Niedrigzins

Ursachen & Auswirkungen für private Anleger

Die Europäische Zentralbank (EZB) ändert auch im Oktober 2019 nichts am Null-Prozent-Leitzins, der bereits seit März 2016 die Finanzwelt auf den Kopf stellt. Der Grundsatz, wer Geld verleihe, erhalte Zinsen, wer Schulden schreibt, werde durch Zinsen bestraft, gilt schon längst nicht mehr. In dieser verkehrten Welt belohnen günstige Kredite Investitionen, finanzielle Rücklagen werfen jedoch immer weniger Rendite ab.

Was der Niedrigzins mit Finanzstabilität zu tun hat, welche Ziele die internationalen Notenbanken mit dem Zinstief verfolgen und mit welchen Auswirkungen private Anleger durch die Niedrigzinspolitik rechnen müssen, erfahren Sie von uns.

Was sind Leitzins & Niedrigzins?

Zentralbanken wie die EZB oder ihre US-Entsprechung Federal Reserve System (FED) legen jeweils einen Leitzins fest, zu dem sich die Banken im entsprechenden Wirtschaftsraum Geld leihen können. Die Höhe des Leitzinses wirkt sich im Zuge der Geldpolitik der Zentralbanken auf den jeweiligen Wirtschaftsraum aus. Um die Folgen der weltweiten Finanzkrise ab 2007 zu kompensieren, einigten sich die Weltbanken auf einen niedrigen Leitzins, der als Niedrigzins bis heute beibehalten bzw. über die Jahre sukzessive noch weiter abgesenkt wurde.

Die Niedrigzinsphase in Europa & der Welt

Seit über zehn Jahren fällt das Zinsniveau stetig: Der Leitzins sank seit 2008 um insgesamt 4,25 Prozentpunkte und verharrt nun schon seit drei Jahren auf null Prozent. Die Dauer dieser Niedrigzinsphase ist beispiellos, dennoch verfolgt die Finanzpolitik mit dem Drücken des Leitzinses ihr Ziel der Finanzmarktstabilität.

Auslöser der Niedrigzinspolitik

Die Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 verlangte schnelles Handeln von den großen Weltbanken: EZB, US-Notenbank FED sowie Japans Zentralbank und die des Vereinigten Königreichs vereinbarten das Absenken des Leitzinses. Die Notfallmaßnahme zur Stabilisierung des Finanzmarktes kommt in wirtschaftlich schwachen Zeiten zur Anwendung, um die Wirtschaft anzukurbeln und Kredite für Investitionen günstiger zu machen. Die anhaltende Niedrigzinspolitik ist auch der fortwährenden finanziellen Probleme einiger europäischer Staaten geschuldet.

Ziele der großen Zentralbanken

Die Geldpolitik der großen Notenbanken drückt den Leitzins, um Investitionen und Kredite attraktiver zu machen: Je niedriger der Einlagezinssatz für Banken bei EZB & Co. ist, umso weniger Geld lassen die Banken dort „liegen“. Stattdessen fließt das Kapital, so die Theorie, in die Wirtschaft und schafft dadurch Innovation, Fortschritt und sichere Arbeitsplätze.

Zudem stabilisiert der Niedrigzins die Staatshaushalte vieler Volkswirtschaften: Die Schulden, die alle europäischen Staaten bei der EZB haben, müssen diese selbstverständlich verzinsen. Je niedriger der Leitzins, umso leichter lässt sich dieses Defizit abbauen und der Staatshaushalt konsolidieren. Hilfszahlungen der EZB wie an Griechenland – die letzte Tranche vergünstigter Kredite wurde 2018 ausgezahlt – sollen mit dem Drücken des Leitzinses vermieden werden.

Auswirkungen der Niedrigzinspolitik

Paneuropäische Auswirkungen

Die niedrigen Zinsen fördern derzeit nur bedingt Investitionen in neue wirtschaftliche Projekte: Starken Wirtschaftsstandorten wie Deutschland ging es über mehrere Jahre so gut, dass Unternehmen selbst über genug Kapital verfügten, um ihre Investitionen zu finanzieren. Der deutsche Staat profitiert dennoch von der EZB-Zinspolitik, denn der Haushalt ließ sich leichter konsolidieren – 2015 sparte die deutsche Regierung 43 Milliarden Euro durch den niedrigen Zinssatz ein.

In anderen europäischen Ländern wie Italien oder Portugal fehlen stattdessen ausreichend viele Unternehmen mit Wachstumspotential, sodass hier die Investitionskredite ebenfalls nicht genutzt werden. Die komplexen Zusammenhänge aus äußeren Umständen und staatlichen Versäumnissen lassen Italien im Vergleich zum ehemaligen „PIGS“-Staat Spanien schlechter dastehen: Die spanische Wirtschaft erlebt derzeit einen Aufschwung, der unter anderem mit der Niedrigzinspolitik der EZB zusammenhängt. Die spanische Regierung setzte zudem auf Arbeitsmarktreformen und eine konsequente Revision des Bankensektors.

