickelte der Gesetzgeber die Richtlinien in regelmäßigen Abständen weiter.

Das wichtigste Ziel der Novelle zum Erneuerbaren Energie Gesetz ist, dass die Energieerzeugung in Deutschland bis zum Jahr 2050 mindestens zu 80 Prozent treibhausneutral ist. Hier inbegriffen ist sowohl der Strom, der in Deutschland selbst erzeugt wird, als auch importierter Strom. Die neue Regelung schreibt allerdings nicht vor, dass diese Energie zu 100 Prozent von erneuerbaren Stromerzeugern kommen muss. Das Jahr 2030 gilt als vorläufiges Etappenziel, mit einem Energieverbrauch, der bis zu 65 Prozent erneuerbar sein soll. Die Stromversorgung soll sich nach einer deutlichen Energiewende in neun Jahren folgendermaßen zusammensetzen:

  • 100 Gigawatt aus Photovoltaik
  • 71 Gigawatt aus Windkraft
  • 8,4 Gigawatt aus Biomasse

Damit diese Einschätzung eingehalten werden kann, ist vorausgesetzt, dass sich der Energieverbrauch 2030 in einem ähnlichen Rahmen wie heute bewegt. Um die klimafreundliche Stromgewinnung zu unterstützen, haben Geldanleger auch die Möglichkeit, in erneuerbare Energien zu investieren.

 

Wie gestaltet sich der Ausbau einzelner Baustellen?

Bei der Ausarbeitung der EEG-Novelle 2021 hat der Gesetzgeber nicht nur die Ziele für 2030 bzw. 2050 ausgearbeitet, sondern eine Reihe an detaillierten Entwürfen und Genehmigungen für einzelne Teilbereiche definiert.

 

Wie regelt die EEG-Novelle 2021 den Eigenverbrauch?

Bestand der EEG-Änderungen von 2021 ist, dass die EU-Regelungen im Eigenverbrauch auch in Deutschland gelten. Strom, der durch Solaranlagen selbst erzeugt und genutzt wird, ist zukünftig bei einer Leistung bis zu 30 kWp von der EEG-Umlage befreit. Dies ist sowohl für Bestandsanlagen als auch für ausgeförderte Anlagen gültig. Wie in der Vorgängerregelung (Zehn-Kilowatt-Grenze) besteht die Befreiung nur für eine begrenzte Strommenge, die jetzt bei 30 Megawattstunden pro Jahr liegt.

 

Was ändert sich für die Ausschreibungen für PV-Dachanlagen?

Im Hinblick auf die Ausschreibungen für PV-Anlagen bringt die EEG-Novelle 2021 zwei beachtliche Neuerungen mit sich. Die Ausschreibungspflicht tritt, wie bereits im Programm von 2017 festgelegt, erst ab einer Stärke von 750 Kilowatt in Kraft. Dachanlagenbetreiber stehen nicht mehr in Konkurrenz mit Anlagen auf freien Flächen. Es findet nun eine Differenzierung der Anlagenprojekte in zwei Segmente statt:

  • Segment 1: Solaranlagen, die auf Bauanlagen oder freien Flächen errichtet sind.
  • Segment 2: Solaranlagen, die an Gebäuden oder Lärmschutzwänden angebracht sind mit einer Leistung ab 750 Kilowatt. Anlagenbetreiber aus dem zweiten Segment konkurrieren untereinander, allerdings nicht mehr mit Projekten aus dem ersten Segment. In der EEG-Novelle 2021 schrieb der Gesetzgeber Kapazitäten bis zu 300 Megawatt aus.

Die zweite Neuregelung bezieht sich auf den Eigenverbrauch, den große Anlagen erzeugen. PV-Dachanlagen, die mehr als 300 Kilowatt Strom erzeugen, sind nicht Teil der Ausschreibung bzw. dazu verpflichtet. Sollten PV-Anlagen allerdings nicht über eine Ausschreibung verwirklicht werden, stehen den Betreibern lediglich 50 Prozent der Vergütung zu. Folglich sind solche Anlagen nur profitabel, wenn 50 Prozent der produzierten Leistung durchgehend in den Eigenverbrauch fließen.

 

Was passiert mit Anlagen die „ausgefördert“ sind?

Die fortlaufende Nutzung von Solaranlagen, deren Förderung nach 20 Jahren ausgelaufen ist, wird schwierig. Für ausgeförderte Windkraftanlagen bestehen vier Möglichkeiten:

  • Rückbau
  • Repowering
  • Übergang in eine direkte Vermarktung
  • Übergangsregelung: Stromproduzenten dürfen bis zum Jahr 2027 erzeugten Strom an Netzbetreiber verkaufen.

Generell dürfen Nutzer von Post-EEG-Solaranlagen (Ü20 PV-Anlagen) diese weiter betreiben. Damit Eigentümer nicht von finanziellen Verlusten betroffen sind, können Sie Ü20-Anlagen auf Eigenverbrauch umfunktionieren. Der produzierte Solarstrom ist somit ohne EEG-Umlage für den Eigenverbrauch nutzbar. Stromerzeugnisse, die von einer PV-Anlage kommen, jedoch nicht in den Eigenverbrauch fließen, werden zum Marktwert ins Stromnetz integriert. Folgende Vergütung erfolgt durch die Netzbetreiber:

  1. 2,4 Cent für jede Kilowattstunde. 0,4 Cent pro Kilowattstunde fallen für Vermarktungskosten an.
  2. 2,4 Cent für jede Kilowattstunde. Bei einer Vermarktung mit Smart Meter fallen pro Kilowattstunde 0,2 Cent an.

 

Was sagt die EEG-Novelle 2021 bezüglich Mieterstrom aus?

Die EEG-Änderungen von 2021 in Bezug auf Mieterstromprojekte weisen deutliche Verbesserungen auf.

