Private Haushalte in Deutschland verfügen nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt über ein Vermögen von mehr als 230.000 Euro. Über 40 Prozent des Geldes stecken dabei im Barvermögen oder liegen auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern. Trotz der Liebe zu risikoarmen und schnell verfügbaren Geldanlagen rücken alternative Anlagemöglichkeiten zunehmend in den Fokus. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die anhaltende Zinsflaute, die konservative Anlageformen unter Berücksichtigung der Inflation zu einem Verlustgeschäft für viele Sparer macht. Welche Chancen und Risiken die einzelnen Anlagen bieten und warum eine möglichst breite Streuung des Vermögens heute wichtiger denn je ist, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Girokonto – bequem, aber teuer

Wie eine aktuelle Vermögensumfrage der Deutschen Bundesbank zeigt, haben sich die durchschnittlichen Guthaben auf Girokonten seit 2014 um fast zwei Drittel erhöht. Zum Sparen eignet sich das Konto allerdings nicht, denn hier verliert das Geld angesichts weiter sinkender Zinsen und konstanter Inflation stetig an Wert. Hinzu kommt, dass kostenlose Girokonten auf dem Markt immer seltener angeboten werden. Zum inflationsbedingten Kaufkraftverlust müssen also noch regelmäßige Gebühren für Kontoführung und andere Bankdienstleistungen hinzugezählt werden.

Sparbuch und Tagesgeldkonto – flexibel, aber renditeschwach

Das Sparbuch und das Tagesgeld gehören trotz der aktuellen Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank zu den beliebtesten Anlagemöglichkeiten. Beide Finanzanlagen punkten mit einer hohen Sicherheit, Verfügbarkeit und Flexibilität. Dabei ist die Rendite in den letzten Jahren allerdings weitestgehend auf der Strecke geblieben. Etwas höhere Zinsen bei Tagesgeldkonten erhalten Sie in der Regel nur noch für einen kurzen Zeitraum als Neukunde bei einigen wenigen Banken. Vielmehr reichen zahlreiche Geldhäuser heute ihre Strafzinsen bei der Europäischen Zentralbank in Form eines sogenannten Verwahrentgeltes an Kunden weiter, die über hohe Finanzeinlagen verfügen. Darüber hinaus können Negativzinsen für Kleinsparer zukünftig nicht mehr ausgeschlossen werden.

Auch das Sparbuch als Klassiker wirft in vielen Fällen keine nennenswerte Rendite mehr ab. Aus diesem Grund werden Sparpläne immer häufiger mit Investitionen in Wertpapieren, Aktien oder Fonds kombiniert, um die Erträge bei einem überschaubaren Risiko zu steigern.

Vermeintlich bessere Konditionen für Festgeld bei ausländischen Banken

Im Gegensatz zum Tagesgeld erhalten Sie beim Festgeld eine fixe Verzinsung für einen vereinbarten Zeitraum, können über den angelegten Betrag bis zur Auszahlung aber nicht verfügen. Mitunter bessere Konditionen bei vergleichbaren Sicherheiten bieten ausländische Banken. Hier müssen Sie Ihre Erträge aus Zinsen aber oft selbst dem Finanzamt melden, während die Banken mit deutscher Lizenz die Abgeltungssteuer direkt abführen. Empfehlenswert ist die Wahl einer möglichst kurzen Laufzeit, da eine längere Anlagedauer oft nur minimal höher verzinst wird und da Sie bei kurzer Laufzeit Ihr Kapital flexibler in andere Anlagemöglichkeiten investieren können. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass die Bank ihren Sitz in der Europäischen Union hat, denn nur dann sind Bankeinlagen bis zu 100.000,- Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Allerdings hat jedes EU-Land eigene Sicherungssysteme für den Fall einer Bankenpleite, d.h. die Einlagensicherung ist national organisiert. Oft fehlen zusätzliche freiwillige Sicherungssysteme wie in Deutschland. Neben schwankenden Zinshöhen ist auf die Belastbarkeit der jeweiligen nationalen Einlagensicherung zu achten. Allerdings dürfte bei einer Systemkrise, die den gesamten Bankensektor umfasst, die Einlagensicherung in jedem EU-Land an ihre Grenzen stoßen.

Bausparverträge und Lebensversicherungen beliebt, aber ertragsschwach

Neben anderen sicherheitsorientierten Anlageformen sind vor allem Bausparverträge und Kapitallebensversicherungen sehr beliebt. Der Bausparvertrag fungiert in erster Linie als zweckgebundene Anlage für Baufinanzierungen und Renovierungen. Entscheiden Sie sich nach der Zuteilung dafür, das Darlehen nicht in Anspruch zu nehmen, erhalten Sie bei manchen Banken eine zusätzliche Prämie zum verzinsten Geld. Allerdings gelten für die Rendite aktueller Bausparverträge die gleichen schlechten Rahmenbedingungen wie für andere konservative Anlagemöglichkeiten. Zudem müssen Sie als Anleger meist recht strikte Regeln beachten, um die Prämie zu erhalten.