Folgen für private Anleger

So schätzen Verbraucher 2018 verschiedene Anlageformen während der Niedrigzinsphase ein:

Während Schulden zu machen günstig ist, rentiert sich Sparen durch den Niedrigzins wenig bis gar nicht: Das spüren auch private Anleger, wenn sie ihr Geld auf dem Sparbuch liegen lassen oder in Staatsanleihen investieren. Der Aktienmarkt profitiert dagegen von den niedrigen Zinsen. Diese unterschiedlichen Auswirkungen hat die Niedrigzinsphase auf unterschiedliche Anlageformen:

Sparbriefe & Sparbücher

Besonders Geringverdiener sammeln ihr Erspartes häufig auf einem Sparkonto oder entscheiden sich, wenn überhaupt, für sehr risikoarme Geldanlagen: Die Banken, deren eigene Anlagen nur noch gering verzinst werden, geben privaten Anlegern ebenso wenig Zins zurück, sodass Sparbriefe und Sparbücher wenig oder fast keine Zinsen abwerfen. Die Inflation wird durch diese minimalen Zinsen nicht kompensiert. Sparer gewinnen also auf Dauer wenig bis nichts durch die finanziellen Rücklagen. Im schlimmsten Fall reduziert sich durch die Inflation der reale Wert ihrer Ersparnisse.

Kapitalbildende Versicherungen

Die Niedrigzinsphase wirkt sich selbstverständlich auch auf Versicherungskonzerne aus, die ihren Garantiezins erheblich nach unten korrigieren müssen. Da die Versicherungen ebenfalls in Anleihen oder andere Finanzmarktprodukte investieren, sind ihre Gewinne zurückgegangen. Das wirkt sich nicht nur auf neue Policen aus, die nur noch mit sehr wenig Festzins locken können. Die Finanzierung der alten Versicherungsverträge mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent erschwert zudem die Arbeit der Versicherungsunternehmen.

Anleihen & festverzinsliche Wertpapiere

Die lange Laufzeit und das geringe Risiko von Anleihen machten den Ankauf von Anleihen besonders für die private Altersvorsorge attraktiv: Zum Anleihenmarkt gehören sowohl Staatsanleihen als auch festverzinste Wertpapiere von Unternehmen mit langer Laufzeit. Diese verlieren in Niedrigzinsphasen mehr und mehr an Attraktivität. Die EZB kauft zudem Staatsanleihen und Unternehmensanleihen auf, erzeugt also eine große Nachfrage, wodurch die Rendite weiter sinkt.

Aktien & Fonds

Die EZB kurbelt die Wirtschaft an und macht dadurch Aktien als Investitionsform besonders attraktiv. Je mehr Kapital fließt, umso mehr steigen die Aktienkurse, denn andere Geldanlagen zahlen sich in der Niedrigzinsphase nicht aus. Betrachtet man die Kurse auf lange Sicht, steigt der Wert von Aktien stetig, auch wenn politische oder wirtschaftliche Faktoren gelegentlich Kursschwankungen auslösen. Langfristige ETFs und Aktienfonds sind im Kommen. Viele Anleger denken bei ihrem Investment zudem nicht nur über die Dividende, sondern auch über ethische Kriterien nach und entscheiden sich für spezielle grüne Fonds oder andere nachhaltige Geldanlagen.

Immobilien

Günstige Zinsen verheißen sehr attraktive Finanzierungsmöglichkeiten für Hausbauer. Banken vergeben Immobilien-Darlehen zu sehr geringen Zinssätzen, wodurch der Neubau oder der Kauf von Wohneigentum für viele Menschen finanzierbar wird. Besonders der Neubau von energieeffizienten, grünen Gebäuden boomt im Zuge des immer stärker werdenden Umweltbewusstseins.

Andererseits entscheiden sich viele private Anleger für Immobilieninvestments. Auch hier sind grüne Immobilien und nachhaltige Projekte von Anbietern nachhaltiger Investmentprojekte wie SKAPA Invest auf dem Vormarsch, da den Anlegern ihre ökonomische und ökologische Verantwortung immer stärker bewusst wird. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Immobilien bzw. der Überzeugung zahlreicher Anleger, Immobilieninvestitionen seien sichere Anlageformen, steigen die Immobilienpreise vor allem in Großstädten und Ballungsräumen weiter an.

Fazit zum Niedrigzins

Anleger sollten die anhaltende Niedrigzinsphase nutzen, um kritisch über ihre bisherigen Geldanlagen nachzudenken oder sich entsprechend über noch rentable Anlageformen zu informieren. Dabei schneiden Sachwerte wie Immobilien oder Aktienfonds am besten ab. Der Trend geht außerdem zu nachhaltigen Fonds oder grünen Immobilien, da hier nicht nur mit einer ansprechenden Rendite gerechnet werden kann, sondern auch in die ökologische und ökonomische Zukunft investiert wird.

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