  • Mieterstrom entfällt aus der Gewerbesteuer:

Die Energiekosten, die bei Gewerbetreibenden für Büro- oder Ladenräume anfallen, müssen ab 2021 nicht mehr steuerlich erfasst werden.

  • Aufstockung des Mieterstromzuschlags:

Einen eindeutigen Fortschritt bringt die EEG-Novelle 2021 in Hinblick auf den Mieterstromzuschlag. Photovoltaikanlagen, die Strom für einzelne Mietparteien erzeugen, erhalten eine Prämie, je nach Leistung:

3,79 Cent pro Kilowattstunde bei einer Leistung bis zu 10 kW
3,53 Cent pro Kilowattstunde bei einer Leistung bis zu 40 kW
2,37 Cent pro Kilowattstunde bei einer Leistung bis zu 500 kW

Zudem dürfen Anlagenbetreiber nun externe Solardienstleister engagieren, um Mieterstrom zu erzeugen. Das Anrecht auf den Mieterstromzuschlag bleibt dennoch erhalten.

 


Welchen Wandel legt die EEG-Novelle 2021 bei der Windenergie an Land fest?

Innerhalb der neuen EEG-Regelungen 2021 muss sich die Windenergie hintenanstellen. Für Länder und Kommunen ist es nicht leicht, passende Grundstücke zu finden, bei denen alle Naturschutzkriterien erfüllt sind. Die EEG-Novelle 2021 liefert einige Anreize im Hinblick auf die Windenergie. Einerseits initiiert der Gesetzgeber eine weitere Referenzstufe, womit der Bau von Windkraftanlagen auch an weniger passenden Flächen lukrativ erscheinen soll. Bauvorhaben, die in der Südregion geplant sind, sollen in Ausschreibungen favorisiert werden. Diesem Zusammenhang tritt jedoch ein neues Verfahren zur Zielerreichung in Kraft. Laut § 28, 6 EEG 2021 soll die Bundesetzagentur die Ausschreibungsmenge reduzieren, wenn es für eine Ausschreibung um einen Projektzuschlag zu wenige Bewerber gibt.

Auch in der Finanzwelt und in Bezug auf Geldanlagen wollen sich Investoren immer mehr für Umweltschutz einsetzen. Durch ökologisches Impact Investing ist es möglich, das eigene Geld in nachhaltige Projekte anzulegen.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Unternehmen im ökologischen Landbau
  • Nachhaltige Immobilienprojekte
  • Firmen, die Wasser-, Windkraft oder Solarenergie produzieren

 

 

Fazit

Die EEG-Novelle 2021 zeigt viele detaillierte Änderungen auf. Die bisherigen Bestimmungen im Eigenverbrauch sind von 10 auf 30 kW angehoben worden. Zudem ist die Ausschreibung von PV-Dachanlagen in zwei Segmenten ab (großflächige Solaranlagen vs. Dachanlagen). Anlagen, deren Förderung von 2000-2020 angesetzt war, können ihre Anlagen weiterhin verwenden. Strom ab 30 kWp muss bei Netzbetreibern eingespeist werden. Positive Änderungen gibt es im Hinblick auf den Mieterstrom, der aus der Gewerbesteuer entfällt. Zudem wird der Mieterstromzuschlag aufgestockt. Mit einer neuen Referenzstufe will die EEG-Novelle 2021 den Bau von Windkraftanlagen vor allem in den südlichen Regionen Deutschlands interessant machen. All diese einzelnen Bestandteile sollen dazu beitragen, dass die Energieproduktion in Deutschland bis 2030 zu 65 % und 2050 zu 80 % erneuerbar bzw. treibhausneutral ist.

 

Häufig gestellte Fragen zum Thema EEG-Novelle 2021

 

Können sich Kommunen finanziell an den Einnahmen von Windenergie beteiligen?

Die EEG-Novelle 2021 schließt eine wirtschaftliche Beteiligung der Kommunen an den Einkünften von Windanlagen ein. Windenergiebetreiber, denen eine Prämie für ihr Projekt zukommt, dürfen den umliegenden Kommunen 0,2 Cent pro Kilowattstunde vorschlagen. Hierzu zählen nur Gemeinden, die in einem Umkreis von 2,5 km zur Windkraftanlage liegen.

Müssen Anlagenbetreiber einer Post-EEG-Anlage selbst aktiv werden?

Grundsätzlich ist der Wechsel von der geförderten in die ausgeförderte Einspeisevergütung ein automatischer Vorgang und der Eigentümer muss vorerst nichts in die Wege leiten. Bei der Regelung um ausgeförderte Einspeisevergütungen handelt es sich jedoch nur um eine Übergangslösung. Daher sollten sich Eigentümer einer Anlage frühzeitig um eine passende Vermarktungsform kümmern.

Schließt die EEG-Novelle die Stromerzeugung durch Wasserstoff ein?

Durch die EEG-Änderungen von 2021 ist auch die Förderung zur Wasserstoffproduktion vorgesehen. Der Strom, der zur Erzeugung von grünem Wasserstoff benutzt wird, ist von der EEG-Umlage befreit. Unternehmen, die Wasserstoff produzieren, müssen allerdings ein zertifiziertes Energie- und Umweltmanagementsystem nachweisen.

Was gilt für Biomasseanlagen?

Biomasseanlagen, die unter einer Leistung von 150 kW liegen, sind nicht von der Ausschreibungspflicht betroffen und erhalten gemäß den EEG-Änderungen von 2021 eine Förderung. Biomasseanlagen, die von Betreibern neu eröffnet werden und eine Leistung von zwischen 151 Kilowatt und 20 Megawatt produzieren, erhalten eine Zuzahlung nur durch Ausschreibung.

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