Kapitallebensversicherungen vereinen die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen mit den Möglichkeiten der Kapitalbildung. Bis vor einigen Jahren, bei vergleichsweise hohen Zinssätzen von rund vier Prozent, galten diese Policen vielen Versicherungsnehmern als solides Sparprodukt zur Altersvorsorge. Angesichts niedriger Zinsen und hoher laufender Kosten werfen viele Versicherungen aber kaum noch Erträge ab, sodass sich andere Anlageformen aktuell deutlich besser zum Vermögensaufbau eignen.

Waage

Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen

Klassische Anlagemöglichkeiten: Vor- und Nachteile auf einen Blick

Wie verschiedene Erhebungen zur Vermögensbildung und Altersvorsorge zeigen, spielen Sicherheit und Flexibilität bei der Geldanlage für Sparer in Deutschland die mit Abstand größte Rolle. Entsprechend beliebt sind konservative Anlagemöglichkeiten, bieten diese doch insbesondere den Unerfahrenen einige Vorteile:

  • hohe Sicherheit der Geldanlage
  • nur geringe Vorkenntnisse für Abschluss erforderlich
  • hohe Verfügbarkeit bei den Banken/Versicherungen
  • viel Flexibilität bei kurzfristigen Anlageformen

Für ihr starkes Sicherheitsbedürfnis nehmen die privaten Haushalte aber auch einige Nachteile in Kauf, die gerade in Zeiten niedriger Zinsen zu einem realen Kaufkraftverlust führen:

  • vergleichsweise geringe bis gar keine Erträge
  • Rendite in Niedrigzinsphasen häufig unterhalb der Inflationsrate
  • höhere Rendite meist nur bei längerfristiger Bindung
  • geringe Liquidität bei langfristigen Verträgen
  • langsames bis rückläufiges Vermögenswachstum

Fonds auf dem Vormarsch

Eine höhere Rendite bei überschaubarem Risiko versprechen sich viele Anleger von Investmentfonds. Mehr als 25 Prozent der Deutschen investieren mittlerweile in Fonds. Insbesondere Aktien- und Mischfonds liegen in der Gunst der Verbraucher weit vorne. Im Vergleich zu Geldanlagen in einzelne Anleihen oder Aktien besitzen Fonds den Vorteil einer breiten Streuung und bieten gerade Einsteigern gute Möglichkeiten für den Vermögensaufbau. Die Höhe der Rendite hängt dabei in starkem Maße von der Zusammenstellung des jeweiligen Fonds ab. Bei der Ermittlung des genauen Ertrags müssen Sie zudem die Order- und Verwaltungsgebühren sowie eventuelle Ausgabeaufschläge und Gebühren für Ihr Depotkonto berücksichtigen, weshalb die Kosten für Fonds als vergleichsweise hoch gelten.

Eine alternative Anlagemöglichkeit zu den aktiv gemanagten Fonds stellen die sogenannten ETFs (Exchange-Traded Funds) dar, bei denen Anleger auf ein passives Fondsmanagement setzen. ETFs bilden in der Regel einen Index, zum Beispiel den DAX, ab und sind durch ihre einfache Konstruktion deutlich kostengünstiger. Auch sie bieten einen guten Einstieg in den Aktienmarkt mit guten Renditechancen und einer Streuung des Risikos auf verschiedene Aktienwerte.

ETFs erscheinen aber nur auf den ersten Blick als einfach. Dass auch diese erhebliche Risiken mit sich bringen, darauf weisen z.B. die Verbraucherzentralen hin. Zugleich verpassen ETFs aufgrund des fehlenden aktiven Fondsmanagements oft Marktchancen. Ein guter, aktiv gemanagter Fonds wird daher in der Regel einen ETF schlagen.

Boom bei Immobilien

Einen wahren Boom gibt es seit vielen Jahren bei den Immobilien. Wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, haben die Preise für Wohnimmobilien seit 2015 bundesweit im Schnitt um 22 Prozent zugelegt. Dementsprechend ist auch die Beliebtheit von Immobilien als Geldanlage in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen.

Für viele Deutsche ist der Traum von den eigenen vier Wänden mit der langfristigen Altersvorsorge verknüpft. Mietfrei wohnen im Alter bedeutet dabei allerdings nicht, dass keinerlei Wohnkosten anfallen. Bereits bei Eigentumswohnungen schlägt das Hausgeld mit mehreren Hundert Euro monatlich zu Buche. Im Laufe der Jahre kommen Reparaturen und Modernisierungen hinzu, die Sie als Eigentümer finanziell selbst stemmen müssen. Haben Sie in eine Immobilie investiert, um sie später gewinnbringend zu verkaufen, spielen vor allem die Lage, die Bausubstanz und die zukünftige Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt eine Rolle. Gerade wenn der Verkauf erst in einigen Jahrzehnten stattfinden soll, ist noch völlig offen, ob das Betongold Gewinn abwirft oder zu einem Verlustgeschäft wird. Vorschau des Planungsentwurf Büro- und Verwaltungsgebäude

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch Immobilien als Kapitalanlage. Für den zu erwartenden Ertrag ist hier die Rendite der Mietimmobilie entscheidend. Im Zuge des allgemeinen Immobilienbooms bieten sich Ihnen in erster Linie in den Speckgürteln großer Städte zahlreiche attraktive Anlagemöglichkeiten. In den Metropolen sind die Kaufpreise in den letzten Jahren hingegen deutlich stärker gestiegen als die Mietpreise, sodass die Bruttomietrenditen vielerorts teils deutlich unter vier Prozent gesunken sind. Hinzu kommen Vermietungsrisiken.

Besonders im Trend liegen derzeit innovative und nachhaltige Bauprojekte, die hohe ökologische Standards erfüllen. Da der Kauf und die Vermietung einer Immobilie mit hohen Aufwänden, Kosten und langfristigen finanziellen Bindungen einhergeht, stellen Kapitalanlagen für solche Projekte eine interessante Option für Anleger dar. Auf unserer Finanzplattform SKAPA finden Sie renditestarke und nachhaltige Immobilienprojekte mit einem überschaubaren Anlagezeitraum, die sie bereits ab einer Einstiegssumme von 1.000 Euro direkt online zeichnen können.

Hohe Chancen und Risiken bei der Geldanlage in Aktien

Die Nutzung von Aktien als Anlagemöglichkeit eröffnet Ihnen große Chancen auf Rendite, birgt aber auch große Verlustpotenziale. Weil der Ertrag immer von Marktschwankungen und der jeweiligen Unternehmensentwicklung abhängig ist, gelten Aktien als besonders riskante Anlageform. Neben einer möglichst breiten Streuung im Wertpapierdepot kommt es bei dieser Geldanlage daher vor allen Dingen auf einen langen Atem an, da in schlechten Börsenphasen vorübergehend auch Verluste auftreten können. Ein Blick auf die Entwicklung des Dax verdeutlicht diesen Aspekt: Der deutsche Leitindex ist zwischen Ende 2017 und Spätsommer 2019 zwar um rund elf Prozent gefallen, im Zehnjahresvergleich zeigt sich aber mehr als eine Verdopplung des Aktienwertes.

Insbesondere bei Aktien lohnt sich zudem ein Blick über den Tellerrand. Viele deutsche Anleger agieren auch auf dem Börsenparkett eher konservativ und investieren gerne in altbekannte heimische Werte. Wie viel mehr Ertrag tatsächlich möglich ist, zeigt zum Beispiel der US Tech 100, der in den letzten zehn Jahren um fast 500 Prozent gewachsen ist.

Fazit: Passende Anlagemöglichkeiten zur persönlichen Situation wählen

Gerade in Zeiten niedriger Zinsen spielt die richtige Mischung der Finanzanlagen eine entscheidende Rolle, damit der Vermögensaufbau unter dem Strich nicht zu einem Verlustgeschäft wird. Allein im Jahr 2018 haben die deutschen Sparer nach Berechnungen der Comdirect Bank fast 40 Milliarden Euro durch niedrig verzinste Geldeinlagen verloren. Den einzigen Ausweg aus dem Dilemma bietet eine breite Diversifizierung in Anlageformen wie Fonds, Immobilien und Aktien, die in der Regel aber eine Bereitschaft zu längerfristigen Investments erfordern, um mögliche Verlustrisiken zu minimieren.

Wie der individuelle Anlagenmix konkret aussehen sollte, hängt sehr stark von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Zielen ab. Wollen Sie von Ihrem Ersparten vor allem gut im Alter leben können? Wollen Sie vielleicht früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden? Oder wollen Sie möglichst viel an Ihre Nachkommen vererben? Vor dem Hintergrund, dass sich die eigenen Ziele, aber auch die finanziellen und wirtschaftlichen Umstände schnell ändern können, sollten Sie Ihre Vermögensverteilung regelmäßig mit Ihrer persönlichen Lebenssituation abgleichen. Je nachdem ergeben sich neue, spannende Anlagemöglichkeiten, von denen Sie beim Vermögensaufbau profitieren können.

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